Kreis Pinneberg : Gewerkschaftsbund schaltet Hotline zum Mindestlohn

Ralf Schwittay, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pinneberg-Steinburg, und Resy de Ruijsscher, Sprecherin des Kreisverbands der Grünen, trafen sich, um über die Einführung des Mindestlohns im Kreis Pinneberg zu sprechen.
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Ralf Schwittay, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pinneberg-Steinburg, und Resy de Ruijsscher, Sprecherin des Kreisverbands der Grünen, trafen sich, um über die Einführung des Mindestlohns im Kreis Pinneberg zu sprechen.

Bis zu 400 Nachfragen pro Tag. Unternehmen klagen über mehr Bürokratie. Verdi übt Kritik.

shz.de von
20. Januar 2015, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Er gilt seit mittlerweile 20 Tagen: der gesetzliche Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) profitieren mehr als sieben Prozent der etwa 55.000 Vollzeitbeschäftigten im Kreis Pinneberg davon. Bei den Teilzeitbeschäftigten und Minijobbern sei der Anteil sogar noch wesentlich höher. Für die Unternehmen bedeutet das neue Gesetz vor allem auch mehr Bürokratie. Das bestätigt Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Unterelbe-Westküste: „Die geleisteten Stunden zu dokumentieren, ist eine zusätzliche Belastung“, sagte er. Nach wie vor gebe es bei den Arbeitgebern zudem noch große Unsicherheit, so Blöcker.

Das spiegelt sich auch in den Anruflisten der extra eingeführten DGB-Hotline wider: „Selbst Arbeitgeber versuchen dort Rat zu bekommen, statt sich an ihre Verbände zu wenden“, sagte Ralf Schwittay, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Pinneberg-Steinburg, der gestern noch einmal für das Angebot warb. Die Resonanz ist größer als erwartet: Die Gewerkschafter rechneten mit 100 Anrufern pro Tag. „Tatsächlich sind es etwa 350. Insbesondere Minijobber wenden sich mit Fragen an die Mitarbeiter“, so Schwittay.

Resy de Ruijsscher und Achim Diekmann, Sprecher des Kreisverbands der Grünen, informierten sich gestern in der Verdi-Geschäftsstelle in Elmshorn über die Einführung des Mindestlohns. Ihnen ist besonders eines wichtig: „Man kann nicht öffentlich predigen, was man nicht selbst durchführt“, sagte de Ruijsscher. Mandatsträger müssten dafür Sorge tragen, dass der Mindestlohn auch im öffentlichen Dienst gezahlt werde – insbesondere bei ausgelagerten Leistungen wie Reinigung oder Catering. „Darüber müssen wir aufmerksam machen“, sagte Diekmann. Schwittay kritisierte, dass bereits jetzt erkennbar sei, dass einige Arbeitgeber versuchten, das Gesetz zu unterlaufen – etwa durch Honorarverträge. Diekmann fordert Politiker in Kommunen und auf Kreisebene deshalb auf, Verstöße bekannt zu machen. Schwittay verweist in solchen Fällen auf die Hotline. Die große Nachfrage-Welle erwartet der Verdi-Geschäftsführer nach den Januarabrechnungen.

Für Fragen rund um den Mindestlohn gibt es die Hotline des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) unter Telefon 0391-4088003. Sie ist vorerst bis zum 31. März montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr sowie sonnabends von 9 bis 16 Uhr erreichbar. Beratungsgespräche sind auch in verschiedenen Sprachen möglich.
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