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„Kinder sind oft Zeugen der Gewalt“ : Großes Interesse an 9. Halstenbeker Fachgesprächen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Häusliche Gewalt: Großes Interesse an 9. Halstenbeker Fachgesprächen mit Expertenvorträgen.Planung für Treffen 2017 angelaufen.

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erstellt am 21.Dez.2016 | 15:00 Uhr

Halstenbek | Vertreter von Institutionen, kompetente ehrenamtliche Mitarbeiter – der Kreis derjenigen, der sich zum Thema „Häusliche Gewalt im Kontext von Migration“ zu den 9. Halstenbeker Fachgesprächen im Rathaus an der Gustavstraße getroffen hatte, war prominent. Im Mittelpunkt standen die praxisnahen Ausführungen von Yvette Karro vom Kooperations- und Interventionskonzept des Landes Schleswig-Holstein (KIK) und Mitarbeiterin des Wendepunkts Elmshorn.

Halstenbeks Gleichstellungsbeauftragte Celia Letzgus initiierte und organisierte die Veranstaltung zum neunten Mal. „Einmal jährlich kommen Fachleute aus verschiedenen Institutionen zu jeweils wechselnden Themenschwerpunkten rund um das Thema häusliche und familiale Gewalt zusammen“, betont Letzgus. Und brachte das Fazit des Treffens auf den Punkt: „Häusliche Gewalt findet im vermeintlichen Schutzraum der eigenen vier Wände statt und der Täter ist in 80 Prozent der Fälle der Ehemann oder Lebenspartner.“

Risikofaktoren sind Scheidungssituationen

Die Anwesenden boten eine angemessene Reaktion auf diese statistische Größe an: „Um präventiv handeln zu können und Gefährdungen zu erkennen, ist es wichtig, informiert zu sein, sich zu kennen und zu wissen, wen man ansprechen kann.“

Karro wies in ihrem Vortrag auf besondere Risikofaktoren hin. Dies betreffe Frauen in Trennungs- oder Scheidungssituationen, die Phase der Schwangerschaft und Geburt, Frauen mit Migrationshintergrund und Gewalt in der Herkunftsfamilie oder Gewalterfahrungen in Kindheit und Jugend. „Außerdem sind Kinder immer betroffen. Sie sind Zeugen der Gewalt gegen die Mutter und oft selbst vernachlässigt oder misshandelt“, stellte Karro fest.

Und weiter: Es sei wichtig, eine klare Haltung gegen Gewalt einzunehmen und im Umgang mit Betroffenen hinzuschauen. Für eine Intervention sollte immer der Rat und die Unterstützung von Fachleuten eingeholt werden. Im Umgang mit den Tätern sind die Polizei oder Organisationen der Täterarbeit einzuschalten, um eine Eigengefährdung zu verhindern. Abschließend informiert die kompetente Referentin, das Flüchtlingsfrauen kaum wissen, wo sie sich Hilfe holen können und welche Möglichkeiten sie in Deutschland haben.

Trotz der Ablehnung der Stundenaufstockung der Gleichstellungsbeauftragten
im Gemeinderat soll der gelungene Austausch im nächsten Jahr fortgesetzt werden. „Mehr Zeit als bisher wird von den ohnehin knapp bemessenen 19,5 Stunden nicht in die Flüchtlingsarbeit fließen, weil dann andere wichtige Aufgaben vernachlässigt würden. Die klare Haltung für Frauenrechte, auch für Frauen anderer Nationen, werde ich allerdings behalten und weiter einbringen“, so Letzgus zum Thema.

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