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„Ich habe Kater Nick von seinen Leiden befreit“ : Gruseliger Verdacht in Pinneberg: Wurde Kater Nick getötet?

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ein makaberer Drohbrief ging beim Pinneberger Tageblatt ein. Jetzt hat der Katzenhalter Anzeige erstattet.

shz.de von
erstellt am 16.Jun.2016 | 09:45 Uhr

Pinneberg | „Ich habe Kater Nick von seinen Leiden befreit“, lautete der mit Schreibmaschine geschriebene Satz, der seit Mittwoch auch die Polizei beschäftigt. Ein Geständnis eines Katzenmörders oder ein makaberes Spiel mit den Gefühlen eines Katzenbesitzers? Das muss die Polizei klären.

Das Tierschutzgesetz sieht für die Tötung oder Misshandlung von Katzen und anderen Wirbeltieren – auch wildlebenden – Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und Geldstrafen bis zu 50.000 Euro vor. Zudem kann ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden.

„Der Hinweis wird derweil von den Umweltermittlern des Polizei-Autobahn und Bezirksreviers Pinneberg bearbeitet“, teilte Polizeisprecher Nico Möller mit. Nicks Besitzer Thomas S. hat Anzeige erstattet, nachdem er von dem Schreiben erfahren hatte, das anonym im Briefkasten des A.-Beig-Verlags, Herausgeber des Pinneberger Tagelatts, hinterlegt worden war. Der Text befand sich auf der Rückseite der Suchmeldung der Tierschutzorganisation „Tasso“, die Thomas S. im Bereich um die Elmshorner Straße ausgehängt hatte, um Nick wiederzufinden.

„Normalerweise bewegt er sich etwa 50 Meter ums Haus“, Thomas S., bei dem das Tier seit eineinhalb Jahren lebte. Scheinbar ist das Tier Anfang Juni in einen Transporter geklettert und fuhr bis zur Recyclinganlage in Tornesch. Zwischenzeitlich wurde er vermutlich am Meinkenhof in Kummerfeld gesehen. „Ich habe bisher gehofft und hoffe noch weiter, dass ich Nick wiederfinde“, sagte der Katzenbesitzer. Ein vom Bauhof gefundener toter Kater wies zwar Ähnlichkeiten auf, war aber nicht der gesuchte Nick.

Der Drohbrief

„Obwohl jetzt Brutzeit ist und einige Jungvögel schon ausgeschlüpft sind, gibt es immer noch grausame Katzenhalter, die ihre Tiere zum Fressen auf die Straße jagen. Ich habe Kater Nick von seinem Leiden erlöst.“ Dieser mit Schreibmaschine geschriebene Text stand auf der Rückseite einer Suchmeldung der Tierschutzorganisation „Tasso“, die Mittwoch im Briefkasten der Geschäftsstelle des A. Beig Verlags in Pinneberg lag.

„Ich war entsetzt, als ich von dem Schreiben gehört habe“, sagte Thomas S. im Gespräch mit shz.de. Seit dem 4. Juni versucht er alles, um seinen Kater Nick wiederzufinden, der seit eineinhalb Jahren zur Familie gehört. „Er ist ein Familienmitglied. Wenn man ein Haustier hat, ist es wie ein Kind“, sagte der Pinneberger. Nachdem er das Schreiben erhalten hatte, fuhr er direkt zur Pinneberger Polizeistation und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. Dort erhielt er die Information, dass ein schwarzer Kater gefunden worden sei. Tot. Er fuhr sofort zum Bauhof, wo das Tier gelagert wurde.

Als der Mitarbeiter des Pinneberger Bauhofs die Kühltruhe im Hundezwinger öffnete und vorsichtig den blauen Sack mit dem Körper des toten Tieres herausfischte, wich dem Katzenbesitzer die Farbe aus dem Gesicht. Ihm stockte sichtbar der Atem, während der Bauhofmitarbeiter die Tüte vorsichtig aufriss. Als Körper und Kopf frei lagen, machte S. einen Schritt nach vorne, schaute kurz auf den leblosen Köper und atmete dann deutlich hörbar aus: „Er ist es nicht. Gott sei Dank.“ Die Anspannung fiel von ihm ab und die Hoffnung war sofort wieder da. „Ich habe bisher gehofft und hoffe noch weiter, dass ich Nick wiederfinde“, sagte der Pinneberger und ergänzte: „Ich hoffe, dass hinter dem Schreiben nur ein Spinner steckt.“ Die Vorwürfe kann er nicht verstehen: „Nick hat nie einen Vogel gejagt und nach Hause gebracht. Warum auch? Es steht überall Futter für ihn.“

Mit Schreibmaschine hatte der vermeintliche Katzenmörder seine Tat auf der Rückseite eines Suchzettels verkündet.
Mit Schreibmaschine hatte der vermeintliche Katzenmörder seine Tat auf der Rückseite eines Suchzettels verkündet. Foto: PT
 

„Wir kennen häufig Drohungen von Nachbarn. Aber in schriftlicher Form – und dann noch feige mit Schreibmaschine geschrieben – das hatte ich bisher nicht“, sagte Antje Nichols von der Tierschutzorganisation „Tasso“, die die Suchplakate gestaltete und die Suche nach Nick unterstützt. „Ich hoffe, dass es nur ein Wichtigtuer war“, sagte Nichols, die die Hoffnung auf ein Auffinden von Nick nicht aufgegeben hat. Sie schränkte aber ein: „Es gibt genug Gift, was ausgelegt wird. Ganz krasse Sachen.“ Das Problem mit einer Anzeige sei oft, dass man die Tat nicht zu 100 Prozent beweisen könne. „Wir dürfen die Polizei auch nicht einschalten. Unsere Aufgabe ist es, das Tier zu seinen Besitzern zurückzuführen, auch wenn wir oftmals gerne mehr machen würden“, so Nichols. Dafür gibt es eine klare Empfehlung für Besitzer verschwundener Tiere: Keine Namen und Telefonnummern veröffentlichen, um Erpressungsanrufe zu vermeiden.

Thomas S. wird weiter suchen: „Ich habe eine Postwurfsendung inn Auftrag gegeben.“ Voraussichtlich in dieser Woche sollen 2500 Haushalte entlang der Elmshorner Straße, dem Gebiet von Nick, die Suchanzeige im Briefkasten haben. Die Verteilung reicht bis Kummerfeld, wo der Kater am Meinkenhof gesehen worden sein soll. „Normalerweise bewegt er sich etwa 50 Meter ums Haus“, sagt sein Besitzer. Am 4. Juni fuhren Nachbarn Sperrmüll zum Recyclinghof nach Tornesch. „Scheinbar ist Nick in den Transporter geklettert“, sagt Thomas S. Die Nachbarn berichteten später, beim Ausladen eine schwarze Katze gesehen zu haben. „Wir hoffen, dass er im Kummerfelder Umfeld unterwegs ist und gut versorgt wird“, sagt der Pinneberger.

Kater Nick ist ein europäischer Kurzhaarmix. Der etwa vier Kilo schwere Kater ist schwarz, die hinteren Pfoten sind weiß. Ebenso hat er weiße Flecken an Brust und Bauch. Im Sommer schimmere die Seite bräunlich. Zudem schielt der Kater, der gechipt und damit zu identifizieren ist. Wer Angaben zum Verbleib oder Aufenthaltsort von Nick machen kann, kann sich an die Tierschützer von „Tasso“ wenden. Diese sind rund um die Uhr unter Telefon 06190-937300 erreichbar. Die Suchnummer für Kater Nick lautet 168753. „Der Hinweis wird derweil von den Umweltermittlern des Polizei-Autobahn und Bezirksreviers Pinneberg bearbeitet“, teilte Polizeisprecher Nico Möller mit.

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