Naturschutzverbände aus dem Kreis Pinneberg : Gemeinsam für den Insekten- und Artenschutz

Insekten wie die Bienen benötigen Blühwiesen und Wildpflanzen.

Insekten wie die Bienen benötigen Blühwiesen und Wildpflanzen.

Ein Bündnis für die Natur: Rainer Naujox und Kurt Schindler wollen beim Insektensterben nicht tatenlos zusehen.

shz.de von
05. September 2018, 10:00 Uhr

Kreis Pinneberg | Die Insektenwelt  steckt in Schwierigkeiten. Der Bestand ist in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent  zurückgegangen. Das belegt eine Studie, die 2017 im renommierten Wissenschaftsjournal Plos one veröffentlicht wurde. Die Frage ist nicht mehr, ob Insekten sterben, sondern wie diese Entwicklung gestoppt werden kann.

Was jeder Einzelne tun kann

Rainer Naujox und Kurt Schindler wollen beim Insektensterben nicht tatenlos zusehen. Die beiden Männer aus dem Kreis Pinneberg stellen sich die Frage, was jeder Einzelne gegen den Rückgang der Artenvielfalt tun kann. Deshalb haben sie das Bündnis für Natur in Dorf und Stadt ins Leben gerufen. „Wir wollen die Leute wachrütteln“, sagt Naujox, Vorsitzender der Naturfreunde Pinneberg. Die Idee dahinter: möglichst viele Naturschutzverbände, Privatleute, Firmen, Kommunen und Städte sowie die Politik für den Naturschutz zusammenbringen. Die Buten Umweltbildung, Naturschutzbund-Gruppen (Nabu) aus Elmshorn, Barmstedt, Schenefeld-Halstenbek und Elbmarschen, sowie das Umwelthaus Pinneberg, Imker Alfred Schrade und weitere Privatpersonen sind bereits dabei. Ebenso die beiden Gruppen des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) aus Quickborn und Uetersen.  

Kurt Schindler (links), Projektleiter beim Bündnis für Natur, und Rainer Naujox, Vorsitzender der Naturfreunde Pinneberg, kämpfen für den Insektenschutz.
Finn Warncke

Kurt Schindler (links), Projektleiter beim Bündnis für Natur, und Rainer Naujox, Vorsitzender der Naturfreunde Pinneberg, kämpfen für den Insektenschutz.

 

Gemeinsam wolle man auf die Politik einwirken. In Gemeinden und Städten sollen künftig mehr naturnahe Lebensräume entstehen. Jeder Bündnis-Verband soll dabei auf seine jeweilige Region einwirken. „Wir erhoffen uns davon in erster Linie einen Erfahrungsaustausch“, erläutert Schindler, Projektleiter beim Bündnis für Natur in Dorf und Stadt. Aufklären, informieren, die Wahrnehmung des Artensterbens stärken – das seien weitere Ziele. Mittelfristig sollen Flächen naturfreundlich umgestaltet werden.

Dringender Handlungsbedarf

„Allein haben wir es nicht gepackt“, erläutert Naujox. Die Naturfreunde Pinneberg hatten sich an sämtliche Bürgermeister der Region gewandt, um über Projekte für den Insektenschutz zu diskutieren – mit mäßigem Erfolg. „Die meisten Kommunen und Städte waren nicht überzeugt“, sagt Schindler. Dabei sei die Botschaft an die Politik klar. „Wir müssen jetzt etwas machen“, stellt Naujox  klar. In Rellingen  trägt die Arbeit der Naturfreunde bereits Früchte. Gemeinsam mit Bürgermeister Marc Trampe (parteilos) wurde ein roter Tisch für Insektenschutz gegründet. Gesucht wurden geeignete Flächen für Wildblumen und Blühwiesen – als Lebensraum für Insekten unabdingbar. „Von 20 genannten Flächen wurden bereits vier bepflanzt“, sagt Naujox.

Auch in Heidgraben konnte man mit Hilfe der Politik und einem Landwirt eine Blühwiese anlegen. 125 Quadratmeter werden nun als Testfläche mit verschiedenem Wildblumen-Saatgut genutzt. In Pinneberg, Ellerbek und Tangstedt gebe es weitere Zusagen für Blühwiesen.

Bisher haben die Naturfreunde Dinge wie Saatgut  aus eigener Tasche bezahlt. „So ein Sack Wildblumen-Saatgut kostet schon mal 300Euro“, erläutert Schindler. Damit das Projekt künftig finanziell unterstützt wird, hat man einen Antrag beim Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung (Uso) gestellt. Grundsätzlich werde das Projekt laut Naujox befürwortet und zwischen Uso, der Leitstelle Klima und der Verwaltung des Kreises Pinneberg im Haushalt beraten. Aus Sicht von Naujox und Schindler ein kleiner, aber wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Denn an der Problematik des Insektensterbens komme laut Naujox niemand mehr vorbei: „Es besteht dringend Handlungsbedarf und zwar von so vielen Menschen wie möglich.“

Naturfreunde Pinneberg

Die Naturfreunde Pinneberg setzen sich seit 18 Jahren dafür ein, das Naturerbe in der Region zu bewahren. 133 Mitglieder hat die Ortsgruppe im Kreis Pinneberg. Bundesweit gibt es 70000 Naturfreunde.  Die Naturfreunde bieten diverse Angebote. So gibt es die Natursportsparte, bei der Mitglieder an Wanderungen, Fahrradtouren oder Nordic-Walking teilnehmen können. Bei der Kulturgruppe werden ein Literaturkreis sowie Ausflüge zu kulturellen Stätten angeboten. Die Arbeitsgruppe Umwelt kümmert sich bei den Naturfreunden um Vorträge und Seminare sowie um Aktionen wie die Instandhaltung von Nistkästen oder Baumpflanzungen in der Region. Der jährliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 55 Euro für Erwachsene, Kinder bezahlen 27,50, Familien 90Euro. Weitere Infos gibt es online.

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