zur Navigation springen

Die Opfer der Berliner Mauer : Grenzregime tötet 136 Menschen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Berlin | An der Berliner Mauer kamen zwischen den Jahren 1961 und 1989 mindestens 136 Menschen durch das DDR-Grenzregime zu Tode, darunter 98 Flüchtlinge. Mindestens 251 überwiegend ältere Reisende aus Ost und West starben zudem vor, während oder nach der Kontrolle an einem Berliner Grenzübergang.

Die Zahlen wurden 2008 in einer wissenschaftlichen Studie des Potsdamer Zentrums für zeithistorische Forschung (ZZF) und der Gedenkstätte Berliner Mauer ermittelt. Hintergrund der von der Bundesregierung unterstützten Untersuchung waren Schätzungen des privat betriebenen Berliner Mauermuseums am Checkpoint Charlie, das bis heute von einer fast doppelt so hohen Zahl von Mauertoten ausgeht.

Von den 136 Todesopfern starben zwei Drittel an der Sektorengrenze in Berlin, darunter 35 im Stadtteil Mitte sowie 23 in Treptow. 46 Menschen kamen an der Grenze zwischen West-Berlin und Brandenburg ums Leben, Schwerpunkt war mit 13 Toten die heutige brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam. Mehr als die Hälfte der Opfer fand in den ersten fünf Jahren nach dem Mauerbau am 13. August 1961 den Tod.

Unter den Todesopfern befinden sich laut Studie unter anderem Flüchtlinge, die erschossen wurden, acht im Dienst getötete DDR-Grenzsoldaten sowie 30 Menschen aus Ost und West, die ohne Fluchtabsichten erschossen wurden oder verunglückten. Die meisten der Mauertoten waren Männer im Alter von 16 bis 30 Jahren. Unter den Opfern waren auch acht Kinder unter 16 Jahren, darunter fünf Jungen im Vorschul- und Grundschulalter, die in Grenzgewässern ertranken, und ein Säugling, der bei einem erfolgreichen Fluchtversuch der Eltern erstickte. Nur acht der Mauertoten waren Frauen.

Todeszahlen sinken ab 1967

Ab 1967 gingen die Todeszahlen deutlich zurück. Gründe dafür waren den Forschungsergebnissen zufolge die technische Modernisierung der Grenze unter anderem mit einer elektronischen Alarmsicherung sowie die verstärkte Überwachung im Vorfeld der Mauer. Als weiterer Grund wird der Abschluss der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in Helsinki im August 1975 genannt, der zu einem Rückgang der Fluchtversuche und einem Anstieg von Ausreiseanträgen aus der DDR geführt habe.

Bei den 251 Menschen, die an Grenzübergängen starben, war die Todesursache der Studie zufolge in den meisten Fällen ein Herzinfarkt. Allein am Grenzübergang am Bahnhof Friedrichstraße kamen 227 Menschen ums Leben, darunter 166 DDR-Bürger, 40 West-Berliner, 20 Menschen aus Westdeutschland und ein Tschechoslowake. Zwei der DDR-Bürger starben bei ihrer offiziell genehmigten Ausreise in den Westen.

Für die Studie wurden 575 Todes- und Verdachtsfälle unter anderem mit Hilfe von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten, Dokumenten der Stasi-Unterlagenbehörde sowie Materialien aus zahlreichen Archiven überprüft. Dabei konnten laut Studie 164 Verdachtsfälle als Todesfälle ausgeschlossen werden. Bei 24 Toten, darunter 16 im Grenzbereich gefundene Wasserleichen, konnten keine eindeutigen Aussagen getroffen werden.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Aug.2015 | 11:55 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen