Günstige Beglaubigungen

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Den Service des Schenefelder Bürgerbüros nutzen auch Hamburger – scheinbar auch auf Hinweis des Kundenzentrums Blankenese.

shz.de von
13. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Wird das Bürgerbüro Schenefeld demnächst zur Pilgerstätte für Bewohner des Hamburger Westens? Diese Frage warf ein Artikel in der Hamburger Morgenpost kürzlich auf. Grund dafür sollen die Gebühren für amtliche Beglaubigungen sein.

Häufig verlangen Arbeitgeber oder Universitäten beglaubigte Zeugnisse von Bewerbern. Aber auch die Echtheit anderer Urkunden oder Nachweise kann mittels amtlicher Beglaubigung bestätigt werden. Dabei braucht jede Seite einen offiziellen Stempel.

In Hamburg zahlt man
10 Euro für die erste beglaubigte Seite und 4 Euro für jede weitere. Benötigt man auch Kopien, kosten diese
90 Cent pro Blatt. In Schenefeld hingegen bekommt man bereits für 2,50 Euro pro Seite einen Stempel und für
50 Cent eine Kopie. Im Vergleich also ein echtes Schnäppchen.

Das dachten sich scheinbar auch einige Hamburger und haben ihre Dokumente kurzerhand im Schenefelder Bürgerbüro beglaubigen lassen. Den Tipp dafür haben sie laut Morgenpost-Artikel direkt aus dem Kundenzentrum Blankenese. Das zuständige Bezirksamt Altona ist darüber weniger erfreut. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden darauf hingewiesen, dass diesbezügliche Hinweise nicht mehr zu geben sind“, erläuert die Pressestelle und fügt hinzu, dass es sich dabei jedoch nur um vereinzelte Hinweise gehandelt habe. Es sei kein Kunde direkt verwiesen worden.

Melf Kayser, Fachbereichsleiter in Schenefeld sieht die Lage entspannt. „Es ist schlichtweg nicht geregelt, wo man Beglaubigungen machen muss und in der Praxis wird nicht nachgefragt. Außerdem würden wir die Leute nie nach Hause schicken, so bürgerfreundlich sind wir dann doch“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Vereinzelt haben seine Mitarbeiter in Gesprächen erfahren, dass ihr Gegenüber aus Hamburg kommt. „Wir merken das schon, aber das heißt nicht, dass jeden Tag Reisebusse mit Beglaubigungszwecken ankommen“, beurteilt er die Situation. Daher habe man sich von Schenefelder Seite bislang auch noch nicht mit dem Kundenzentrum Blankenese in Verbindung gesetzt. „Wir beobachten das. Wenn wir das Gefühl haben, es nimmt überhand, werden wir reagieren“, so Kayser.

Gegenüber der Morgenpost hat der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) angekündigt, zum 1. Januar die Gebühren für Beglaubigungen deutlich zu senken. Die Höhe sei jedoch noch unklar. Generell werden solche Gebührensätze auf kommunaler Ebene festgelegt. Auch viele andere Ämter im Kreis wie Pinneberg, Halstenbek und Wedel liegen mit durchschnittlich 3 Euro pro beglaubigter Seite unter dem aktuellen Satz, der in Hamburg veranschlagt wird.

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