Golf-Park: Erst Aus, dann Neustart

Auf dem Peiner Hof sitzen nun alle in einem Boot und schauen optimistisch in die Zukunft: Betreiberin Susanne Rahlfs (links) und ihr Lebensgefährte Stefan Kutsch (rechts), Gastronom Patrick Diehr (zweiter von links) sowie das Verpächterehepaar Elisabeth und Detlef Voss.
Auf dem Peiner Hof sitzen nun alle in einem Boot und schauen optimistisch in die Zukunft: Betreiberin Susanne Rahlfs (links) und ihr Lebensgefährte Stefan Kutsch (rechts), Gastronom Patrick Diehr (zweiter von links) sowie das Verpächterehepaar Elisabeth und Detlef Voss.

Der Pächterverein auf der Anlage muss ausziehen und beantragt Insolvenz / Betreiberin des benachbarten Weidenhofs übernimmt

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16. August 2018, 16:23 Uhr

Erst ging vor gut einem Jahr die Gastronomie im Peiner Hof in Prisdorf pleite. Jetzt hat auch der Verein Golf Park Peiner Hof einen Insolvenzantrag gestellt. Was sich auf den ersten Blick liest, wie die Geschichte eines unaufhaltsamen Niedergangs, stellt sich in einem Gespräch den Grundeigentümern ganz anders dar: Erst eröffnete vor gut einem Jahr Patrick Diehr seinen mittlerweile etablierten Erlebnisgasthof „Goldschätzchen“ neu. Und nun sagen die Verpächter der Anlage Peiner Hof: „Wir sind von einer Last befreit. Jetzt geht es erst richtig los.“

Mit dem Insolvenzantrag des Vereins ging ein jahrelanger Rechtsstreit mit der Prisdorfer Sport- und Freizeitanlagenbau GmbH (PSF) vom Weidenhof zu Ende. Der Insolvenzantrag ist die Konsequenz des jüngsten Urteils des Landgerichts Itzehoe. Ende Juni hat das Gericht darin den Golf Park Peiner Hof zu einer Schadensersatzzahlung von rund 40 000 Euro wegen Vertragsverletzungen an die PSF verurteilt. Auch wurde in dem Urteil eine Kündigung des Pachtvertrags als rechtmäßig erklärt. Der Verein muss die Anlage verlassen.

Zu dem Rechtsstreit hatten lang andauernde Konflikte zwischen dem Vorstand des ehrenamtlich geführten Vereins und der Betreiberin der PSF, Susanne Rahlfs geführt. Die Eigentumsverhältnisse sind komplex: Rahlfs ist Tochter des Verpächterehepaares Elisabeth und Hans-Detlef Voss. Letztere sind nicht nur Verpächter der Anlage Peiner Hof, sondern auch Eigentümer der benachbarten Golfanlage Weidenhof auf Pinneberger Boden. Der ehemalige Landwirt Detlef Voss hat beide Anlagen aus Familienbesitz aufgebaut.

„Der Keim im Streit liegt darin, dass der Verein ehrenamtlich geführt wurde und wir das wirtschaftlich betreiben“, sagt Voss. „Ich schätze das Ehrenamt absolut. Aber ein so aufwendiger Club gehört in professionelle Hände.“ Laut Voss und Rahlfs haben auch die hohen Gerichtskosten immer neuer und meist verlorener Klagen des Vereins gegen die PSF zu dessen drohender Zahlungsunfähigkeit geführt. Tatsächlich ist das jüngste Urteil, aufgrund dessen der Verein Schadensersatz leisten muss, aus einem Verfahren hervorgegangen, in dem er selbst als Kläger aufgetreten war.

Der stellvertretende Vorsitzende vom Golf Park Peiner Hof, Andreas Hagen, möchte sich zu der Angelegenheit nicht äußern: „Besonders für die Mitglieder soll jetzt Ruhe einkehren,“ sagt er auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es wäre unfair, jetzt durch weitere Äußerungen zu stören“, befindet Hagen. Er selbst könne sich aber in die betriebswirtschaftliche Perspektive der Betreiberin Rahlfs hineinversetzen. Er bekundete Interesse, weiter auf der Anlage, zu spielen. „Für mich steht der Sport im Vordergrund.“ Der Vorsitzende Wilfried Kniffka stand für ein Gespräch mit unserer Zeitung nach Angaben des Sekretariats des Golf Clubs Peiner Hof nicht zur Verfügung.

Wie geht es weiter? „Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens würde sich der Verein Golf Park Peiner Hof spätestens zum ersten Oktober auflösen“, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Stephan Schoppe von der Kanzlei Reimer. Die Vereinsmitglieder sind durch ihn kontaktiert worden. Sie können ohne zusätzliche Kosten bis zum Jahresende die Anlage nutzen. Auch danach haben die Mitglieder die Möglichkeit, auf der Anlage zu bleiben. Rahlfs hat einen neuen Golfclub gegründet: Mit Fairway Golf und Sport wird sie den Betrieb auf der Anlage fortführen. Zu einer Info-Veranstaltung seien 350 Interessierte erschienen.

Das Ehepaar Voss und Tochter Rahlfs fühlen sich durch das Urteil befreit. Mit dem Gastronomen Patrick Diehr sei man voll auf einer Linie. Voss: „Er bringt uns hier alle unglaublich in Schwung in Pinneberg.“ Wie die Zukunft auf dem Peiner Hof aussieht, bleibt spannend. Aktuell ziehen anscheinend alle an einem Strang.

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