Bauskandal am Theodor-Heuss-Gymnasium : Gutachter entlastet Ex-Bürgermeisterin Kristin Alheit

Mit bunten Plakaten und lauten Trillerpfeifen demonstrierten Pinneberger Schüler und deren Eltern am 17. Februar auf dem Drosteiplatz. Wegen des defizitären Haushalts befürchten sie, dass mit den neuen Beschlüssen im Schulsanierungskonzept gespart wird. Die Demo initiiert hatte die Schulallianz. Deren Sprecherin, Frauke Runden, sagte: „Für den Zustand in einigen Schulen bekäme die Stadt eine glatte Sechs.“
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Mit bunten Plakaten und lauten Trillerpfeifen demonstrierten Pinneberger Schüler und deren Eltern am 17. Februar auf dem Drosteiplatz. Wegen des defizitären Haushalts befürchten sie, dass mit den neuen Beschlüssen im Schulsanierungskonzept gespart wird. Die Demo initiiert hatte die Schulallianz. Deren Sprecherin, Frauke Runden, sagte: „Für den Zustand in einigen Schulen bekäme die Stadt eine glatte Sechs.“

Die heutige Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein und Ex-Bürgermeisterin hat auf Überlastungsanzeige ihres Mitarbeiters reagiert.

shz.de von
10. Juli 2015, 10:00 Uhr

Pinneberg | Er habe endlich die Fakten, nach denen er gesucht habe, sagte Rüdiger Blaschke vom Büro Kubus während der Sitzung des Schulausschusses. Am Montag habe die Pinneberger Verwaltung dem Gutachter jene Akten gegeben, die er für die vollständige Aufklärung des mutmaßlichen Baupfusches am Theodor-Heuss-Gymnasium (THS) brauchte.

War Blaschke anfangs davon ausgegangen, dass keiner im Rathaus auf die im Jahr 2011 gestellte Überlastungsanzeige des verantwortlichen Architekten reagiert habe, so konnte der Diplom-Verwaltungswirt am Mittwoch das Gegenteil verkünden. Aus den Akten gehe hervor, dass sich die damalige Bürgermeisterin Kristin Alheit – heute Sozialministerin des Landes Schleswig-Holstein – mit dem Fall befasst und mit der Fachbereichsleitung eine Lösung erarbeitet habe. So sollte der Architekt durch Stundenerhöhung einer Sachbearbeiterin entlastet werden. „Es sind keine Versäumnisse zu erkennen“, sagte Blaschke und fügte hinzu: „Man kann niemandem mehr an den Karren fahren.“

Zudem wiederholte Blaschke, der acht Jahre lang Bürgermeister in Itzehoe war, sein Fazit, das er bereits im Stadtentwicklungsausschuss verkündet und für das er sowohl von Seiten der Elternschaft als auch der Politik harsche Kritik geerntet hatte. Die Gründe für die Verzögerung bei der Sanierung der Schule lägen in der prekären Finanzlage der Stadt, den Entscheidungen der Politik und im Personalmangel – hatte man doch 2005 beschlossen, 20 Prozent der Stellen im Rathaus abzubauen. Die Bausubstanz hatte Schäden davon getragen als 2011 ein Teil der Fassade abgerissen, aber nicht mehr erneuert worden war. Schuldige für diesen Bauskandal? Gibt es im rechtlichen Sinne nicht.

Ulrike Graefen vom Elternbeirat der Heuss-Schule nutzte die Einwohnerfragestunde, um die 30.000 Euro teure Expertise noch einmal heftig zu kritisieren. „Das Gutachten lässt mehr Fragen offen als es beantwortet“, sagte sie. Und auch die Politik sparte nicht mit Beanstandungen. „Die Schuld auf uns und die prekäre Finanzlage zu schieben, ist zu einfach. Das will ich so nicht hinnehmen“, sagte Bürgervorsteherin Natalina Boenigk (CDU). Als Politiker seien sie für ihre Entscheidungen auf Fachleute aus der Verwaltung angewiesen. Diese hätten zum Beispiel nie gesagt, dass es möglich ist, Sachverstand von extern einzukaufen. Parteikollege Carl-Eric Pudor kritisierte, dass Blaschke den Architekten bei der verschleppten Sanierung völlig von der Schuld freisprach. Es habe von Anfang an Zweifel an der Qualität seiner Arbeit geben, die die Mitglieder des Schulausschusses etwa bei einer Besichtigung der Baustelle zu sehen bekamen.

Auch Manfred Stache (Grüne und Unabhängige) hatte sich von dem in Auftrag gegebenen Gutachten mehr erhofft. Er sagte: „Wir dachten, wir werden entlastet. Ich finde es sehr bitter, dass wir jetzt doch selbst weiter recherchieren müssen.“ Denn nicht alle Fragen seien beantwortet.

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