Grüne profitieren vom Bundestrend

Konrad Wolf übt massive Kritik an den Rellinger Sozialdemokraten.
Konrad Wolf übt massive Kritik an den Rellinger Sozialdemokraten.

Konrad Wolf (Grüne) spricht im Interview über die guten Ergebnisse der Partei bei der Kommunalwahl in Rellingen

shz.de von
03. Juli 2018, 16:00 Uhr

Konrad Wolf war viele Jahre eines der Gesichter der Rellinger Grünen. Der aktuellen Gemeindevertretung gehört er aber nicht mehr an. Im Interview erläutert Wolf unter anderem, warum die Grünen bei den Kommunalwahlen so gut abgeschnitten haben.


Warum gehören Sie der Gemeindevertretung nicht mehr an?
Weil ich sowohl mir als auch der Gemeindevertretung keinen 83-jährigen Gemeindevertreter zumuten möchte.


Sind Sie weiter politisch aktiv?
Ich engagiere mich als bürgerliches Mitglied im Bauausschuss. Diesem Gremium gehöre ich schon seit vielen Jahren an und verfüge deshalb in dem Bereich über viel Erfahrung. Eine bürgerliche Mitgliedschaft kann auch ohne Probleme während einer Wahlperiode beendet werden, wenn man es für richtig hält.


Warum sind die Grünen in den Kommunen im Kreis Pinneberg so stark?
Es spielt sicherlich eine Rolle, dass die Kommunalwahlen in einer Zeit stattfanden, in der die Grünen bundespolitisch im Aufwind waren. Dieser Trend hat auf die Kommunen abgefärbt. Dazu kommt, dass die Grünen lokal gute Arbeit leisten. In Rellingen haben wir sicher auch davon profitiert, dass wir uns für den sozialen Wohnungsbau einsetzen. Das ist nicht nur für Rellingen eines der entscheidenden Zukunftsthemen. Wir müssen berücksichtigen, dass sich viele Menschen keine Einfamilienhäuser leisten können und durch eine solche Bauweise zu viele Grünflächen verschwinden.


In Rellingen ist die CDU traditionell die mit Abstand stärkste Partei. Konnten die Grünen in den letzten Jahren so überhaupt wirklich etwas bewegen?
Trotz fehlender Mehrheiten konnten wir einiges erreichen. Erneuerung der Baumschutzsatzung, der Denkmalschutz für Gebäude wie das Turnerheim des RTV – grüne Politik ist in Rellingen deutlich zu erkennen. Die Idee für die Einrichtung eines Runden Tisches, um den Flüchtlingsstrom zu bewältigen, stammt ebenfalls von uns.

Hat es Sie manchmal frustriert, dass es aufgrund der CDU-Mehrheit nur geringe Gestaltungsmöglichkeiten gab?
Das war häufig frustrierend, speziell in Bauangelegenheiten. Der mangelnde Erfolg bei unseren Wohnungsbaubemühungen war vermutlich eine meiner größten Enttäuschungen. Trotz allem war es notwendig, Flagge zu zeigen und den Wählern zu verdeutlichen, dass es uns gibt.


Sehen Sie die Möglichkeit, dass sich an den Mehrheitsverhältnissen in Rellingen etwas ändert?
Ich halte es für ausgeschlossen, dass sich an den bayerischen Verhältnissen in Rellingen etwas ändert. Der Altersdurchschnitt in der Gemeinde ist hoch, die Bürger sind überwiegend wohlhabend – das sind alles typische CDU-Wähler.


Ist Rellingen für die Zukunft gut aufgestellt?
Ja. Wir haben ausreichend Kita-Plätze und bauen sogar einen neuen Kindergarten. Die Ausbaumaßnahmen an der Caspar-Voght-Schule und der Brüder-Grimm-Schule waren ebenfalls sehr wichtig und wurden deshalb von uns auch von Anfang an mit vorangebracht.


Was bereitet Ihnen an der Kommunalpolitik Freude?
Sie gibt mir die Möglichkeit, Initiativen zu ergreifen und vor Ort etwas zu bewegen – auch als Minderheit.


Was nervt Sie?
Die Obstruktion, die die SPD betrieben hat. Die Sozialdemokraten verhielten sich teilweise höchst unfair gegenüber der Verwaltung. Auch die CDU-Haltung pro Einfamilienhaus und contra Geschosswohnungsbau nervte mich. Wir sind der Auffassung, dass Rellingen für Gewerbebetriebe attraktiv sein soll. Und deren Angestellte brauchen meistens Wohnungen und keine Einfamilienhäuser.


Warum sind gerade die Grünen Ihre politische Heimat geworden?
Die Grünen setzen sich für die Erhaltung der Umwelt ein und wollen dazu beitragen, dass dieser Planet eine Zukunft hat. Außerdem sind die Grünen eine wirklich linke und soziale Partei, was man von der SPD leider nicht mehr behaupten kann.






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