SHMF : Großer Musikworkshop in der Elmshorner Nordakademie

<p>Kinder und Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein nahmen in Elmshorn am Klarinetten-Workshop mit hochklassigen Musikern teil.</p>

Kinder und Jugendliche aus ganz Schleswig-Holstein nahmen in Elmshorn am Klarinetten-Workshop mit hochklassigen Musikern teil.

Sabine Meyer, Klarinettistin und diesjährige Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF), bietet einen zweitägigen Workshop für Kinder und Jugendliche in der Nordakademie an.

shz.de von
03. Juli 2018, 13:00 Uhr

Elmshorn | „Los, dann machen wir drei auch noch mal Fotos!“, die Frau klatschte in die Hände, um ihre Töchter zusammenzutreiben. Die kleine Gruppe lief nach draußen, unterwegs erkundigt sich eins der Mädchen: „Haben wir denn Handys für Fotos?“

Hatten sie. Und vor allem hatten sie ein sowohl berühmtes als auch geduldiges Fotomodell: Sabine Meyer, Klarinettistin und diesjährige Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF). Die Mädchen hatten gerade einen zweitägigen Workshop mit der international renommierten Künstlerin absolviert; am folgenden Abend sollte das erarbeitete Programm unter dem Titel „Sabine und die wilden 80“ in Rendsburg aufgeführt werden. Aber jetzt war erstmal die Anspannung der intensiven Probenarbeit abgefallen; Zeit für Souvenirs.

„SHMF Backstage“ hieß die Veranstaltung am Sonntag im Audimax der Nordakademie in Elmshorn. Auf dem Programm standen eine öffentliche Probe, Grillen und Get together, Talkrunde und ein Film.

Rund 250 Besucher guckten und hörten sich SHMF Backstage an. Vorgeführt wurde, was sogar für die Profis einmalig war: ein Orchester, das aus 80 Klarinetten bestand. Nur ein Flügel und ein Schlagzeug unterstützten die jungen Musiker. Vor und neben den Stars saßen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren aus ganz Schleswig-Holstein; ihre Voraussetzung für die Teilnahme: Sie sollten seit mindestens zwei Jahren Klarinette spielen.

Das Format mit Vorproben, zweitägigem Workshop und anschließendem Konzert  feierte im vergangenen Jahr mit dem Perkussionisten Martin Grubinger Premiere, ebenfalls in der Nordakademie. Damals scheuten die Verantwortlichen wegen des großen Aufwands die Zusage für eine Neuauflage, aber nun kam sie. „Fühlen tun wir uns super, obwohl es anstrengend war“, so Sabine Meyer.

Sie war als Solistin dabei, ihr Mann Reiner Wehle spielte Bassklarinette, dazu kamen einige Studenten des Professoren-Paars und zwei ehemalige Studenten: Jörg Peltzer arrangierte die Stücke für die einmalige Besetzung des Orchesters, Ákos Hoffmann dirigierte und spielte selbst Solo-Klarinette. „Wir waren am Anfang skeptisch, ob das funktionieren kann, ob das gut klingt“, erinnerte sich Hoffmann in der Pause. Aber mit den speziellen Arrangements und Lockerheit zerstreuten die Musiker Bedenken.

„Das Spaßigste ist ‚Best of Clarinets‘“, befand der Dirigent: ein Medley der bekanntesten Stellen der Musikgeschichte, an denen die Klarinette wichtig ist, von Mozarts Kleiner Nachtmusik bis zur Katze in „Peter und der Wolf“. Damit alle mitspielen können, hatte Arrangeur Peltzer die Stimmen nach Schwierigkeitsgrad differenziert, so dass jeder Musiker nach seinem Können eingesetzt wurde. Folge: Die mehr als 80 Instrumentalisten mussten nach sich nach jedem Stück umsetzen, damit die Verteilung stimmt. „Das Schwierigste bei diesem Programm sind die Platzwechsel“, scherzte Hoffmann in einer der Umsetz-Pausen.

„Das macht Lust auf mehr“, urteilte Ralf Wagner aus Henstedt-Ulzburg in der Pause. „Es ist interessant, mal hinzugucken, wie das ist mit so einer Berühmtheit“, sagte seine Frau Silke. Die Tochter der beiden spielte im Ensemble mit, Lampenfieber hatten die Eltern noch nicht registriert: „Heute und gestern Morgen war alles ganz ruhig“, berichtete Ralf Wagner.

In der Talkrunde zwischen Grillen und Film verriet Sabine Meyer, was sie den Jugendlichen mitgeben wollte: „Sie sollen sich die Spontaneität und die Lust am Musikmachen bewahren. Für mich ist die Leidenschaft wichtig, ich will die Musik in die Herzen der Menschen bringen.“ Ihr Mann Reiner Wehle riet den Nachwuchsmusikern, ihre Neugier zu behalten. Sabine Meyer erzählte von ihrer Kindheit mit einem Musiker und Instrumentenhändler als Vater, wie wichtig vertraute Mitspieler für sie bei Kammermusik sind und dass sie in ihrem Leben zwei Mal in Discos war: „Mehr muss nicht sein.“

Ákos Hoffmann ließ tief in die Trickkiste des  Musikers blicken. Er verriet auf Nachfrage, wie er aus seiner Klarinette die wunderbar schrägen Töne seines Solos herausholte: „Wenn man spielt und gleichzeitig einen Ton reinsingt, dann gibt es Interferenzen und diesen schreienden, kreischenden Klang.“

 
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