Gelbes Freudenhaus erregt die Gemüter

Links die Moschee – rechts das Bordell. Das sorgte im August für Zoff.
Links die Moschee – rechts das Bordell. Das sorgte im August für Zoff.

Moschee neben Bordell Sex-Streit in der Kreisstadt / Noch kein Sichtschutz

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27. Dezember 2016, 16:28 Uhr

Ein schäbiges, gelb getünchtes Haus, in dem drei junge Prostituierte aus Osteuropa ihre Dienste anbieten. Vis-a-vis ein nicht minder verlottert aussehendes Haus, in dem eine Moschee untergebracht ist. Diese Konstellation in einem Wohngebiet in der Pinneberger Friedenstraße sorgte im August für mächtig Ärger.

Der Vorsteher der Türkisch-Islamischen Gemeinde Seref Ciftci hatte sich bei der Stadt und daraufhin bei der Presse über den Puff im Stadtgebiet beklagt: „Wir betreuen hier 170 Kinder und fürchten, dass die Eltern sie künftig zu Hause lassen.“ Er drohte mit einer Unterschriftenaktion gegen das Bordell.

Damit stieß er allerdings in ein Wespennest: Sein Vorstoß löste anti-muslimische Hasskommentare in den sozialen Medien und ein bundesweites und sogar internationales Medienecho aus. Auch englische Online-Portale nahmen sich der Geschichte an, die nach und nach zu einer Posse aus der Provinz wurde. Ein gefundenes Fressen im Sommerloch.

Kamerateams kamen angereist und standen vor der Moschee Schlange, doch Seref Ciftci – überrascht von dieser Resonanz – schweigt seitdem. Nur der Bordellbesitzer ließ gegenüber unserer Zeitung in einem Exklusiv-Interview verlauten, dass viele Besucher seines Hauses Türken seien. Deswegen könne er die Aufregung auch nicht verstehen. Klare Kante: „Wir bleiben hier und ziehen nicht aus“, sagte der gebürtige Russe. Unterdessen sind die Wogen geglättet. Scheint es. Bürgermeisterin Urte Steinberg (parteilos) und der Betreiber des umstrittenen Bordells setzten sich an einen Tisch. Im November gab es laut Aussagen der Stadt einen Kompromiss: Vor das gelb getünchte Freudenhaus soll ein Sichtschutz gebaut werden. Besonders die Blicke der Moscheebesucher der Türkisch-islamischen Gemeinde soll dieser abschirmen. Bislang ist aber noch nichts zu sehen – von der Moschee kann man weiterhin ungehindert auf den Puff blicken.


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