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„World Ocean Review“ : Gieriger Griff in die Tiefsee

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die neue Ausgabe des „World Ocean Review“ beschäftigt sich mit Ressourcen unter Wasser. Helgoland wird ein wichtiger Standort für maritime Industrie.

Helgoland | Die gemeinnützige Gesellschaft Maribus hat gestern in Hamburg die dritte Ausgabe ihrer „World Ocean Review“ („WOR3“) präsentiert. In dem Magazin werden wissenschaftliche Themen auch für Laien verständlich dargestellt. Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe ist das Thema Rohstoffgewinnung in den Meeren.

Mit Helgoland hat auch der Kreis Pinneberg einen Außenposten auf hoher See. Die Insel ist Standort für maritime Spitzenforschung. Und Standort für Energiekonzerne, die von dort ihre Offshore-Windparks warten.

Während der Präsentation in der Hafencity am Donnerstag ging es vor allem um Rohstoffe wie Mineralien und Gashydrate für die Energiegewinnung. „Mit Rohstoffen ist unendlich viel Geld zu verdienen. Politik und Wirtschaft werden sehr aggressiv vorgehen“, prognostizierte Nikolaus Gelpke, Geschäftsführer von Maribus. Bereits heute machten sich Anrainerstaaten über die Arktis her. Weltweit gehe es nicht nur um Öl oder Gas, sondern um Rohstoffe wie Mangan, metallreiche Krusten, Massivsulfide und Methanhydrat.

Mangan liegt in Form kartoffelgroßer Knollen auf dem Meeresgrund. Es wird in der Stahlindustrie oder für den Instrumentenbau verwendet. Laut „WOR3“ sind die Lagerstätten unter Wasser deutlich größer als die derzeit bekannten an Land.

Metallkrusten sind eine Deckschicht auf untermeerischen Felshängen. Sie enthalten etwa große Mengen Kobalt, das in der Farbindustrie, Medizin und Landwirtschaft benutzt wird. Die Krusten wachsen langsam: ein bis fünf Zentimeter pro Million Jahre.

In Tiefen zwischen 1000 und 4000 Metern entstehen zudem Massivsulfide. Große Schlote, sogenannte schwarze Raucher, spucken an geologischen Plattengrenzen heißes Wasser mit Metallverbindungen aus, die als Sulfidniederschläge auf dem Boden eine dicke Schicht bilden. Stellenweise enthalten die Schichten viel Gold und Silber.

Methanhydrat, auch als brennendes Eis bekannt, ist von Wassermolekülen umschlossenes Methan. Es entsteht unter hohem Druck in großen Wassertiefen. Gelangen die Eisklumpen an die Oberfläche, zerfallen sie. Das entweichende Methan ist leicht entzündlich. Methanhydrat könnte als Energiequelle genutzt werden.

Völlig unklar sei, ob sich das Ernten der Ressourcen wirtschaftlich lohnt und welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat. Die Forschung sei noch völlig am Anfang, sagte der Meeresbiologe Dr. Gerd Schriever am Donnerstag.

Auch juristisch werde es spannend. Die seerechtlichen Vereinbarungen zwischen den Ländern hinsichtlich der Tiefsee außerhalb national beanspruchter Gebiete seien zwar relativ stabil, sagte Christian Reichert von der Internationalen Meeresbodenbehörde in Kingston (Jamaika). Doch bereits heute steckten Staaten in der Arktis Interessensgebiete ab - mit großem Konfliktpotenzial, wie Gelpke sagte.

Auch wenn viele der exotischen Ressourcen im Pazifik und dem indischen Ozean lagern, lenkte Valerie Wilms (Grüne), Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Pinneberg und Expertin für maritime Wirtschaft, den Blick auf die Nordsee. „Dort dienen über 1000 Offshore-Anlagen der Förderung von Öl und Gas. Das birgt deutlich größere Risiken als an Land“, sagte Wilms auf Anfrage. Sie war als Diskussionsgast zur Präsentation eingeladen, musste aber kurzfristig absagen. Die Abgeordnete unterstrich: „Verunreinigte Meeresgebiete und Strände sind auf Jahrzehnte verunreinigt.“

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erstellt am 22.Feb.2014 | 16:00 Uhr

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