Geschichte erzählen mit Zertifikat

Malerei trifft auf Zahnarztpraxis: Diese neue Installation im Pinneberg Museum entstand im Zuge der Zertifizierung – Museumsleiterin Ina Duggen-Below (von links), Fördervereinvorstand Wolfgang Domeyer und Johannes Seifert sind stolz auf das Ergebnis.
Malerei trifft auf Zahnarztpraxis: Diese neue Installation im Pinneberg Museum entstand im Zuge der Zertifizierung – Museumsleiterin Ina Duggen-Below (von links), Fördervereinvorstand Wolfgang Domeyer und Johannes Seifert sind stolz auf das Ergebnis.

Qualitätssiegel Das Pinneberg Museum erfüllt internationale Standards / Einjährige Betreuung mit Verbesserungsvorschlägen

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22. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Das Pinneberg Museum in der Dingstätte hat nun ein offizielles Museumszertifikat – als eines von bisher nur 25 in Schleswig-Holstein. Dafür wurde die Institution im ehemaligen königlich-preußischen Amtsgerichtsgebäude von der Museumsberatung und -zertifizierung Schleswig-Holstein ein Jahr lang ganz genau unter die Lupe genommen. „Ich bin jetzt seit 22 Jahren hier und es war nicht einfach, die tagtägliche Arbeit, die ich in dieser Zeit gemacht habe, einfach infragezustellen“, sagt die Museumsleiterin Ina Duggen-Below mit einem Lächeln. „Aber es war ein sehr hilfreicher Prozess.“ Ein erfolgreicher.

Das Zertifikat bescheinigt, dass das Pinneberg Museum europaweit vereinbarte Standards erfüllt. Diese wurden bereits 2005 vom Deutschen Musuemsverband und dem International Council of Musuems (ICOM) festgelegt – seit 2013 werden in Schleswig-Holstein die Zertifikate verliehen. „Wir sind eigentlich noch in den Kinderschuhen“, sagt Duggen-Below. Im Kreis Pinneberg haben nur das Industriemuseum in Elmshorn und das Museum Helgoland noch ein Zertifikat vorzuweisen. Es ist gültig für fünf Jahre, dann folgt eine Rezertifizierung.

Um seins zu bekommen, startete das Pinneberg Museum mit einer Selbstevaluation gefolgt von einem ganztägigen Beratungsgespräch, das in einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung mündete. „Beratungsgespräch klingt so harmlos“, sagt Duggen-Below. „Das war schon sehr anstrengend. Vor dem Berater war nichts sicher, er hat alles ganz genau untersucht.“ Angefangen beim Konzept, dem Zustand und der Unterbringung der Exponate bis hin zu den Inventarnummern im Depot. Auch Marketing, Besucherstatistiken und -meinungen gingen in die Auswertung mit ein. Gut kam Duggen-Below zu Folge die Sonderausstellung „Keine wahre Liebesgeschichte“ an, die noch bis 10. Februar zu sehen ist. Auch die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte Pinnebergs fand Lob – und einen Verbesserungsvorschlag: „Die Dauerausstellung hatte bisher keine Gliederung, jetzt haben wir ganz einfach Überschriften angebracht und die Besucher wissen sofort, was sie erwartet“, berichtet Duggen-Below.


Symbiose von Pinseln und Bohrern

Ein weiterer Fall für Verbesserung war die etwas belanglose Vitrine zu dem Pinneberger Maler Rudolph Grothkop, der rund um seinen ehemaligen Zahnarztstuhl Staffelei und Aquarellfarbe verteilt hatte. „Es war eine Mischung aus Zahnarztpraxis und Atelier“, erzählt Duggen-Below. Davon war in der Vitrine allerdings nichts zu sehen. Jetzt ist es eine Installation – samt Zahnarztstuhl und Pinseln im Spuckbecken. „Vorher gab es keinen Sinnzusammenhang, die Installation zeigt jetzt diese Symbiose.“

Umsonst gab es das Zertifikat mit allem, was dazu gehört, nicht: 1000 Euro kostete die einjährige Betreuung. Die Finanzierung übernahm der im Jahr 2000 gegründete Förderverein des Museums. Wolfgang Domeyer vom Vorstand freut sich über das Ergebnis: „Das Museum hat gute Arbeit geleistet. Das zeigt, was hier in den letzten Jahren geschaffen wurde.“ Hervorgegangen war das Museum 1985 auf Initiative einer Gruppe des Pinneberger Heimatverbandes. Duggen-Below sagt: „Das war damals sehr mühsam.“ Jetzt erfüllt das Museum internationale Standards. „Das stärkt unser Standing vor Politik und Gesellschaft und es hilft auch, Sponsoren zu finden.“

Dann ist jetzt ja alles unter Dach und Fach? „Das ist ein Zwischenstadium, Verbesserung geht ja nie zu Ende“, sagt Domeyer. Duggen-Below pflichtet ihm bei. „Man ist nie fertig, das ist normal.“Als nächstes bekommt die zehn Jahre alte Abteilung zum Nationalsozialismus ein neues Gesicht.

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