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Halstenbek : Gezerre um Zukunft der Kirchen-Kita

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Spielen die Christdemokraten auf Zeit? Die CDU will die Sanierung verhindern und favorisiert einen Neubau.

Geballte Mütter-Power in der Halstenbeker Schule an der Bek, launige Gemeindevertreter, die sich einen mehr als dreistündigen Schlagabtausch zum Thema Sanierung oder Neubau der Kita Erlöserkirche im Ortskern lieferten – die Voraussetzungen für eine unterhaltsame Gemeinderatssitzung waren am Montagabend bestens. Eine Frage stellten sich die zahlreichen Bürger: Warum pochen die Christdemokraten so vehement auf einen Neubau auf dem ehemaligen Realschulgelände („Rathausquartier“) an der Feldstraße?

Fakt ist: In Halstenbek fehlen 200 Kita-Plätze. Der evangelische Kindergarten Erlöserkirche in der Gustavstraße 10 ist etwa 40 Jahre alt – mit drei Vormittags-, zwei Ganztags- und einer Nachmittagsgruppe mit 104 Kindern. Betreut wird in drei größeren und einem kleineren Gruppenraum sowie in einem Container. Sommer 2014 wird auch noch die „Tausendfüßler-Gruppe“ geschlossen.

Warum der alte Bau geopfert werden könnte, zeigten die Ausführungen von Pastorin Katja Rogmann: „Es gibt eine Toilette für 20 Mitarbeiter. Kinder zeigen bezüglich ihrer Motorik Auffälligkeiten. Denn es fehlt ein Bewegungsraum.“ Rogmann hat sich bereits von der Kita verabschiedet: „Wir hängen nicht daran. Wir wollen gute Arbeit leisten.“

Elternvertreterin Miram Utz, Mutter dreier Kinder, legte nach: „Die dramatische Enge belastet alle.“ Und überreichte Bürgervorsteher Otto Sajitz (CDU) eine Protestliste mit 500 Unterschriften.

Stellt sich die Frage, wer die Kosten trägt. Für Umbau und Dachsanierung müssen laut Kirchen-Gutachten etwa 500 000 Euro in die Hand genommen werden. Fakt ist: Es besteht ein Vertrag aus dem Jahr 1969, der Kirche (zu 75 Prozent) und Gemeinde (mit 25 Prozent) bezüglich Sanierung und Betriebskosten in die Pflicht nimmt.

Grund genug für die Union, folgenden Antrag einzubringen: Als Ersatz für die Kita Erlöserkirche soll eine neue „Monster“-Kita auf dem Areal der Ex-Realschule mit 145 Elementar- und 25 Krippenplätzen gebaut werden. Die Genossen kontern und favorisieren „einen bedarfsgerechten Ausbau von Kindertagesstättenplätzen“. Die Grünen pochen auf „Planbarkeit, Zuverlässigkeit und Qualitätssicherung in der Betreuung“. Die Liberalen schließen sich der Union an und fordern Neubauten. Alle wissen: Neubaugebiete und Infrastruktur sind nicht auf Augenhöhe. Alle wollen Lösungen. Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann drückt aufs Tempo, will „erste Pflöcke zur Beratung einschlagen“.

Am Montagabend einigten sich die Beteiligten um 22.13 Uhr auf vier Punkte: Die Verwaltung prüft den Sanierungsbedarf der Kita, die Diskussion über die Zukunft der Einrichtung wird in die Fraktionen verwiesen. Die Option einer Arbeitsgruppe nach dem Vorbild der Schulentwicklungsplanung steht im Raum.

Die Tagungszeit war überschritten, der „abschließende Beschluss“ über den B-Plan 52 – Bebauung des „Rathausquartiers“ – musste auf den 7. November geschoben werden. Lautstark gab es aus Reihen der Grünen Proteste bezüglich der vermeintlichen Verzögerungstaktik durch die CDU. Denn laut SPD und Grüne steht fest: Die TTS Projektgesellschaft Björn W. Thun aus Elmshorner ist seit Frühjahr Topkandidat dafür, die gemeindliche Fläche zwischen Feld- und Gustavstraße zu bebauen. Kaufpreis: angeblich 1,2 Millionen Euro. Geld ist zwar noch nicht geflossen, ein Vertrag noch nicht fixiert.

Kursierende Gerüchte, dass der Gemeinde ein neues Kaufangebot der Grundstücksgesellschaft Manke aus Henstedt-Ulzburg vorliegt – mit angeblich höheren Konditionen – sorgte für zusätzliche Irritation. Beobachter befürchten, Thun könnte verprellt werden.

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erstellt am 30.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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