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Mit Scharfsinn auf Schatzsuche : Geocaching im Kreis Pinneberg boomt

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In der Pinneberger City oder im Appener Baggersee: Tausende „Caches“ liegen im Kreis. Stefan König aus Elmshorn findet sie alle.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2014 | 14:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Nächster Halt: Quellental! In dem Pinneberger Stadtteil startet das Geocaching-Abenteuer – eine Art moderne Schatzsuche mit GPS-Gerät oder GPS-fähigem Smartphone sowie etwas detektivischem Talent. Es geht dabei nicht um das Auffinden von Gold oder Barem, sondern um Spaß, Rätselraten und Freizeitvergnügen an der frischen Luft.

Seit dem Jahr 2000 gibt es Geocaching. Die Faszination scheint ungebrochen. „Es boomt momentan“, sagt Geocacher Stefan König (52) aus Elmshorn. So lägen mehrere tausend „Caches“ in Verstecken im Kreis Pinneberg für Suchende bereit. Immer wieder kämen neue hinzu. Koordinaten und Rätsel, die über das Internet bekannt gegeben werden, weisen den Weg zu den „Caches“. Diese können überall liegen – mitten im Alltagsgeschehen und doch nur auffindbar für Eingeweihte. König kennt sie fast alle.

In den Hinweisen zu einem „Cache“ in Pinneberg heißt es auf der Internetseite Geocaching.com: „Next stop Spring Valley!“ Routiniert gibt König die angegebenen Koordinaten in sein GPS-Gerät ein, die zu einer Bushaltestelle im Quellental führen. Und jetzt? Scharfsinn ist gefragt. Blicke unter die Sitzbank, hinter den Fahrplan, Tasten am Dach des Wartehäuschens. Nichts. Ein gelbes Nummernschild sticht ins Auge. Volltreffer. Es wird mit einem Magneten an einem Standbein des Wartehäuschens gehalten und lässt sich ablösen. Auf der Rückseite des Schildes befindet sich das Logbuch, die lange Liste all derer, die dieses Rätsel bereits gelöst haben, zuletzt erst vor wenigen Tagen.

Ein kleiner Schatz ist dieses Mal nicht dabei. Oft ist neben einem Logbuch, in dem sich die Finder verewigen können, in den Verstecken eine kleine Dose zu finden, „mit kleinen Spielsachen für Kinder, Kleinkram eben“, wie König sagt. „Der Finder sollte dann nicht nur etwas rausnehmen, sondern auch etwas reinlegen.“ So bleibt der „Cache“ auch für den nächsten Finder interessant.

Mehr als 4000 „Caches“ hat der Vorsitzende der Sportjugend im Kreissportverband Pinneberg und hauptberufliche EDV-Leiter eines Unternehmens bereits gefunden – im Kreis Pinneberg, fast im gesamten Bundesgebiet und Ländern wie Norwegen, Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal, Österreich und Polen. „Es macht Spaß“, sagt König lachend. Er gibt zu: „Es hat Suchtpotenzial.“

Bis auf den Grund der Appener Kieskuhle

Mit Schlauchboot, Taucherbrille und Schwimmflossen führte ihn die Suche zusammen mit Freunden bereits auf den mehr als fünf Meter tiefen Grund des Appener Baggersees, wo er bei weniger als 50 Zentimetern Sicht „in der Modderbrühe nach unten getaucht“ ist. Er berichtet von „Caches“, die in der Nähe von Pinneberg nur mit professioneller Kletterausrüstung von Bäumen in 30 Metern Höhe geholt werden können. Die „Caches“ seien überall versteckt, am Hafen in Wedel, aber auch in der ISS-Weltraumstation. Zudem hat König bereits etwa 70 „Caches“ selbst platziert – überwiegend im Kreisgebiet.

Stefan König startete mit dem Geocaching während eines Urlaubs mit seiner Ehefrau in Kühlungsborn im Jahr 2011. Sie fanden „eine Dose mitten in der Pampa hinter hohen Brennnesseln.“ Das Fieber war entfacht. Bereits zwei Wochen später ging König wieder auf die Pirsch. Inzwischen ist er fast täglich auf der Suche. „Als Ausgleich und damit ich rauskomme“, sagt er. Früher habe er viel Sport getrieben – Fußball, Tennis, Skifahren. Doch damit habe er sich seine Knie kaputt gemacht. König weiß: „Das Hobby zieht sich durch alle Alters- und Bevölkerungsschichten. Mir sind Leute bekannt, die nehmen ihre Kinder mit. Andere sind Mitte 70.“ In unregelmäßigen Abständen gebe es zudem Events, bei denen die Geocacher aus dem Kreis Pinneberg zusammenkommen – sei es in Gaststätten oder an Grillplätzen. „Mal sind es fünf, mal 100 Teilnehmer. Man lernt auch Leute kennen“, sot König. „Den harten Kern kennt man.“

Wichtig ist ihm beim Geocaching, das Menschen auch mal durch Ruinen oder Wälder führt, „dass die Leute sich angepasst ihrer Umgebung bewegen.“ Privatgrund sollte respektiert werden. Mit Förstern könne man vor dem Verstecken eines „Caches“ im Wald außerdem auch Rücksprache halten. In der Vergangenheit habe es durchaus schwarze Schafe unter den Geocachern gegeben. Aber laut König sollte Naturschutz oberste Priorität haben.

Mehr als sechs Millionen Geocacher weltweit unterwegs

Es ist ein weltweites Phänomen: Geocaching – eine Outdoor-Schatzsuche in der realen Welt. Derzeit gibt es mehr als zweieinhalb Millionen aktive Geocaches (Schätze) sowie mehr als sechs Millionen Suchende weltweit, wie auf der Internetseite Geocaching.com zu lesen ist, eines der verschiedenen Portale, das Hobby-Schatzsuchern eine Plattform bietet.

Wer das Spiel selbst einmal austesten möchte, kann sich auf einem dieser Portale ein kostenloses Profil anlegen und sich über die Lage der „Caches“ durch Ortseingaben informieren. Koordinaten für GPS-Geräte oder GPS-taugliche Smartphones sowie Rätsel sollen bei der Suche helfen. Apps für das Smartphone sind erhältlich. Wer den „Cache“ gefunden hat, trägt sich ins Logbuch ein und legt ihn wieder ins ursprüngliche Versteck zurück. Meist sind es kleine Plastik- oder Filmdosen. Liegt darin ein kleiner Schatz, den man entnehmen möchte, sollte man etwas Gleichwertiges für den nächsten Sucher hinterlassen. Online können Erlebnisse und Fotos geteilt werden. Weitere Hinweise auf der Seite Geocaching.de: Grundsätzlich sollte ein „Cache“ nur auf öffentlich zugänglichen Grundstücken oder mit Erlaubnis des Eigentümers, und Lebensmittel  gar nicht versteckt werden. Geocacher sollten größtmögliche Rücksicht auf die Tier- und Pflanzenwelt nehmen.

Das Satelllitennavigationssystem GPS wurde vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium entwickelt, offiziell 1995 in Betrieb genommen und bis Mai 2000 zunächst für die zivile Nutzung auf eine Genauigkeit von zirka 100 Metern beschränkt. Nach Abschaltung der künstlichen Verzerrung des GPS-Signals durch die Clinton-Regierung legte Dave Ulmer den Grundstein für das Geocaching, so die Angaben auf Geocaching.de. Bereits am 3. Mai 2000 habe Ulmer einen „Pot mit Krimskrams“ in den Wäldern bei Portland/Oregon versteckt und die Position des Verstecks im Internet veröffentlicht. Innerhalb weniger Tage seien in Kalifornien, Kansas und Illinois weitere Verstecke angelegt worden, binnen eines Monats  in Australien. Der erste „Cache“ in Deutschland  mit dem Namen „First Germany“ wurde am 2. Oktober 2000 nahe Königs-Wusterhausen in Brandenburg versteckt.
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