Umfrage des Landesfeuerwehrverbandes : Gesinnungstest erzürnt Feuerwehren im Kreis Pinneberg

Feuer unterm eigenen Dach: Eine Umfrage unter Feuerwehrleuten erhitzt die Gemüter.
Feuer unterm eigenen Dach: Eine Umfrage unter Feuerwehrleuten erhitzt die Gemüter.

Retter in der Region kritisieren die Umfrage. Auch der Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) schreitet ein.

shz.de von
13. Juni 2018, 10:05 Uhr

Kreis Pinneberg | Der schleswig-holsteinische Landesfeuerwehrverband hat in der vergangenen Woche mit einer Mitgliederbefragung unter den Freiwilligen Feuerwehren Entrüstung ausgelöst. Die Befragung sollte klären, ob rechte Gesinnung in den Wehren eine Rolle spielen. Er beinhaltete außer Fragen zum Arbeitsklima und zur Zufriedenheit auch Fragen zur persönlichen politischen Einstellung. Das kritisieren jedoch auch Feuerwehren im Kreis Pinneberg.

20 Fragen gelöscht

Viele Kreiswehrführer im Land weigerten sich, die Fragebögen an ihre Mitglieder auszuhändigen. Nach den massiven Protesten griff auch Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) ein. Daraufhin stoppte Landesbrandmeister Frank Homrich den politischen Teil der Umfrage und löschte 20 Fragen. Der restliche Teil läuft noch bis Ende Juli weiter.

Zu den umstrittenen Fragen gehörten solche wie „Ist die Bundesrepublik durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß gefährdet?“ und „Wäre unter gewissen Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform?“ Einige Feuerwehrmänner im Kreis Pinneberg finden dazu klare Worte.

Dennis Renk, stellvertretender Sprecher des Kreisfeuerwehrverbandes Pinneberg und Mitglied der Feuerwehr Wedel sagt: „Die Umfragen an sich ist eine gute Sache, die Umsetzung allerdings total schlecht.“ Die Umfrage sei ein gutes Werkzeug, um ein allgemeines Stimmungsbild zu gewinnen und die ersten beiden Frage-Blöcke empfinde er als sehr gut. „Der dritte allerdings geht gar nicht. Der ist eine Zumutung.“ Die Freiwillige Feuerwehr sei politisch neutral. „Wir sind Retter und Helfer in der Not. Und zwar für die Allgemeinheit – ganz unabhängig von Herkunft und Religion“, sagt Renk. „Das ist eine Grundeinstellung.“ Den Fragebogen habe er bislang noch nicht an seine Kameraden der Wedeler Wehr ausgegeben.

Wunsch nach offener Diskussion

Wido Schön, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Quickborn, begrüßt den Rückzug der kritischen Fragen. Er wünscht sich eine offene Diskussion. Ihn interessiert die Motivation des Landesverbands hinter der Umfrage: „Einige Mitglieder der Feuerwehr in Quickborn haben die Umfrage vor allem aus Neugierde ausgefüllt, denn das Thema war vor allem durch die Debatte in den Medien sehr interessant. Viele haben den politischen Teil ignoriert. Die Grundidee einer Stimmungsbefragung kam gut an. Nur die Umsetzung ganz und gar nicht.“ Trotzdem würde Schön die Streichung der gesamten Umfrage begrüßen.

Politischer Teil für Fördergeld

Auch Claus Köster, Wehrführer der Feuerwehr in Pinneberg, teilt die Meinungen seiner Kollegen: „Ich bin seit 24 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig und wir sind eine Gemeinschaft, die sich in der Bekämpfung von Feuer und Not aufopfert. Wir sind neutral und ich hielte die komplette Rücknahme der Umfrage für eine gute Idee.“ Der politische Teil sei aufgenommen worden, um an Fördergeld zu kommen. Der Verband habe Zuschüsse aus dem Bundesprogramm „Zusammenhalt durch Teilhabe“ erhalten – unter der Bedingung, den umstrittenen politischen Teil mit aufzunehmen. „Das ist ein Unding“, sagt Köster. „Wir sind Kameraden und dienen der allgemeinen Sicherheit – ohne Wertung und ohne Vorurteile“.

Die Umfrage ist ein heißes Eisen. Die Wehrführer aus Barmstedt und Schenefeld wollten sich nicht äußern. Aus Uetersen kam ein knappes Statement: „Wir haben andere Baustellen und können uns um sowas nicht kümmern.“ Und darin sind sich fast alle einig: Die Freiwillige Feuerwehr hat in ihrem Alltag wichtigere Dinge zu tun. Menschen in Not zu helfen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Religion.

In einer früheren Version dieses Artikels waren Positionen der zitierten Personen falsch zugeordnet. Wir haben es entsprechend korrigiert.

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