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„Mensch des Jahres 2014“ : Gisela Maier ist die zweite Nominierte

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Gisela Maier erforscht mit einem Team von Freiwilligen die Geschichte eines Lagers in Quickborn aus dem Zweiten Weltkrieg.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2014 | 09:30 Uhr

Hasloh | Vor etwas mehr als 75 Jahren hat Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen. Die Spuren der Gräueltaten von Wehrmacht und SS sind bis heute sichtbar – in den europäischen Nachbarländern genauso wie in Deutschland. Gisela Maier (74) aus Hasloh engagiert sich seit 15 Jahren dafür, dass mit dem Henri-Goldstein-Haus diese Spuren auch im Raum Quickborn sichtbar bleiben. Sie und zahlreiche Mitstreiter haben 2013 den Trägerverein für eine Gedenkstätte gegründet, der seine Arbeit in diesem Jahr der Öffentlichkeit präsentierte. Deswegen ist Gisela Maier Kandidatin für die Wahl zum „Mensch des Jahres“.

So ganz wohl scheint ihr dabei nicht. „Es ist doch eine große Gruppe, die sich um das gemeinsame Anliegen kümmert“, sagt sie bescheiden im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie möchte lieber im Hintergrund bleiben. Dabei hat sie viel zu erzählen: „Das Thema hat mich vor 15 Jahren elektrisiert. Ich hatte vorher noch nichts von den jüdischen Kriegsgefangenen gehört. Und plötzlich gab es einen direkten Bezug zu Quickborn“, sagt die pensionierte Lehrerin über das ehemalige Gefangenenlager im Himmelmoor.

Schon in den 1990er Jahren hatte sie sich mit der eigenen Familiengeschichte beschäftigt, war nach Guben in Brandenburg gereist, wo ihr Vater während des Kriegs stationiert war. Und dann hörte sie 2000 plötzlich von dem Belgier, der als Gefangener im Himmelmoor gearbeitet hatte.

An ihrer Seite steht Ehemann Manfred, pensionierter Polizist mit kriminalistischem Spürsinn. „Er kann in der Recherche sehr hartnäckig sein“, sagt Gisela Maier über ihren Mann.

Menschenfeindlichen Ideologien vorbeugen

Viele Menschen in der Region wissen nichts von dem Sonderlager für jüdische Gefangene, ist sich Maier sicher. Sie wünscht sich, dass aus dem Henri-Goldstein-Haus eine Gedenkstätte wird. Eine, die mit Veranstaltungen zu einem Ort für Diskussionen und für den Austausch wird. „Wir müssen nachdenken – und vordenken, um zu verhindern, dass Menschen noch einmal indoktriniert werden können“, sagt Maier. „Wir müssen weg von diesem Gedenktag-Gedenken, bei dem wir uns nur zu bestimmten Stichtagen mit einem Thema beschäftigen.“

Die ersten Schritte sind getan. Mit anderen Freiwilligen hat sie eine Dokumentation verfasst. „Kriegsgefangenen-Kommando 1416“ lautet der Titel des bei Wachholtz erschienenen Buches. Außerdem wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und eine Erinnerungstafel am Haus installiert. Wer in Zukunft Eigentümer des Hauses wird, ist noch unklar. „Es sollte aber in staatlicher Hand bleiben“, sagt Maier.

Sie und ihr Mann werden in den kommenden Monaten und Jahren nach den Spuren weiterer Kriegsgefangener suchen. Denn bisher gibt es gesicherte Hinweise nur auf Henri Goldstein.

Ein Denkmal im Himmelmoor

Das Henri-Goldstein-Haus ist ein Klinkerbau aus den 1930er Jahre. Es ist Teil eines größeren Komplexes, in dem während der Jahre zuvor Strafgefangene untergebracht waren, die im Himmelmoor bei Quickborn Torf stechen mussten. Während des Zweiten Weltkriegs internierten die Nazis dort jüdische Kriegsgefangene, die im Gegensatz zu den Zivilisten nicht in Konzentrationslager deportiert wurden. 53 jüdische Kriegsgefangene aus Belgien und Frankreich waren im Himmelmoor untergebracht. Die jüdischen Gefangenen überlebten nach Recherchen engagierter Bürger, von denen heute etliche im Trägerverein Henri-Goldstein-Haus engagiert sind, alle. Sie kehren in ihre Heimat zurück.

Das auch als Rotsteinhaus bekannte Gebäude bekam seinen heutigen Namen von Henri Goldstein. Der vor kurzem gestorbene Belgier hatte sich vor etwa 20 Jahren an die Stadt Quickborn gewandt um eine Entschädigung für Zwangsarbeiter zu beantragen. Fünf Jahre später wurde das Thema auch von der Geschichtswerkstatt aufgegriffen. Fortan versuchten  die Hobby-Historiker aus Quickborn und Hasloh, mehr über die Vergangenheit Goldsteins und anderer Gefangener in Erfahrung zu bringen. Bisher ist Goldstein jedoch der Einzige, dessen Spur sich verfolgen lässt.

Das denkmalgeschützte Goldstein Haus gehört dem Land Schleswig-Holstein. Pächter ist voraussichtlich bis 2020 das Torfwerk Hornung. Bisher ist es nicht öffentlich zugänglich. Spätestens bis 2020 soll eine Gedenk- und Veranstaltungsstätte entstehen.

Und so können Sie mit abstimmen

 

Wer von ihnen der „Mensch des Jahres 2014“ im Kreis Pinneberg wird, liegt nun in Ihrer Hand. Sie können sich auf drei Weisen an der Aktion  beteiligen: Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Betreff „Mensch des Jahres 2014“ an service@a-beig.de. Alternativ können Sie für Ihren „Mensch des Jahres“ auch bis einschließlich 23. November anrufen (für 14 Cent pro Anruf aus dem deutschen Festnetz, aus dem Mobilfunknetz kostet es mehr). Oder Sie senden eine SMS mit dem Inhalt „shz beig“ und der zweistelligen Kandidatennummer an die 42020 (Kosten sind tarifabhängig). Wir stellen Ihnen alle Nominierten im der nächsten Woche auch noch einmal ausführlich vor.

  • Montag, 20. Oktober Rolf-Oliver Hertling (01375-80401237-01)
  • Dienstag, 21. Oktober Gisela Maier (01375-80401237-02)
  • Mittwoch, 22. Oktober Willy Matzen (01375-80401237-03)
  • Donnerstag, 23. Oktober Helmut Fricke (01375-80401237-04)
  • Freitag, 24. Oktober Mireille-Christin Rehmann (01375-80401237-05)
  • Sonnabend, 25. Oktober Nicole Jung (01375-80401237-06)
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