Grünachse fast ganz zugebaut

Heinz Grabert sitzt für die Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ als Vertreter am runden Tisch.
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Heinz Grabert sitzt für die Bürgerinitiative „Wohnqualität im Grünen“ als Vertreter am runden Tisch.

Zu wenig Frischluft: Naturschützer schlagen Alarm

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27. Januar 2018, 16:22 Uhr

Sie ist die Frischluftschneise nach Hamburg: die Grünachsenverbindung Osdorfer Feldmark zwischen Schenefeld, Sülldorf und Rissen. Die Naturschützer Klaus Berking, Heinz Grabert, Herbert van Gerpen und Rüdiger von Ancken haben den Bereich nun untersucht. Es geht um den Bereich links und rechts entlang der Blankeneser Chaussee in Schenefeld von der Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein bis zum Osterbrooksweg und Aneken. Das Ergebnis hat Grabert am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt. „Was wir gefunden haben, ist ernüchternd. Es ist im Grunde alles zu“, sagte Grabert. Nur an einer Stelle sei die Feldmark noch durchlässig. Immer weniger Frischluft gelange so in die Hamburger Randbezirke. Im Westen sei die Straße Aneken für Menschen die einzige Passiermöglichkeit, im Osten der Osterbrooksweg. Landgebundene Säugetierarten ab Hasengröße könnten sich aufgrund der Zäune nicht mehr über Freiflächen von Westen nach Osten und umgekehrt bewegen – wenn sie denn die Querung der Blankeneser Chaussee überlebt haben.

Sowohl auf Hamburger Seite als auch in Schenefeld habe man in den vergangenen Jahrzehnten keinerlei Rücksicht auf den Achsenverbund und dessen Erhalt genommen, so Grabert. Zusätzlich verschärft werde diese Tatsache noch durch die Tennissportanlage und den illegalen Kfz-Werkstattbetrieb am Holtkamp westlich der Untersuchungsstrecke sowie durch den Bau des XFEL-Betriebs mit einem unüberwindlichen, hohen Zaun östlich des Untersuchungsstreifens. „Es ist zehn Sekunden vor zwölf“, mahnte Grabert.

Dabei sei in der Landschaftsplanung in Schenefeld die „Sicherstellung eines ausreichend großen Grüngürtels zwischen Schenefeld-Dorf und dem Gewerbegebiet durch nutzbare öffentliche Grünflächen sowie im Süden des Gewerbegebietes durch Erweiterung des Landschaftsschutzgebietes zum Schutz der landwirtschaftlich genutzten Landschaftsachse“ als Ziel formuliert. Doch selbst der Erhalt des Restes sei nicht gesichert, da für Grundstückseigentümer die Differenz des Verkaufspreises von Acker- zu Bauland einfach zu attraktiv sei.

Die Aussage des Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher aus dem Jahre 1932 sei aktueller denn je: „Bauflächen entstehen, auch wenn man sich nicht um sie kümmert. Freiflächen verschwinden, wenn man sich nicht um sie kümmert.“

Aus Sicht der Naturschützer müsste das Landschaftsschutzrecht stringenter angewandt werden. Die Flächen müssten sofort von allen unzulässig platzierten Wagen, Hütten, Zäunen, Gebäuden geräumt, weitere Bebauung verhindert werden. Außerdem fordern die Verfasser der Untersuchung, sämtliche noch vorhandenen Knickreste im betrachteten Achsenabschnitt in den nächsten zwei Jahren umfassend zu reparieren und zu pflegen.

Die Politik zeigte sich beeindruckt von dem Aufwand, den sich die Gruppe gemacht hatte. Ronald Vierke (SPD) und Manfred Pfitzner (BfB) sprachen sich dafür aus, das Thema in den Fraktionen zu diskutieren und bedankten sich für das Engagement. Holm Becker (CDU) sagte, er wolle die Landschaftsschutzgebiete erhalten. Ausschussvorsitzender Mathias Schmitz (Grüne) kritisierte, auch die CDU habe durch die Außenbereichssatzung perspektivisch Bebauung ermöglicht. „Da ist nichts mit Landschaftsschutz. Das ist Selbstbetrug“, wetterte er. Van Gerpen (Grüne) fügte hinzu: „Aus Unrecht ist Recht geworden.“

Die Außenbereichssatzung sei besonders schwerwiegend, führte Schmitz gestern im Gespräch mit unserer Zeitung aus. Vor Jahren sei Gartenbaubetrieben erlaubt worden, auch nach der Aufgabe des Betriebs weiter die Flächen bebauen zu können – entgegen der Empfehlung des Kreises Pinneberg.

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