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Pinneberger Tageblatt

20. Juli 2017 | 18:37 Uhr

„Grundgesetz-Mütter“ in Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ausstellung Gleichberechtigungsgrundsatz dank vier Politikerinnen / Erinnerung soll Frauen Mut machen / Eröffnung am 30. Mai

Er steht ganz selbstverständlich da, im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Dass er hart erstritten wurde, weiß fast niemand mehr. Es geht um Artikel 3, Absatz 2 im Grundgesetz. „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, heißt es da. Dieser Grundsatz, mit dem 1949 ein Programm formuliert wurde, wäre ohne den Einsatz von vier Politikerinnen nicht berücksichtigt worden. Die Rede ist von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel.

Die vier Frauen von damals sollen Frauen von heute Mut machen. Deborah Azzab-Robinson, Pinnebergs Gleichstellungsbeauftragte, verweist auf die Statistik: Nur jeder vierte Kommunalpolitiker im Kreis Pinneberg ist eine Politikerin. Frauen seien damit deutlich unterrepräsentiert. „Wir wollen Frauen für die Kommunalpolitik motivieren“, sagt Tinka Frahm, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Pinneberg.

Die Geschichte der „vier Mütter des Grundgesetzes“ soll Lust machen, sich zu engagieren. Sie ist in einer Ausstellung festgehalten, die vom 6. bis 20. Juni im Foyer der Sparkasse Südholstein in der Pinneberger Rathauspassage zu sehen ist – im Rahmen der landesweiten Kampagne „Mehr Frauen in die Kommunalpolitik“. Die Wanderausstellung des Helene Weber Kollegs, die bisher erst einmal Station in Schleswig-Holstein machte, wird bereits am Dienstag, 30.    Mai, ab 18.30 Uhr offiziell von Kreispräsident Burkhard Tiemann und Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg im Ratssaal der Stadt Pinneberg, Bismarckstraße 8, eröffnet. Es wird auch einen wissenschaftlichen Vortrag geben: Politikwissenschaftlerin Nadine Moritz aus Tübingen spricht über „Die Gleichberechtigung im Grundgesetz als Erbe der Frauen – Anspruch und Wirklichkeit“.

Doch zurück zu den vier Protagonistinnen: Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel waren die einzigen stimmberechtigten weiblichen Mitglieder im Parlamentarischen Rat, der für das Grundgesetz verantwortlich zeichnete – unter 61 Männern. Und sie waren es, die mithilfe der Unterstützung von Frauenverbänden, Kommunalpolitikerinnen und weiblichen Berufsverbänden sowie der Bevölkerung für die verfassungsrechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern sorgten. Mühsam. Hartnäckig. Kompromisslos. Und über ihre Parteigrenzen hinweg. Sie schafften es, trotz großer Widerstände.

Denn nicht alle waren damit einverstanden. Gründe wie das Wesen und die Natur von Frauen, die berücksichtigt werden sollten, wurden vorgeschoben. Frieda Nadig soll in ihrer Bundestagsrede am 27.      November 1952 gesagt haben: „Bei der Verkündung des Grundgesetzes und des in ihm enthaltenen Artikel 3 ging eine freudige Bewegung durch die Reihen der Frauen.“ Dieser Einsatz sei für ihre Arbeit impulsreich und motivierend, sagt Azzab-Robinson. Er wirke bis heute nach: „Heute geht es darum, Erreichtes zu erhalten, dass Frauen und Männer in ihren Lebenskonzeptionen, kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten und beruflichen Karrieren die gleichen Chancen haben.“ Denn Gleichberechtigung ist auch im 21. Jahrhundert nicht selbstverständlich. Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen etwa beträgt immer noch 23 Prozent. „Helene Webers Forderung nach verfassungsrechtlicher Verankerung der Lohngleichheit von Mann und Frau klingt daher keineswegs überholt“, heißt es im Begleitheft zur Ausstellung, die aus 16 Tafeln besteht.

„Die Mütter des Grundgesetzes“ nimmt eine historische Einordnung vor und charakterisiert die vier Frauen: die Umsetzerin Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, die den Gleichheitsgrundsatz formulierte, die Netzwerkerin Helene Weber und Helene Wessel, die als unbequem galt. Und natürlich wird skizziert, wie sie es schafften, das Vorhandensein gleicher Möglichkeiten für Männer und Frauen zum verfassungsrechtlichen Auftrag zu machen.

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erstellt am 17.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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