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Interview : Gibt es echte Obdachlosigkeit in Deutschland?

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Antje Mause und Christa Hausmann von der Beratungsstelle für Wohnungslose in Pinneberg erläutern im Gespräch, was an der Annahme dran ist und warum einige Wohnungslose selbst im Winter keine Unterkunft aufsuchen.

shz.de von
erstellt am 21.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Bundesgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, auf 24.000. Keiner müsse in Deutschland „Platte machen“, der das nicht möchte, so eine gängige Behauptung. Antje Mause und Christa Hausmann von der Beratungsstelle für Wohnungslose in Pinneberg erläutern im Gespräch, was an der Annahme dran ist und warum einige Wohnungslose selbst im Winter keine Unterkunft aufsuchen.

Was sagen Sie zu der Behauptung, niemand müsse auf der Straße leben, der das nicht wolle?
Wenn im Kreis Pinneberg ein wohnungsloser Mensch einen Platz benötigt, kann für jeden einer zur Verfügung gestellt werden.

Laut Diakonie wollen einige Menschen, die auf der Straße wohnen, die Notunterkünfte selbst an kalten Tagen nicht aufsuchen. Wie kommt das?
Aus den Gesprächen mit wohnungslosen Menschen können wir verschiedene Gründe angeben: Diebstahl innerhalb einer Notunterkunft zum Beispiel. Vor wenigen Tagen erzählte ein Klient: „Ich bin mehrmals beklaut worden.“ Oder: „Gestern sind mir wieder Lebensmittel geklaut worden.“ Ein Problem kann auch die Zimmer-Belegung sein. So hören wir von verschiedenen Klienten, dass sie sich zu dritt einen kleinen Raum von zehn Quadratmetern teilen müssen. Das führt schon zu einer hohen räumlichen Enge. Viele der Menschen, die auf ein Obdach angewiesen sind, leiden unter sozialen Schwierigkeiten. So fällt es ihnen in der Regel schwer, Probleme zu lösen. Oft werden Probleme von Menschen, die gemeinsam in einem Obdach wohnen, „unter den Teppich gekehrt“, und so entstehen dann innerhalb kürzester Zeit Streitereien, die ohne Hilfe kaum zu beheben sind. Das wirkt sich auf die Atmosphäre im Obdach aus.

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