Die „Appen musiziert“-Stars im Interview : Grand-Prix-Star Nicole: „Auf der Bühne gibt es keine Kompromisse“

Nicole singt am Sonntag, 20. September, in Appen.
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Nicole singt am Sonntag, 20. September, in Appen.

Die Schlagersängerin spricht über ihren eigenen Einsatz für den guten Zweck und erläutert, warum auf der Bühne weniger manchmal mehr ist.

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27. Mai 2015, 10:00 Uhr

Appen | Nicole ist 1982 mit ihrem Lied „Ein bisschen Frieden“ als erste deutsche Siegerin als internationaler Star aus dem Grand Prix d’Eurovision de la Chanson hervorgegangen. Die sympathische Sängerin gehört zu den Künstlern, die am Sonntag, 20. September, bei „Appen musiziert“ auftreten.

Sie standen schon einmal in Appen auf der Bühne. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Nicole: Die fantastische Stimmung und die vielen Menschen, die etwas für die gute Sache tun wollen. Es ist bewundernswert, was in Appen auf die Beine gestellt wird und was für unglaublich hohe Summen für kranke Kinder bereits zusammengekommen sind. Deshalb ist es für mich ein Muss, bei der letzten Auflage von „Appen musiziert“ dabei zu sein.

Sie setzen sich selbst für Kinder in Not ein. Was machen Sie genau?

Ich engagiere mich besonders für die Afrikahilfe. Mit der Welthungerhilfe war ich mehrmals in Afrika bei den Aids-Waisen, unter anderem in Äthiopien. So konnte ich mich selbst überzeugen, dass das Geld wirklich an den richtigen Stellen landet. Was ich dort gesehen habe, war erschütternd. Auch die Unterstützung der Stefan-Morsch-Stiftung liegt mir sehr am Herzen. Deren Ziel ist es, Menschen zu gewinnen, die sich registrieren und typisieren lassen und somit zu potenziellen Knochenmark- und Stammzellspendern werden. Dazu kommen noch einige weitere Projekte.

Wieso ist es Ihnen so wichtig, sich gerade für Kinder zu engagieren?

Sie sind die schwächsten Glieder in der Kette. Für mich ist es selbstverständlich, anderen zu helfen, weil ich vom lieben Gott alles bekommen habe, was ich mir wünsche. Eine tolle Familie mit gesunden Kindern, einen tollen Beruf, Gesundheit – alle meine Träume haben sich erfüllt. Ich bin mir aber bewusst, dass es viele gibt, denen es nicht so gut geht. Deswegen will ich ein klein wenig von meinem Glück abgeben.

Sie waren selbst in Afrika. Gibt es Erlebnisse, die Sie besonders bewegt haben?

Wenn man Kinder sterben sieht und nichts dagegen tun kann, hallt das lange nach. Wer das Elend einmal mit angesehen hat, erfindet das Wort Demut für sich neu. Bei uns kann sich kaum jemand vorstellen, wie groß die Not in Afrika ist. Jeder muss froh sein, in Deutschland geboren zu sein, denn hier muss niemand den Hungertod sterben. Das lässt unser Sozialsystem nicht zu.

Wie kommt es, dass Sie so einen engen Bezug zu Afrika haben?

Ich habe vor mehr als zehn Jahren das erste Mal meinen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt, damals noch aus beruflichen Gründen. Irgendwie fühlte ich mich dort sofort wohl. Besonders der Tafelberg in Kapstadt hat es mir angetan. Wenn ich dort oben stehe, bin ich für einen Moment eins mit der Welt. Das ist ein magischer Ort für mich.

Sie sind schon häufiger in Kirchen aufgetreten. Ist Religion für Sie wichtig?

Ja. Ich bin allerdings keine notorische Kirchgängerin. Das eine hat für mich mit dem anderen nichts zu tun. Die Auftritte in Kirchen waren für mich allerdings immer bewegend. Meine Lieder handeln häufig von Tod, Trauer, Hoffnung und Liebe und passen deshalb in diese Atmosphäre. Sie haben in der Kirche noch mehr Tiefgang bekommen. Während andere Musiker aufstockten, habe ich bewusst reduziert und dort unplugged gespielt. Dadurch entsteht eine ganz andere Intimität. Man hört jeden Atemzug, aber auch jeden Fehler. Kein Orchester oder keine Band vertuschen deine Patzer.

Wie wichtig ist Ihnen der Kontakt zum Publikum?

Sehr wichtig. Ich lasse zu, dass jemand an die Bühne kommt und mir etwas ins Ohr flüstert. Und wenn jemand Geburtstag hat, singe ich auch gern „Happy Birthday“. Bei mir gibt es keine Absperrungen. Das Publikum besucht schließlich ein Konzert und keinen Zoo. Auf der Bühne gibt es für mich aber keine Kompromisse. Die Menschen sollen die unverfälschte Nicole sehen. Ich lasse mich nicht verbiegen, um ein paar mehr Platten zu verkaufen.

Sie essen keine Süßigkeiten und kein Fett. Ist Disziplin Ihre große Stärke?

Auf jeden Fall. Für das perfekte Promi-Dinner wäre ich jedenfalls die absolute Fehlbesetzung. Ich kann zwar sehr gut kochen, aber mein Geschmack und der der anderen Kandidaten dürften nicht besonders gut zusammenpassen.

Der Sieg beim Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, dem heutigen Eurovision Song Contest, machte Sie 1982 zum internationalen Star. Verfolgen Sie die Veranstaltung auch heute noch?

Klar. Einmal Grand-Prix-infiziert, immer Grand-Prix-infiziert – das ist einfach so. Ich war gerade vor ein paar Wochen bei der BBC-Jubiläumssendung „60 Jahre Grand Prix“ in London. Dort wurden die beliebtesten Titel der vergangenen Jahrzehnte präsentiert. Dass „Ein bisschen Frieden“ dazu gehört und zu den Liedern zählt, mit denen die Menschen etwas verbinden, macht mich stolz. Wenn man sieht, was in der Welt heute los ist, ist der Song ja leider aktueller denn je. Daran wird sich vermutlich auch in 100 Jahren nichts ändern.

Gerade einmal 17 Jahre alt war Nicole, als die heute 50-Jährige 1982 mit „Ein bisschen Frieden“ als erste und bis zu Lenas Sieg 2010 auch einzige Deutsche den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson, dem heutigen Eurovision Song Contest, gewann. Zwar verbindet jeder ihren Namen mit dem Grand Prix, ein One-Hit-Wonder ist die gebürtige Saarländerin aber beim besten Willen nicht. Die Mutter zweier Kinder ist seit 1984 mit ihrem Jugendfreund Winfried Seibert verheiratet.
Karten für „Appen musiziert“ gibt es im Ticket-Center des A. Beig-Verlags in Pinneberg, Damm 9-19, sowie in den Geschäftsstellen in Elmshorn, Schulstraße 62-66, in Wedel, Bahnhofstraße 65, in Quickborn, Kieler Straße 80, sowie in Barmstedt, Reichenstraße 17. Telefonische Vorbestellungen sind unter 04101-5356233 möglich. Die Tickets kosten 15 Euro, mit Sitzplatzgarantie 25.
Weitere Vorverkaufsstellen sind: Maren´s LaDiDa, Hauptstraße 24 in Appen, Edeka Jensen, August-Christen-Straße 6 in Barmstedt, Edeka Appel, Waldhof 3 in Ellerbek, Theaterkasse Konzert und Event, Kirchenstraße 8 in Elmshorn, Edeka Böge, Hauptstraße 37-43 in Halstenbek, Theaterkasse Moorrege, Wedeler Chaussee 26 in Moorrege, Edeka Bert Meyer, Dingstätte 5 und Saarlandstraße 65 in Pinneberg, Edeka Böge, Nienhöfener Straße 19a in Pinneberg, Marktkauf, Peiner Hag 1 in Prisdorf, Edeka Appel, Krupunder 2 in Rellingen, Edeka Böge, Hauptstraße 39 in Rellingen, Edeka Ermeling, Gerberstraße 1 in Uetersen sowie Edeka Jensen, Am Marienhof 3 in Wedel.
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