Nachtschicht im Kreis Pinneberg : Gipsen, Blut abnehmen und röntgen

Gesundheits- und Krankenpflegerin Stephanie Zühlke füllt am Ende der Nachtschicht den Materialwagen wieder auf.
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Gesundheits- und Krankenpflegerin Stephanie Zühlke füllt am Ende der Nachtschicht den Materialwagen wieder auf.

Eine Nacht in der zentralen Notaufnahme der Regio-Klinik Pinneberg. Zwei Krankenpfleger kümmern sich um die hilfesuchenden Patienten.

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13. Dezember 2014, 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Laute Rufe hallen durch den Eingangsbereich der Zentralen Notaufnahme des Regio-Klinikums Pinneberg. Ein Patient ist seinen Angehörigen gegenüber aggressiv. Gesundheits- und Krankenpflegerin Stephanie Zühlke (26) geht dazwischen. Sven Hartmann, Leiter der Notaufnahmen der Regio-Kliniken, und Krankenpfleger Frank Badorrek (47) eilen ihr zur Hilfe. Doch da ist der Mann schon nach draußen verschwunden. Es ist 21.39 Uhr: Der Nachtdienst von Zühlke und Badorrek hat gerade erst begonnen.

Im Wartezimmer sitzen noch einige Patienten. Wer zuerst behandelt wird, wird durch die Krankenpfleger bestimmt. Dazu führen sie ein kurzes Gespräch mit den Hilfesuchenden und kategorisieren sie nach dem Manchester-Triage-System. Dies legt fest, wessen Behandlung Priorität hat.

Vor dem Zwischenfall mit dem aggressiven Mann hatte Badorrek mit einer Frau mit einer Brandverletzung am Bein gesprochen. Sie habe eine Tasse Tee umgeworfen und sich so verbrüht. Routiniert fragte der Krankenpfleger nach den Schmerzen, sah sich die Wunde an und gab ihr letztendlich die Kategorie gelb. Das bedeutet, dass innerhalb von einer halben Stunde ein Arztkontakt erfolgen muss. Die Behandlung ist dringend, aber die Patientin ist durch ihre Verletzung nicht in Lebensgefahr. Wäre das der Fall, würde sie als rot kategorisiert und sofort behandelt werden. Nun muss sie erstmal wieder im Wartezimmer Platz nehmen und auf die Behandlung warten. Das Wartezimmer ist nur durch einen kurzen Flur vom eigentlichen Zentrum der Notaufnahme getrennt. Mehrere Tragen stehen im Flur, von dem die Behandlungsräume abgehen. Die Tür zum Ärztezimmer steht offen. An einer großen weißen Tafel an der Wand im Flur notieren die Pfleger welcher Patient wo ist, aber auch, wann das nächste Mal Blut abgenommen oder etwa ein Medikament verabreicht werden muss. An einem Schreibtisch mitten im Gang werden Patientendaten im Computer abgerufen und so der Überblick bewahrt. Ist jeder wo er sein soll? Was muss als Nächstes geschehen? Im Laufe der Nacht werden sich Zühlke und Badorrek immer wieder unabhängig voneinander an den Tisch setzen und die Patientenliste durchgehen. „Der Nachtdienst in der Notaufnahme läuft meist ohne viele Worte“, sagt Zühlke. Die Notaufnahme ist nachts von zwei Pflegern besetzt, die zwar gemeinsam aber unabhängig die anfallenden Aufgaben abarbeiten. Treffen Notfälle ein, werden die Ärzte dazu gerufen.

Inzwischen ist es 23.52 Uhr. Bis jetzt wurde ein gebrochener Arm eingegipst, Blut abgenommen, die Vitalfunktionen von mehreren Patienten aufgenommen und eine Tetanusspritze verabreicht. Außerdem haben Zühlke und Badorrek mehrmals Blutproben durch die verwinkelten und ruhigen Gänge des Krankenhauses zum Labor gebracht.

Vor der Tür steht ein Rettungswagen. Unaufgeregt erfolgt die Übergabe der Patientin – einer älteren Frau, die im Pflegeheim im Badezimmer gestürzt ist. Nachdem die Unfallchirurgin Dr. Ilka Heinz die Frau in einem der Behandlungsräume untersucht hat, schiebt Zühlke die Trage in Richtung Fahrstuhl: Die Frau soll geröntgt werden. Ohne Probleme hantiert die 26-Jährige die Trage allein, und hilft im ersten Stock der Röntgenschwester beim umbetten. Danach geht es ohne Patientin wieder hinunter, diese wird heruntergebracht, wenn die Untersuchung abgeschlossen ist.

„Ich schalte mal auf Nachtmodus“, sagt Zühlke und schaltet das grelle Deckenlicht aus. Aus den Behandlungsräumen und von einer Schreibtischlampe kommt Licht. Es ist 1 Uhr, die Gesundheits- und Krankenpflegerin sowie ihr Kollege sind seit vier Stunden im Dienst. Der Wartebereich ist leer, lediglich in Behandlungsraum sieben liegt eine Patientin. Sie ist an ein EKG angeschlossen und regelmäßig schaut Badorrek nach ihr. Um 1.25 Uhr wird sie auf eine Station verlegt.

Kurz vor 2 Uhr ist erstmals in der Nacht Leerlauf. Mit der Hauptnachtwache des Krankenhauses und der administrativen Mitarbeiterin, die sich auch nachts um die Erfassung der Patientendaten kümmert, gibt es kurze Pausengespräche. Essen wird aufgewärmt.

Doch kurze Zeit später ist die Pause vorbei. Tief gebeugt kommt ein Mann im Bademantel in den Empfangsbereich der Notaufnahme. „Rücken oder Bauch“, fragt Badorrek nach einem Blick. Und tatsächlich hat der Mann starke Rückenschmerzen. Nur wenige Minuten später hält erneut ein Rettungswagen vor dem Hintereingang. Die Rettungsassistenten bringen eine Frau mit starken Nierenschmerzen. Badorrek legt ihr eine Infusion an. „Brauchen Sie eine Decke“, fragt er und deckt sie zu, als sie bejaht. „Sie hätte nie gesagt, dass ihr kalt ist“, sagt der erfahrene Krankenpfleger. Es sei wichtig, die Patienten zu beobachten und zu schauen, was sie bräuchten.

Die Hauptnachtwache ist um 3.30Uhr in der Notaufnahme und berichtet von der Patientin, die um 1.25 Uhr auf Station verlegt wurde. Sie habe eine Hirnblutung gehabt. Leise sprechen Krankenpfleger und Ärzte darüber. „Ich finde es gut, wenn mich Fälle beschäftigen. Das bedeutet, dass ich nicht abgestumpft bin“, sagt Badorrek.

Die ältere Frau, die gefallen ist, wird um 3.45 Uhr vom Rettungsdienst abgeholt und zurück ins Pflegeheim gebracht. Die Frau mit Nierenschmerzen und der Mann mit Rückenleiden werden auf die Station verlegt.

Zu Dienstende müssen Badorrek und Zühlke dafür sorgen, dass alle Behandlungsräume aufgeräumt, Bestände aufgefüllt sind. Kurz nach 5 Uhr sind sie damit fertig. „Und schon sieht es hier so aus, als ob nichts passiert wäre“, sagt Zühlke und lächelt. Das Ärztezimmer ist leer. Zühlke sitzt am Rechner und gibt Bestellungen von Materialien auf. Kurz vor 6 Uhr wird es wieder voller auf dem Flur, der Frühdienst kommt an. Aus dem Aufenthaltsraum dringt Kaffeeduft. Der Rettungswagen, der Punkt 6 Uhr vor der Notaufnahme hält, wird von der Frühschicht betreut. Badorrek und Zühlke laufen derweil zu den Umkleideräumen, wechseln die Kleidung. „Es gibt kein besseres Gefühl, als nach dem Nachtdienst nach Hause zu gehen“, sagt Zühlke.

In den Notaufnahmen der Regio-Kliniken in Elmshorn, Pinneberg und Wedel werden laut Klinik-Angaben jährlich mehr als 60.000 Patienten behandelt. Sie dienen der Behandlung von Patienten mit akuten Erkrankungen oder Verletzungen. „Es ist jedoch ein allgemeiner Trend, dass Patienten, die kein akutes Problem haben, in die Notaufnahme kommen“, sagt Sebastian Kimstädt, Sprecher der Regio-Kliniken. „Nach  einer aktuellen Hamburger Studie können zirka 20 Prozent der Patienten, die zur Behandlung eine Notaufnahme aufsuchen, auch anderweitig behandelt werden. Nach unserer Schätzung dürfte dieser Anteil in unseren Notaufnahmen jedoch deutlich über 30 Prozent liegen“, sagt Sven Hartmann, Leiter der Notaufnahmen der Regio-Kliniken. Um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten, werden diese nach dem sogenannten Manchester Triage System kategorisiert. Das bedeutet, dass immer als erstes der Patient behandelt wird, der am schwersten erkrankt oder verletzt ist.
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