Pinneberg : Gutachten entlastet Seniorenwohnpark Bauernmühle

2011 eingeweiht: Der Seniorenwohnpark Bauernmühle, besser bekannt als „Weißes Haus“ von Pinneberg. Nach negativen Schlagzeilen können die Betreiber jetzt optimistisch in die Zukunft blicken.
2011 eingeweiht: Der Seniorenwohnpark Bauernmühle, besser bekannt als „Weißes Haus“ von Pinneberg. Nach negativen Schlagzeilen können die Betreiber jetzt optimistisch in die Zukunft blicken.

Ermittlungsverfahren steht vor der Einstellung: Der Staatsanwalt erkennt keine strafrechtlich relevanten Pflegemängel.

shz.de von
05. Juni 2014, 10:00 Uhr

Pinneberg | Es ist der 14. August 2013. Kein guter Tag für Betreiber und Personal der Bauernmühle. Der Tag, an dem die Staatsanwaltschaft Itzehoe Ermittlungen gegen den 2011 eröffneten Seniorenwohnpark bestätigt. Anlass: eine Strafanzeige der Kreisverwaltung Pinneberg, der die Heimaufsicht obliegt. Der Vorwurf: Pflegemängel. Ermittler beschlagnahmen im großen Stil Dokumente. Die Betreiber räumen Fehler ein, stellen Weichen neu – und tauschen das Führungspersonal aus. Jetzt zeichnet sich das große Aufatmen ab. Das Ermittlungsverfahren wird voraussichtlich eingestellt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Uwe Dreeßen gegenüber dieser Zeitung.

Das wäre das Ende einer Hängepartie. Monatelang hatten Pflegedokumente bei Gutachtern gelegen. Den Experten des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf oblag es, den Vorwürfen nachzugehen. Laut Dreeßen liegt die lang ersehnte Expertise jetzt vor: „Das Gutachten kommt zu dem Urteil, dass keine strafrechtlich relevanten Pflegemängel nachgewiesen werden konnten“, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe. Die Dauer des Verfahrens erklärt er: „Es mussten kartonweise Patientenakten ausgewertet werden.“

Laut Dreeßen ist das Gutachten bereits der Heimaufsicht des Kreises Pinneberg zugestellt worden. Man warte jetzt auf eine Stellungnahme aus Elmshorn. Danach werde endgültig entschieden, ob das Verfahren zu den Akten gelegt wird. Marc Trampe, Sprecher des Kreises Pinneberg, bestätigt den Eingang der 60-seitigen Expertise. „Wir bewerten das Gutachten jetzt“, sagt er. Dabei gehe es nicht allein um strafrechtlich relevante Mängel: „Für uns sind sämtliche möglichen Auffälligkeiten von Bedeutung.“

Grundsätzlich habe die Heimaufsicht ein Auge auf alle Senioreneinrichtungen im Kreis, jährlich werde kontrolliert. In der Bauernmühle sei man zuletzt sogar monatlich vor Ort gewesen. Wie die Staatsanwaltschaft, sendet auch Trampe ein positives Signal: „Wir stehen in sehr engem Kontakt mit den Betreibern und können eine starke Verbesserung bestätigen.“

Das freut Nadine Pekruhl. Sie ist seit einem Jahr Pflegedienstleiterin an der Mühlenstraße. Und sie hatte gestern eine weitere gute Nachricht parat: „Wir haben die neue Prüfnote des Pflege-Tüv erhalten, eine 1,8.“ Im Mai hatten Experten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen den Seniorenwohnpark unter die Lupe genommen. Zur Erinnerung: Die vormals schlechte Gesamtnote von 4,1 hatte vor einem Jahr die Diskussionen um den Wohnpark angestoßen. Laut Pekruhl haben sich Verhältnisse und Stimmung in der Einrichtung seitdem zum Positiven verändert. „Wir wissen aber auch, wo wir uns noch verbessern können und arbeiten hart.“ Derzeit sei das Haus an der Mühlenstraße mit 122 Bewohnern belegt. Bis zu 130 können aufgenommen werden.

Der Seniorenwohnpark Bauernmühle öffnete Anfang 2011 seine Tore. Auf 5700 Quadratmetern hatte die nordrhein-westfälische Unternehmensgruppe Fuest etwa zwölf Millionen Euro investiert. Für den viergeschossigen Bau, der in klassizistischem Stil errichtet wurde, zeichnete der Architekt Roger Klindtworth verantwortlich. Das eindrucksvolle Gebäude mit seinen Säulen wird im Volksmund  „Weißes Haus“ genannt. Unternehmensgründer Franz Fuest hatte das Grundstück an der Mühlenstraße 2008 für 900.000 Euro von der Stadt Pinneberg erworben.
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