zur Navigation springen

Nur acht Männer haben Redebedarf : Gleichstellungsbeauftragte in Schenefeld zieht Jahresbilanz

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Ute Stöwing zieht eine Jahresbilanz und blickt zeitgleich auf das Jahr 2016. Neu: Kochangebot für Frauen aus Flüchtlingsfamilien.

shz.de von
erstellt am 30.Nov.2015 | 00:32 Uhr

Schenefeld | Gesundheitliche Probleme, finanzielle Absicherung, Trennung oder Scheidung, Schwangerschaft, häusliche Gewalt und Integration – die Themen mit denen sich die Schenefelder an die Gleichstellungsbeauftragte Ute Stöwing wenden, sind vielfältig. „Ich komme nicht aus dem medizinischen Bereich und bin auch keine Jurisitin, aber ich habe ein Netzwerk, wo ich sagen kann: Gehen sie da hin. Dort könnten sie richtig aufgehoben sein“, erläutert Stöwing, die seit neun Jahren als Gleichstellungsbeauftrage im Schenefelder Rathaus tätig ist.

418 Beratungen führte sie im vergangen Jahr durch, wie aus ihrem Tätigkeitsbericht hervorgeht. 370 davon telefonisch und 48 persönlich. Was auffällt: Zumeist sind es Frauen, die Hilfe suchen. 410 Anfragen von Frauen stehen gerade einmal acht von Männern gegenüber. „Auch Männer können mich gern ansprechen“, sagt Stöwing. Einen Grund für die Zurückhaltung des angeblich starken Geschlechts sieht sie in der Entwicklung der Position. „Früher war ich die klassische Frauenbeauftragte. Das Tätigkeitsfeld hat sich aber mit der Zeit verändert“, erläutert Stöwing.

Doch passen die Angebote wie die Frauengesprächsrunde oder die Schreibwerkstatt für Frauen als Angebote? Stöwing lacht: „Ich habe immer wieder, was auch als Forderung aus der Politik kam, Gruppen für Männer versucht. Es wird aber nicht angenommen. Mehr als Anbieten kann ich es nicht.“ Wenn es inhaltlich um Themen wie Minijobs gehe, wären auch die Herren der Schöpfung an Bord, aber ansonsten sei die Beteiligung gering. „Wenn sie wollen, dass es Angebote für Männer in Schenefeld gibt, müssen sie sich aufraffen und teilnehmen“, sagt Stöwing. Aufgaben will sie aber nicht: „Ich versuche es immer wieder.“

Bei den Jugendlichen sehe es anders aus. Das Projekt „Neue Wege für Jungs“ habe einen großen Zuspruch – und liegt Stöwing besonders am Herzen. „Wir müssen Verständnis für Jungs herstellen. Es geht nicht darum, dass Jungs nachher die besseren Mädchen sind“, sagt Stöwing. In der Kita und der Grundschule träfen Jungs fast nur auf Frauen. „Erst auf den weiterführenden Schulen ist die Durchmischung beim Lehrerkollegium besser“, hat die Gleichstellungsbeauftragte festgestellt. Sie ist sicher: „Da gibt es noch viel Nachholbedarf, auch bei der Erziehung durch die Väter.“

„Projekt Regenbogen“

Schon seit Jahren bietet sie zusammen mit der Türkischen Gemeinde Hamburg das „Projekt Regenbogen“, einen Integrationskursus, an. Die steigenden Flüchtlingszahlen hätten die Nachfrage bisher nicht verändert. „Bisher richtet sich der Kursus an Menschen mit einem Aufenthaltsstatus“, erläutert Stöwing, die derzeit prüfe, das Angebot für Neuankömmlinge zu erweitern.

Neu ist das Kochangebot für Frauen aus Flüchtlingsfamilien. Dieses soll am Dienstag, 8. Dezember, um 18 Uhr in der Volkshochschule mit einem Kennenlernen beim Plätzchenbacken starten. „Richtig los geht es am 12. Januar und dann wollen wir uns jeden zweiten Dienstag im Monat treffen“, so Stöwing. Von 15 bis 20 Uhr soll gemeinsam eingekauft, gekocht und gegessen werden. „Wir wollen an die deutsche Esskultur heranführen, gesund kochen und das so günstig wie möglich“, sagt Stöwing. Derzeit suche sie noch nach interessierten Frauen. Ehrenamtliche Helfer, die Familien begleiten, könnten sich gern unter Telefon 040-83037196 bei ihr melden. „Wir werden dann alle mit Wörterbüchern herumlaufen, um uns zu verständigen. Das wird sicherlich sehr spannend“, ist sie sich sicher.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen