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Internationaler Weltspieltag 2016 : Gunter Baars ist Brettspielentwickler

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gunter Baars entwickelt Brettspiele für Kinder. „Der zerstreute Pharao“ verkaufte sich mehr als zwei Millionen mal.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2016 | 10:00 Uhr

Halstenbek | Gunter Baars nimmt eine Plastikflasche für Vitamine, die neben seinem Computerbildschirm steht, in die Hand, schüttelt sie, schraubt den Deckel auf und wieder zu. „Das könnte etwas sein. Vielleicht muss man Steine einfüllen, die Flasche rumgeben und sich merken, welche seine ist und was drin ist. Wie Memory“, sagt Baars. Der Halstenbeker erläutert wie Ideen zu seinen Entwicklungen entstehen: Brettspielen. „Ich habe kistenweise Material von Flohmärkten, wo ich mir Ideen hole“, sagt der 54-Jährige. Doch brauche er Geduld: „Manchmal stehen Prototypen jahrelang rum, weil ich das Spiel nicht sehe.“ So war es für das Spiel „Zauberwald“. Drei kleine Plastikbäume standen jahrelang auf der Fensterbank. „Irgendwann hat es dann Klick gemacht“, sagt Baars. Im Jahr 2000 kam das Spiel auf den Markt und war „ziemlich erfolgreich“.

Dieser Aktionstag wurde im Jahr 1999 von der  International Toy Library Association ins Leben gerufen. Mit dem Tag sollen Kinder und Jugendliche auf ihr Recht auf freies Spiel aufmerksam machen. In Deutschland und im deutschsprachigen Raum koordiniert das Deutsche Kinderhilfswerk die dezentralen Aktivitäten seit dem Jahr 2008 im Rahmen des Bündnis für Recht auf Spiel. Durch Spielen können Kinder Wahrnehmungs- und Intelligenzleistungen sowie motorische Fertigkeiten schulen.

„Ich notiere alle Ideen in meinem Rechner. Mittlerweile sind es über 500 Word Seiten“, sagt Baars und zeigt auf den Bildschirm, auf dem Figuren aus einem bekannten Handyspiel zu sehen sind, das er als sogenanntes Mitbringspiel – ein Spiel unter zehn Euro – adaptieren soll. „Da ist auch viel Scheiß dabei“, sagt Baars lachend über seine Ideensammlung, in denen er recherchiert, wenn er eine Idee oder einen Anreiz braucht.

Etwa 160 Spiele hat der gebürtige Hamburger, der seit 21 Jahren mit seiner Frau Christiane, einer Heilpraktikerin für Psychotherapie, und seinen beiden Kindern in Halstenbek lebt, entwickelt. 81 wurden wirklich produziert. 54 davon beim Spielehersteller Ravensburger.

„Ich habe außer dem Abitur nichts gelernt“, sagt Baars. Als begeisterter Leser des Satiremagazins Mad veröffentlichte er dort mit 17 Jahren seine ersten Beiträge und wurde später Assistent von Chefredakteur Herbert Feuerstein, der später im Fernsehen Karriere machte. Baars entwickelte mit seinem Kollegen, dem Zeichner Ully Arndt, von 1987 bis 2002 die Ottifanten-Comicstrips und schrieb das Drehbuch für die Kinoverfilmung „Kommando Störtebecker“. Zu Hoch-Zeiten wurden die Kurzcomics, insgesamt produzierten Baars und Arndt etwa 5000 Stück, täglich in 70 Zeitungen gedruckt. Schmidt-Spiele plante 1989 ein „Mensch ärgere Dich nicht“ mit Ottifanten. „Wir waren 25, jung und arrogant und haben sofort gesagt, wir machen etwas Besseres“, erinnert sich Baars. Die beiden entwickelten „Otto's grosses Ottifanten Spiel“.

„Das Spiel lag wie Blei in den Regalen“, erinnert sich Baars. Das änderte sich, als der Bayerische Rundfunk die von Otto besprochene Radiowerbung verbot. Der Ostfriese hatte in Anspielung auf die im Spiel wachsenden Rüssel der Spielfiguren gewitzelt: „Mami, Mami, warum wird Papis Rüssel immer länger?“ und die Mutter antworten lassen: „Weil er immer so viel damit spielt.“ „Die Bild titelte am nächsten Tag ,Ist Ottos Rüssel zu lang?’ Binnen einer Woche waren die Regale leer. 50.000 Spiele verkauft.“

Nach dreieinhalb Jahren Vorlauf veröffentlichte Baars im Jahr 1993 mit „Mister Diamond“ sein erstes eigenes Spiel. „Ich habe es nur aus Spaß mal zu Ravensburger gesendet. Ich dache nicht, dass sie es nehmen“, sagt Baars. Er zeigt auf einen Karton mit chinesischen Schriftzeichen. Daneben steht eine identische Verpackung mit dem Aufdruck „Der zerstreute Pharao“. „Das ist mit Abstand mein erfolgreichstes Spiel“, freut sich Baars. Seit 1997 wurden mehr als zwei Millionen Stück in mehr als 50 Ländern verkauft. 2006 und 2015 wurden die Regeln und das Design aktualisiert. Selbst im Fernsehen wurde das Spiel beworben. Für die Fastfoodkette Mc Donald’s wurde eine Reiseversion entwickelt, die als Werbegeschenk verteilt wurde.

„Das ist der Hammer“

800.000 Mal. „Das ist der Hammer“, sagt Baars lachend und ergänzt grinsend: „Auch wenn es dafür kein Geld gab.“ Normalerweise ist er prozentual am Nettopreis der Fachhändler beteiligt. „Der Wunsch, den man hat, ist kein Hype wie bei einer Boygroup, die nach einem Jahr vergessen ist, sondern ein Longseller“, sagt Baars. „Als meine Tochter etwa sieben Jahre alt war, kannte jeder ihrer Freunde den Pharao. 20 Jahre später ist er immer noch auf dem Markt. Kurzfristiger Erfolg ist auch prima, aber das macht mich richtig stolz.“

„Spielerfinder möchten oft Spieleautoren genannt werden. Ich persönlich sehe mich eher als Erfinder, weil ich auch viele dreidimensionale und haptische Elemente verwende, die Richtung Spielzeug gehen“, sagt Baars. Das komme seinem Kindheits- und Jugendwunsch nahe. „Ich wollte schon immer Schriftsteller oder Erfinder werden“, sagt Baars und ergänzt mit schelmischem Grinsen: „Ich habe beides knapp verfehlt. Für einen richtigen Schriftsteller hat es nicht gelangt, für den richtigen Erfinder auch nicht.“ Der große Unterschied zu Buchautoren sei, dass Spiele nicht über den Namen verkauft werden. „Die Autorennamen sind meistens kaum bekannt. Mittlerweile stehen sie zumindest auf dem Karton. Das gab es früher nicht“, erläutert Baars.

In seiner Werkstatt baut er Prototypen seiner Spiele. Sie werden in Schulen und Kitas getestet. „Ich bastle so weit rum, bis ein Spiel reif ist, angeboten zu werden“, beschreibt Baars. Mit dem Alter habe er die Erfahrung, ob ein Spiel funktioniert. Hat ein Verlag Interesse, sendet dieser die Spiele an Testfamilien. Mit deren Rückmeldungen werden die Spiele optimiert. „Das Schöne ist, dass kein Verlag, kein Autor vorhersagen kann, was ein Bestseller wird“, sagt Baars. Früher hätte bei Spieleverlagen eine „30er-Regel“ gegolten: Regeln müssen sich in 30 Sekunden erklären lassen, die Spieldauer darf maximal 30 Minuten betragen und es darf nicht mehr als 30 Mark kosten. „Mir ist Interaktion wichtig. Die Menschen müssen miteinander zu tun haben und kommunizieren“, beschreibt Baars seine Ansprüche an ein gutes Spiel.

Spielemessen in Essen und Nürnberg

„Ich bin der typische Kreative. Wenn zeitlich gar nichts mehr geht, funktioniere ich am besten“, sagt Baars. Drei Wochen vor den Spielemessen in Essen im Oktober und in Nürnberg im Februar arbeite er teilweise täglich bis zu zwölf Stunden an seinen Spielen. „Dazwischen gibt es Tage, da spiele ich nur auf dem Handy rum, daddle oder surfe im Internet. Meine Frau fragt dann immer, was ich eigentlich tue. Aber die Ideen sammeln sich im Hintergrund an.“ Wichtig sei aber auch eine Charaktereigenschaft bei der Spieleentwicklung: „Ich bin im Herzen ein kleiner Junge geblieben. Ich weiß, was Kinder gern machen und wie man sie unterhält“, sagt Baars.

Kinderspiele, die er fast ausschließlich entwickle, seien ungebrochen ansteigend. „Die Zehn- bis etwa 20-Jährigen sind dagegen eine schwierige Zielgruppe. Extrem Computerspielfixiert“, sagt Baars. Ab 21 würden Brettspiele wieder an Bedeutung gewinnen. Seine Lieblingsspiele sind übrigens: Carcassonne, Tichu und die Legenden von Andor.

Wir verlosen die fünf Spiele „Zauberwald“, „Chaos in der Geisterbahn“, „Der zerstreute Pharao“, „Entdecke die Welt“ und „Buddel Company“ von Gunter Baars. Wer gewinnen möchte, ruft bis Sonntag, 29.Mai, 24 Uhr unter Telefon 01378-08401381 an und nennt das Stichwort „Brettspiel“ sowie seinen Namen und seine Telefonnummer. Teilnahme per SMS: Eine Nachricht mit dem Inhalt „beig gewinn brettspiel“ (ohne Anführungszeichen) und dem eigenen Namen an 52020 senden. Dieser Service kostet 50 Cent aus dem Telekom-Festnetz. Preise anderer Anbieter können abweichen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
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