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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 08:42 Uhr

Pinneberg : GeWoGe will Kulturzentrum bauen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Baugenossenschaft aus Pinneberg gibt Angebot für Ernst-Paasch-Halle ab und will mehr als zwei Millionen Euro investieren. Die Bedingung der Stadt ist, dass die Fassade erhalten bleibt.

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erstellt am 06.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Um die Zukunft der Ernst-Paasch-Halle als Kulturzentrum zu sichern, wird schon lange ein Investor gesucht. Die Baugenossenschaft „Neue GeWoGe“ meldet sich nun – auf Bitten der Stadt – als möglicher Geldgeber. Am Mittwochabend verkündete Bürgermeisterin Urte Steinberg im Kulturausschuss, dass die Pinneberger GeWoGe der Stadt einen Vorschlag gemacht habe: Für einen Euro würde die Genossenschaft das Grundstück an der Lindenstraße 10 kaufen, um dann die Halle zu einer Kulturstätte umzubauen. Bedingung: Die Stadt möchte, dass die historische Fassade komplett erhalten bleibt.

„Wir wurden von der Stadt gebeten eine Schätzung für den Neubau sowie den Erhalt der Fassade zu liefern“, sagt GeWoGe-Vorstand Kai Lorenz. „Wir rechnen mit einem Investionsvolumen von 2,1 Millionen Euro.“ Besonders aufwändig sei dabei der Erhalt der Fassade von 1891.

Zum Hintergrund: Dass die historische Turnhalle zur Kulturstätte umgewandelt werden soll, darüber sind sich Pinnebergs Politiker und die Stadt seit 2012 einig. Wegen des defizitären Haushalts ist der finanzielle Spielraum der Stadt aber gering. Pinneberg ist seit Dezember 2012 unter dem Rettungsschirm des Landes. Deswegen muss ein Investor aushelfen.

Die Gespräche mit dem möglichen Investor „Neue GeWoGe“ sind aber noch ganz am Anfang. Deswegen stehen auch die genauen Konditionen noch nicht fest. „Davon sind wir noch weit entfernt“, betont Lorenz. Denn zum konkreten Umbau der Paasch-Halle ist die „Neue GeWoGe“ erst bereit, wenn ein Mietvertrag geschlossen ist. „Nach der Baumaßnahme würden pro Quadratmeter monatlich 22 Euro fällig werden“, bezifferte Steinberg im Kulturausschuss das Angebot der Baugenossenschaft. ebendie würde mit der Miete ihre Investitionen begleichen. „Damit wir keine roten Zahlen schreiben“, sagt Lorenz.

Derzeit betrage die Grundfläche der Halle laut Trampe etwa 550 Quadratmeter. Die Spielfläche sei 288 Quadratmeter groß. Gerechnet mit der Grundfläche wären pro Monat etwa 12  100 Euro Miete fällig. Wer zahlt die? „Für einen Mietvertrag käme die Stadt, ein Trägerverein oder ein Dritter in Frage“, sagt Lorenz.

Auf das Angebot, dass die GeWoGe der Stadt letztendlich machen wird, ist der Vorsitzende des Forum Theaters, Andreas Hettwer (Foto), gespannt. „Wir spielen seit 20 Jahren in der Halle und würden dort auch gern bleiben“, sagt er. Denn eine sanierte Halle bringe zwar viele Vorteile – wie neue Spielmöglichkeiten – für den Theaterverein mit sich. Aber: Fixe Mietkosten könnten die Kulturschaffenden vor Probleme stellen. Bisher hatte das Forum Theater jeweils 15  Prozent der Bruttoeinnahmen seiner Aufführungen an die Stadt zahlen müssen. „Das müssen alle Vereine und entspricht der üblichen Gebührenordnung“, erklärt Hettwer. Diese variable Lösung würde der Verein auch weiterhin bevorzugen. Denn ein monatlicher Fixbetrag hätte auch Auswirkungen auf die Angebote des Theaters: „Wir würden dann wahrscheinlich deutlich mehr Boulevardstücke ins Angebot nehmen. Denn die locken mehr Besucher an und dadurch käme dann mehr Geld in die Vereinskasse“, sagt Hettwer. Im Umkehrschluss bedeutet das: „Wir müssten auf politische und kritische Stücke verzichten. Das wäre ein Verlust für Pinnebergs Kulturliebhaber.

Derzeit prüft der Kommunale Service Betrieb die Erteilung des Auftrags zur Nutzungsänderung. Das Ergebnis soll zum nächsten Kulturausschuss vorgelegt werden. Mit dem Kauf würde die Pinneberger Genossenschaft das dritte Grundstück in der Lindenstraße erwerben: Bisher gehört ihr der ehemalige Parkplatz des Kreishauses und das Privatgrundstück Lindenstraße 8. Und auch um die Ecke baut die auf Wohnungsbau spezialisierte Genossenschaft derzeit: An der Moltkestraße entstehen derzeit insgesamt 32 Wohneinheiten.

Die historische Turnhalle wurde 1891 von dem Industriellen und damaligen Chef der Union-Eisenwerke Herman Wupperman in Auftrag gegeben.  Er baute die Turnhalle für die Arrbeitnehmer der Eisenwerke und war auch für Sozialbau in Pinneberg verantwortlich. Seit 1961 in  Ernst-Paasch-Halle umbenannt wurde. Das Forum Theater probt seit genau 20 Jahren, also seit Vereinsgründung im Jahr 1995, in der Halle.
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