zur Navigation springen

Premiere im Landhaus am Hollen : Glücksliteratur mit Cello

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Kunstsalon unter dem Goldenen Ei ist feierlich eröffnet worden. 70 Gäste sind begeistert.

Halstenbek | Die Hamburger Cellistin Krischa Weber auf einer Rhododendren-Insel im Park. Ein irisches, von Dichterin Dagmar Noël und Schauspielerin Iris Bebensee gesprochenes Tallow-Gebet vorm historischen Tee-Pavillon. Diverse künstlerische Beiträge in grüner Oase sowie in weißer Villa. 70 kunstinteressierte Bürger haben gemeinsam mit Hausherrin Dagmar Noël Halstenbeks ersten Kunstsalon eröffnet. Dabei blieben keine Wünsche offen. Nach einem Sektempfang im Garten folgte eine Einführung in die Geschichte des 1908 erbauten Landhauses am Hollen. Noël informierte über die von Kunst und Natur inspirierten ersten Bewohner des Hauses Elisabeth und Karl Reifkogel. Die Dichterin fand zahlreiche Utensilien des Paares auf dem Dachboden, darunter Bild, Foto und Malkoffer der früh verstorbenen Elisabeth Reifkogel. Impressionist Max Liebermann gehörte zu den Lehrern des sogenannten Malweibs.

Noël begab sich bei ihrer von Hölderlin, Platon und Nietzsche inspirierten Rede auf die Spuren der Lebensreformbewegung Deutschlands um 1900. „Ich ergreife den lichten Faden der Jahrhundertwende, als die Lebensreform nach Wegen in eine alternative Zukunft suchte“, so die Dichterin. Die Bewegung hatte genug von der autoritären Bewegung des Kaiserreichs sowie der kapitalistischen Moderne. Ludwig Klage schilderte auf dem freideutschen Jugendtag 1913 auf dem Hohen Meißner in Hessen bereits eindrucksvoll die Gefährdung der animalischen wie menschlichen Natur.

Noël ließ sich von Klages Vision einer Rettung der Erde anregen. „Überall auf der Welt gibt es Menschen, die sich auf die wilde Seite stellen, Lieder, Frieden und Lösungen wiederfinden sowie eine Art, anders zu leben“, erläuterte die Dichterin. Noël rief schließlich dazu auf, gegen „den Drachen der Sprachverluderung“ anzukämpfen.

Weitere Höhepunkte des Abends folgten beim Gang durch den Park. Dazu gehörte ein von Schauspielerin Iris Bebensee und Noël vorgetragenes irisches Tallow-Gebet. Musikerin Krischa Weber sorgte auf der Blumeninsel mit zarten Celloklängen für inspirierende Momente. Lieder wie „Up and Down“, „Die blinde Cäcilia“ und türkische Volksweisen gehörten zum Repertoire. „Eine Frau, ein Zimmer, einige Bücher, viele Fragen.“ Die ausdrucksstark vortragende Mimin Bebensee eröffnete den Kunstsalon im Zuge ihres poetisch-melancholischen Ein-Frauen-Zimmer-Hör-Spiels. Die jugendlich wirkende Schauspielerin überzeugte mit beeindruckenden Rollen- und Stimmwechseln und bereicherte die Zuhörer mit zahlreichen Einblicken in die Glücksliteratur. „Der Salon hier ist etwas Besonderes und wichtig für unseren Kreis“, bilanzierten Sieglinde Kelm und Andrea Barkmeyer aus Pinneberg beim Lustwandeln durch den Park.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen