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Das Sonntagsgespräch : „Glaube ist für mich etwas ganz Persönliches“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Heute mit Maike von Appen. Sie ist Diakonin in Appen und Pinneberg.

Appen | Maike von Appen ist seit fast einem Jahr Diakonin für die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Johannes Appen und Heilig-Geist Pinneberg. Im Sonntagsgespräch erklärt von Appen unter anderem, welche Schwerpunkte sie in der Jugendarbeit setzt.

Was haben Sie in der Jugendarbeit verändert?
In Appen konnte ich die bisherige Arbeit fortsetzen und auf bestehende Strukturen zurückgreifen. Ein großer Vorteil sind zudem die kurzen Wege. Probleme hatte ich in Appen bis jetzt nicht, sondern bin sehr eingenommen und froh über kurze einfache Wege, die große Hilfsbereitschaft in Appen und die gute Zusammenarbeit der Menschen, die dort wohnen. In Pinneberg war es schwieriger, weil meine Stelle längere Zeit unbesetzt war. Wir sind aber auf einem guten Weg. Neu ist in beiden Gemeinden das Programm „Lütt und pfiffig“, bei dem Vier- bis Achtjährige forschen, singen und spielen. Spannend ist, dass die Kinder in beiden Gemeinden völlig unterschiedlich sind.

Was ist der besondere Reiz an der Jugendarbeit?
Ich lerne viele unterschiedliche Perspektiven und Biografien kennen. Zudem kann ich Kindern und Jugendlichen helfen, sich zu entwickeln. Ich bin der Meinung, dass Menschen andere Menschen lieben sollten. Dazu möchte ich mit Worten und Taten beitragen. Meine lange Zeit im Verein und das Montessori-Diplom haben mir außerdem deutlich gemacht, wie wichtig Bewegung für das Lernen ist. Psychomotorik und sensorische Integration sind spezielle Begriffe. In ihnen stecken großartige und unglaublich komplexe Inhalte.

Was ist für Sie in der Jugendarbeit wichtig?
Es ist wichtig, dass Menschen miteinander in Kontakt kommen, sich respektieren und die eigenen Bedürfnisse auch mal zurücknehmen können. Zu meinem Auftrag als Diakonin und Sozialarbeiterin gehört, bestimmte Werte zu vermitteln. Was Jesus vor Jahrtausenden über Nächstenliebe und viele andere Dinge gesagt hat, trifft ebenso wie die zehn Gebote immer noch zu. Mir liegt zudem am Herzen, dass die Kinder und Jugendlichen Freiräume haben und sich mit ihren Wünschen und Talenten beschäftigen.

Maike von Appen (42) ist Sozialpädagogin und hat ein Montessori-Diplom. Vor ihrer Zeit in Appen und Pinneberg war die verheiratete Mutter eines Sohnes unter anderem in einem Waldkindergarten in Schnelsen tätig, arbeitete mit Jugendlichen in Wilhelmsburg, in einem Montessori-Kinderhaus in Bergedorf sowie als Diakonin in Lokstedt. In Lokstedt engagiert sich von Appen immer noch ehrenamtlich.

Was bedeutet Ihnen persönlich der Glaube?
Er gibt mir Halt und hilft mir, mit Sorgen und Problemen zurechtzukommen. Der Glaube ist für mich etwas ganz Persönliches, den man niemandem vorschreiben kann. Deshalb ist es wichtig, auch andere Glaubensrichtungen zu respektieren. Niemand sollte der Auffassung sein, dass er etwas Besseres ist.

Sie waren sechs Monate in einem israelischen Friedensdorf. Hat Sie diese Zeit geprägt?
Sehr. Gerade beim Yoga und Meditieren denke ich oft daran zurück. Der Gedanke an diese Zeit gibt mir Ruhe und Frieden. Nicht unbedingt das, was man mit Israel verbindet. In dem Friedensdorf bekam ich einen ganz neuen Blick auf die drei monotheistischen Religionen und durfte erfahren, dass Juden, Muslime und Christen selbst im Nahen Osten harmonieren und zusammenleben können. Den Beweis lieferte das Ehepaar, das mich aufgenommen hatte. Sie war Schweizer Jüdin, er Palästinenser.  Meine Sichtweise auf den Konflikt hat sich durch den Aufenthalt verändert. Ich sehe die Entwicklung jetzt viel reflektierter.

Sie leben mit Ihren Eltern, Ihrem Sohn und Ihrem Mann in einem Mehrgenerationenhaus. Was gefällt Ihnen daran?
Mein Großvater ist zu Hause gestorben. Das wünsche ich mir für meine Eltern auch. Wir wohnen gemeinsam mit meiner Tante und meinem Onkel immer noch auf dem Grundstück in Hamburg, auf dem ich aufgewachsen bin. Es ist einfach schön, dass das Zusammenleben so gut funktioniert, weil jeder den anderen akzeptiert und ihm Freiräume lässt. Ich bin jemand, der gerne in einer Gemeinschaft lebt.

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erstellt am 14.Feb.2016 | 15:00 Uhr

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