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Borstel-Hohenraden : Gemeinsam an Rädern tüfteln

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

In Borstel-Hohenraden reparieren Ehrenamtliche und Flüchtlinge Drahtesel. Arbeit funktioniert auch ohne Sprachkenntnisse.

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2016 | 15:00 Uhr

Borstel-Hohenraden | In der Garage der Flüchtlingsunterkunft an der Quickborner Straße in Borstel-Hohenraden stehen zahlreiche Drahtesel. Alte Damenräder, ein vereinzeltes BMX-Rad, Herren-Räder und ein Fahrradanhänger stehen mehr oder weniger sortiert in dem kleinen Raum, der bei winterlichen Temperaturen mit einem Heizstrahler gewärmt wird. Auf der Werkbank liegt Werkzeug bereit, ehrenamtliche Helfer stehen jeden Donnerstagabend mit Rat und Tat bereit: In der Fahrradwerkstatt werden Räder für Flüchtlinge vorbereitet.

„Insgesamt 120 Räder haben wir seit Mai gespendet bekommen, 100 davon sind bereits wieder im Verkehr“, sagt Carl Ahrens, der die Fahrradwerkstatt aus der Taufe gehoben hat. An den Rädern werkeln jedoch nicht nur ehrenamtliche Helfer, sondern auch die Flüchtlinge selbst. „Die Idee ist sehr gut angekommen, es wurde als Beschäftigung gesehen“, so Ahrens.

Ein junger Iraker will die Schläuche eines gerade gespendeten Fahrrads wechseln, dann ist dieses einsatzbereit. Gestenreich kommt er auf Ahrens zu. „Wo ist?“, fragt er und beschreibt mit seinen Händen die Umrisse eines Schraubenschlüssels. Ahrens versteht das, reicht das gewünschte Werkzeug und nennt die Vokabel. Keine Seltenheit, sagt Jürgen Friedrich. „Da muss man dann auch mal den Unterschied zwischen Ring- und Maulschlüssel erklären. Man lernt hier voneinander“, sagt er. „Jeder bringt sein Know-How ein, auch wenn man sich nicht wörtlich versteht“, sagt Olaff Ohlhoff. Für die Flüchtlinge seien die Fahrräder oft ein Geschenk. „Und für uns ist das so eine alte Rostmühle“, sagt Friedrich. „Die Räder bedeuten für die Flüchtlinge ein ganzes Stück Freiheit und eine große Erleichterung“, ergänzt Ahrens. Die Flüchtlinge, die im Peiner Hof in Prisdorf untergebracht sind, seien dank der Fahrräder in der Lage, selbst einkaufen zu fahren und zum Sprachunterricht zu kommen.

Die Fahrradwerkstatt entstand aus einer Idee innerhalb des Willkommensgruppe der Osterkirchengemeinde der Dörfer Borstel-Hohenraden, Kummerfeld und Prisdorf. Flüchtlinge, die in diesen Gemeinden untergebracht sind, erhalten ein Rad. Teilweise kämen die Migranten auch nur zum Klönen vorbei. „Wir haben auch gemerkt, dass wir etwas tun müssen, damit sie Radfahren lernen“, so Ahrens. Insbesondere Frauen würden in den meisten Herkunftsländern nicht radeln. Dann werde kurzerhand auf dem großen Hof vor der Werkstatt geübt. „Die Betreuer kümmern sich auch, und wir haben auch ein paar Multiplikatoren, die das Gelernte weitergeben“, so Ahrens. Etwas ärgerlicher war es für die Flüchtlinge, dass sie lernen mussten, dass ein Fahrrad nicht einfach abgestellt werden kann. „Aber inzwischen haben alle ein Schloss und benutzen es auch“, so der Initiator lachend.

Alle Räder sind gespendet. Die Ersatzteile bezahlt das Amt Pinnau. „Außerdem werden die Fundräder nicht mehr versteigert, sondern entweder hier ausgeschlachtet oder fit gemacht“, so Ahrens. Trotzdem ist das Team auf der Suche nach weiteren Rädern, aber auch nach Zubehör, wie Reifen, Schläuchen, Bremsen oder Sätteln. Auch Luftpumpen kann die Werkstatt gebrauchen. Diese können donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr in Borstel-Hohenraden, Quickborner Straße 13, abgegeben werden.

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