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Aus dem neuen Stadtgespräch : Golf - ein Selbstversuch

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Stadtgespräch-Autorin Birgit Schmidt-Harder probiert sich am schicken Sport auf dem edlen Grün.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2016 | 13:00 Uhr

Pinneberg | Dass ich null Ahnung vom Golfen habe, sieht Felix Klöppl auf den ersten Blick: „Haben Sie keine anderen Schuhe mit?“, fragt er mich. „Nee.“ – „Hm. Jogging-Schuhe wären besser gewesen.“ Jogging-Schuhe? Wofür das denn? Ich dachte, ich soll golfen und nicht laufen. Rumstehen und Stöckchen schwingen, dafür sind meine Reportage-Treter doch perfekt. Golf und Sport? Also ehrlich...

Golf gehört zu den ältesten Sportarten der Welt. Als Erfinder gelten die Schotten (zirka 15. Jahrhundert), was aber umstritten ist. Golf ist mit vielen Vorurteilen behaftet. Ob diese stimmen, findet man am besten bei einer Schnupperstunde heraus. Der Golfsport verfügt über ein umfangreiches Regelwerk, eine besondere Sprache und Etikette, was unter anderem der langen Geschichte geschuldet ist. Die Etikette aber hat nicht nur etwas mit Kleiderordnung (s. u.) und Benimmregeln zu tun, sondern dient der Sicherheit auf dem Platz und seiner Erhaltung. Die Ausrüstung ist nicht teurer als bei andere Sportarten. Ein Einsteiger- Set liegt bei zirka 300 Euro.

Fünf Minuten später stehe ich auf dem Rasen der Golfanlage Gut Wulfsmühle und stelle fest, dass ich falscher nicht hätte angezogen sein können. Meine Schuhe weichen durch und rutschen auf dem nassen Rasen hin und her und in der blöden Bluse kann ich die Arme nicht richtig bewegen.

„Ich dachte, hier tragen alle Karos und Bommelmützen“, quengele ich herum. Felix (61) – wir sind inzwischen beim Du – lacht. Er hat mehr Leuten das Golfen beigebracht als mancher Lehrer Kindern das Einmaleins und weiß genau, welche Vorurteile eine typische Anfängerin wie ich in ihrem Inneren pflegt.

So sieht er aus – der perfekte Schlag. Felix ist ein „Pro“. Pro steht für Professional und heißt Berufsspieler. 

So sieht er aus – der perfekte Schlag. Felix ist ein „Pro“. Pro steht für Professional und heißt Berufsspieler. 

Foto: Merle Hausen

Dass Golf elitär sei. Und nur etwas für alte Leute. Dass hier nur reiche Spießer rumrennen, die vor der Welt da draußen auf die frisch gemähte Anlage flüchten. „Golfen hat nichts mit Geld zu tun“, sagt Felix. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Oder kennst du einen Sportverein, bei dem du täglich von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang für 1412,50 Euro im Jahr deinen Sport machen kannst?“ Hm. Ich rechne schnell die Kosten fürs Reiten meiner Tochter, den Schwimmkurs meines Sohnes und die Fitnessstudio-Gebühren meines Mannes hoch und muss ihm im Stillen recht geben.

„Zuerst suchen wir dir einen Schläger heraus“, sagt er mit einem prüfenden Blick auf mich. „Standarddame“, murmelt er. Also, das hat auch noch nie jemand zu mir gesagt. Ich bekomme ein Eisen 7 in die Hand. „Das ist gut zum Üben.“ Aha. Für mich sehen die neun Dinger im Bag alle gleich aus. Felix erklärt mir, dass sie sich in Schaftlänge und Neigungswinkel des Schlagblattes unterscheiden. „Golf ist ein technischer Sport“, sagt er. „Er hat mit Hebelwirkung und Geschwindigkeit zu tun.“ Ich denke an die Fünf, die ich immer in Physik hatte. Und verliere jede Hoffnung.

„Zuerst lernst du den richtigen Griff“, sagt Felix. Es gibt drei: Den Overlap, bei dem der kleine Finger der rechten Hand die linke Hand überlappt (ca. 90 Prozent aller Golfer), den Interlocking, bei dem der kleine Finger eingehakt wird (ca. 9 Prozent), und den 10-Fingergriff, den hauptsächlich Kinder benutzen. Auch mir gefällt der Overlap am besten. Standarddame halt.

Nun üben wir das Schwingen. Ich muss Rücken, Po und Beine anspannen, Arme und Handgelenke gerade machen, in die Knie gehen und nach rechts ausholen. „Weiter herum!“, sagt der Trainer und drückt meine Schulter herum. Ach du meine Güte, so sehr habe ich mich seit Jahren nicht mehr verbogen! Mein Respekt vor den Golfern steigt.

Arme und Handgelenke bleiben fest, Rücken und Schultern drehen ein, das Schlägerblatt zeigt gerade nach oben. Typische Ausgangsposition, um den langen Schlag zu üben.

Arme und Handgelenke bleiben fest, Rücken und Schultern drehen ein, das Schlägerblatt zeigt gerade nach oben. Typische Ausgangsposition, um den langen Schlag zu üben. 

Foto: Merle Hausen

„Spannung halten und schwingen!“, sagt Felix. Ich schwinge los, was die Bluse hergibt. Vorbei. Vorbei. Und, ganz klar. Vorbei. Mist. „Nicht mit Kraft“, sagt Felix. „Mit Technik. Finde den Rhythmus.“

Okay. Loslassen. Neuanfassen. Ausatmen. Spannung aufbauen. Schwingen. Klonck! Getroffen! Ist nicht wahr! Der Ball fliegt in einer geraden Linie satte 80 Meter weit. „Ha!“, rufe ich und freue mich wie ein Kind. „Nicht schlecht!“, sagt Felix und lächelt. „Kann ich nochmal?“ „Klar. Golf macht süchtig, du wirst sehen.“

Er korrigiert zum wiederholtesten Mal geduldig meine Haltung, und ich schwinge los. Und treffe. Und treffe! Und – nicht zu fassen – treffe!

Nach 45 Minuten bin ich fertig. Mein Rücken zieht an Stellen, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe. Aber ich kenne jetzt die Griffe, die verschiedenen Schläge wie das Putten zum Beispiel, was mir übrigens nicht einmal geglückt ist, und ich habe gelernt, dass man bei dem Ruf „Fore“ besser sofort den Kopf einzieht.

„Du solltest anfangen. Das war gar nicht schlecht“, sagt Felix hinterher. Ich bin geschmeichelt. „Weißt du was?“, sage ich. „Vielleicht mache ich das. Das hat irre Spaß gemacht heute! Vielen Dank.“

Noch mehr Geschichten zum Thema „Golf“ gibt es in der aktuellen Ausgabe des Stadtgesprächs, dem Monatsmagazin des Pinneberger Tageblattes. Das neue Stadtgespräch finden Sie heute in Ihrem Pinneberger Tageblatt oder an allen bekannten Auslagestellen.

Noch mehr Geschichten zum Thema „Golf“ gibt es in der aktuellen Ausgabe des Stadtgesprächs, dem Monatsmagazin des Pinneberger Tageblattes. Das neue Stadtgespräch finden Sie heute in Ihrem Pinneberger Tageblatt oder an allen bekannten Auslagestellen.

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