Gemeinsam Schmerz bewältigen

Vorbereitet: Kerstin Kreuzhage (von links), Maren Radlow und Nicole Giese laden ein.
Vorbereitet: Kerstin Kreuzhage (von links), Maren Radlow und Nicole Giese laden ein.

Selbsthilfegruppe der DRK-Begegnungsstätte Rellingen bietet an Akne Inversa erkrankten Menschen Raum zum Austausch

shz.de von
06. Juni 2018, 16:00 Uhr

Mullewupp heißt die neu gegründete Selbsthilfegruppe, die sich an unter Akne inversa leidende Menschen richtet. Akne inversa ist eine chronisch verlaufende und zumeist sehr schmerzhafte Erkrankung. Die Betroffenen haben Abszesse, Furunkel und Fisteln in intimen Regionen. Die DRK Begegnungsstätte am Appelkamp bietet von der Krankheit betroffenen Menschen ab sofort einen Raum für Treffen einer Selbsthilfegruppe. Mitglieder können sich hier regelmäßig jeden ersten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr austauschen. Der nächste Termin ist Donnerstag, 7. Juni. Das Angebot richtet sich nicht nur an die Betroffenen, sondern auch an Angehörige.

Radlow wird von der Leiterin der Sozialstation Nicole Giese und von Kerstin Kreuzhage von der Sozialen Kontaktstelle des Kreises für Selbsthilfe unterstützt. „Die Selbsthilfegruppe kann es den Menschen ermöglichen, raus aus der Isolation zu gehen und selbstbewusster zu werden“, erläutert Kreuzhage. Sie hatte den Kontakt zu Giese hergestellt, nachdem Maren Radlow um Unterstützung gebeten hatte. Häufig ist das Krankheitsbild mit Scham behaftet. Die Gruppe soll Mut machen, sich nicht zurückzuziehen und am Leben teilzunehmen.

Die Pinnebergerin Radlow ist von der Krankheit betroffen, seitdem sie elf Jahre alt ist. Sie besuchte bislang Akne-Inversa-Treffs des erst im Februar gegründeten Vereins Mullewupp. Dieser bietet Selbsthilfegruppen zum Thema in Neumünster an. Radlow ist froh, dass Interessierte nun auch ein Angebot in Rellingen wahrnehmen können.

Ziel ist es, Betroffenen bei Fragen zur Seite zu stehen, Motivation und Halt zu geben. Radlow selbst wurde, wie andere Erkrankte, bereits mehrfach operiert. „Einige haben 30 und mehr Operationen hinter sich“, berichtet sie. Das Gespräch helfe, zu einer positiven Einstellung zu kommen. Lachen sei eine wertvolle Therapie.

Die Krankheit tritt in Beugeregionen auf, kann aber eben so gut auch an Ober-/ Unterschenkeln, der Brust, an Armen, Kopf oder im Gesicht auftreten. „Problematisch ist, dass Ärzte häufig nicht Bescheid wissen und zu einer Operation raten“, weiß die Pinnebergerin. Doch die Krankheit breche auch danach immer wieder aus. „Akne Inversa ist bis heute nicht heilbar“, erläutert Radlow. Das Krankheitsbild ähnelt dem Gang-System eines Maulwurfs. Das Fistel-Gewebe ist in der gleichen Weise wie dessen Bau verästelt.

Es gibt jedoch Heilungsmethoden mit einer hohen Erfolgsquote, wie die Light-Therapie. Sie wird jedoch nach Auskunft Radlows häufig nicht von den Krankenkassen getragen. Es können bei der Akne-Inversa-Gruppe Sammelbestellungen für Sitzkissen bei der in Kiel ansässigen Firma Assmann getätigt werden. „Es geht um eine große finanzielle Last, die es gilt, gemeinsam zu meistern“, erläutert Radlow.

Insgesamt gibt es im Kreis 150 Selbsthilfegruppen. Die Kreis-Kontaktstelle für Selbsthilfe unterstützt die Gruppen bei deren Gründung. Die Mitarbeiter helfen, erforderliche Formulare auszufüllen. Infos gibt es bei Radlow unter Telefon (01 76) 68 87 04 61 und auf der entsprechenden Website.

www.lenicura.de

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen