Gutachter hält Sexgangster aus Barmstedt für "sehr gefährlich"

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05. September 2012, 01:14 Uhr

ITzehoe | Vierter Tag im Prozess gegen den Barmstedter Tanju S. (24). Weitere sechs Zeugen und den Kieler Sexualgutachter Professor Dr. Hartmut Bosinski hörte die unter Vorsitz von Strafrichter Eberhard Hülsing tagende 2. Große Strafkammer am Landgericht Itzehoe. Tanju S. soll im Zeitraum von Februar bis Oktober 2011 sechs junge Frauen (19 bis 29) und eine 89-Jährige zur Befriedigung seines Sexueltriebes überfallen haben. Dabei soll er bezüglich der jüngeren Opfer brutal vorgegangen sein, die Rentnerin soll er überlistet haben.

Auf den nächtlichen Strassen von Barmstedt, Elmshorn und Hamburg fand S. laut Anklage seine Opfer. So schnell er über die jungen Frauen hergefallen sei, so schnell sei er wieder im Schutz der Dunkelheit veschwunden. Besonders gravierend soll die letzte Tat des Barmstedters gewesen sein. Vornehmlich um diesen Vorfall ging es am gestrigen Verhandlungstag. In einer Hamburger Klinik soll Tanju S., der dort seinerzeit seit drei Jahren als Krankentransporteur tätiig war, eine sterbenskranke 89-jährige Rentnerin missbraucht haben. Die Frau ist inzwischen verstorben. Daher mussten gestern die damals vernehmenden Beamten und andere Zeugen, die Kontakt zum Opfer hatten, aussagen.

Nach einer Röntgenuntersuchung soll S. im Oktober die 89-Jährige abgeholt haben. Auf dem Weg zurück auf die Station bat der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft sie im Fahrstuhl den Mund weit zu öffnen und die Augen fest zu schliessen. Er müsse jetzt Fieber messen. Ein Vorwand: Tanju S. soll die Rentnerin sexuell missbraucht haben.

Aus einer anderen Tat wurde DNA vom Angeklagten sichergestellt, woraufhin S. Anfang Januar in Untersuchungshaft kam. Vor Gericht war Tanju S. nach einem Teilgeständnis am zweiten Tag nunmehr nicht mehr kommunikativ. Seinen Kopf hatte er auf seinen auf dem Tisch verschränkten Unterarmen abgelegt. Weder das Gericht noch die Zeugen sah er an - egal wie schwerwiegend die Aussagen und die aus den Akten vorgelesenen Vorwürfe waren.

Gutachter Hartmut Bosinski stufte den Barmstedter als sehr gefährlich ein. Der Psychologe attestierte dem 24-Jährigen eine "multiple Störung der Sexualpräferenz mit exhibitionistischen Zügen". Eine stationäre Behandlung erachtete er als unumgänglich. Für morgen werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.

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