Habeck: "Perspektive ändern"

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17. Januar 2013, 01:14 Uhr

Ellerbek | Vielleicht hätte Schleswig-Holsteins Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Robert Habeck (Grüne, Foto), doch eine Kopfschmerztablette einnehmen sollen, bevor er sich beim Kreisbauerntag in Ellerhoop den Fragen und der Kritik der Kreis Pinneberger Landwirte stellte. Spätestens beim Thema Knickschutz konnte er den Applaus der Bauern knicken.

Mehr als 300 Landwirte waren erschienen, um den Minister reden zu hören - so viele wie lange nicht, wie der Kreisvorsitzende des Bauernverbands, Lars Kuhlmann, betonte. "Das zeigt, wie viel Brisanz in der Geschichte steckt." Kuhlmann forderte praxisgerechte Lösungen in Sachen Knickschutz. "Insbesondere im Kreis sind wir durch die Kleinstrukturen besonders betroffen", so Kuhlmann. Es habe im Kreisgebiet wenig Flurbereinigungen gegeben. Daher gebe es viele Knicks. Es könne nicht sein, dass die Landwirte dafür bestraft würden.

Die Sorge der Landwirte: Kommt die Regelung über einen ein Meter breiten Schutzstreifen am Knick, würden landesweit deutlich mehr als 10 000 Hektar aus der Nutzung fallen. Ein Unding für die heimischen Bauern, die auch Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Schutzstreifens äußerten.

Habeck konnte den Landwirten nichts versprechen. Er warb für Verständnis, dass er als Minister versuche, "das Dreieck" der sich gegenseitig bedingenden Themenfelder Umweltschutz, Landwirtschaft und Energiewende "immer wieder neu auszutarieren". Dazu seien Maßnahmen nötig. Auch der Knickschutz. Er führte 7000 Arten ins Feld, die in so einem Knick vorkommen können und Schutz verdienen. Immerhin stellte Habeck vage in Aussicht, die Regelungen für den Knickschutz noch zu überarbeiten, außerdem ein Förderprogramm - das hänge aber auch von den zurzeit nicht absehbaren Mittelzuweisungen ab.

Doch es ist nicht nur die Knick-Frage, die die Bauern bewegt. Zusätzliche Flächen-Einbußen durch neue Abstandsstreifen zu Gewässern, steigende Pachtpreise, längere Gülleaufbewahrung und die aus ihrer Sicht nicht nachvollziehbare Kehrtwende in Sachen erneuerbare Energien - die Klageliste der Landwirte ist lang. Und mitunter verständlich. So brachte es ein Landwirt ganz anschaulich auf den Punkt, der sagte: "Wenn ich teure Flächen pachte, möchte ich sie auch vollständig nutzen."

Habeck jedoch forderte Zugeständnisse. Er sehe eine Riesenchance für die Landwirtschaft von ihrem schlechten Image wegzukommen. Das gehe aber nur, wenn die Landwirte nicht alles, was aus dem Naturschutz kommt, per se als Feind der Landwirtschaft betrachten würden. "Ich werbe dafür, dass Sie Ihre Perspektive ändern", so Habeck.

Den Fokus nicht immer auf die Landwirtschaft zu legen, forderte dagegen ein Bauer, der monierte, dass immer nur von Schadstoff-Einträgen der Landwirte die Rede sei. "Aber wie viele Tonnagen Medikamente nimmt die Bevölkerung? Und wo bleiben diese Wirkstoffe?" Obwohl Sohn eines Apothekers, hatte Habeck darauf keine rechte Antwort. Nur so viel, dass er auch eine Kopfschmerz-Tablette einnehme, statt nach Hause zu gehen, "um die nächste Sitzung oder einen Kreisbauerntag durchzustehen."

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