Gehrstücken wird zum Zankapfel

Nur noch Gewerbe: CDU und Die Bürgernahen sind davon überzeugt, dass die Eigentümer ihre Plangrundstücke jetzt nicht mehr verkaufen werden.
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Nur noch Gewerbe: CDU und Die Bürgernahen sind davon überzeugt, dass die Eigentümer ihre Plangrundstücke jetzt nicht mehr verkaufen werden.

SPD, Grüne und FDP beschließen, nur Gewerbe auf dem Areal an der A 23 zuzulassen / Initiative bereitet Bürgerbegehren vor

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23. Januar 2019, 16:48 Uhr

Bereits um 18.15 Uhr war das Rockvillezimmer im Pinneberger Rathaus proppenvoll. Zusätzliche Stühle wurden hereingetragen. Doch der Beschluss am Dienstagabend, für das Areal Gehrstücken-Süd nur Gewerbe zuzulassen, stieß bei den Gästen, viele davon Anwohner des Gebiets Düpenwisch und Neue Straße, auf wenig Gegenliebe. SPD, Grüne und FDP hatten sich im Ausschuss für Stadtentwicklung mit Variante 5 durchgesetzt.

„Rücksichtslos ohne Ende“, kommentierte es Jochen Baier (Foto) nach der Sitzung. Er gehört zu einer von zwei Initiativen, die sich eine für Mensch und Umwelt verträgliche Lösung auf dem Areal wünschen. Befürchtet wird, dass die Gewerbegebäude 14 Meter hoch und insgesamt mehrere 100 Meter lang sein werden.

Schon vor der Abstimmung forderte Baier die Politik heraus: Er wollte beispielsweise wissen, welche Zusagen man hinsichtlich der gewerblichen Nutzung bereits gemacht habe. „Keine“, so Peter Thomsen (Grüne und Unabhängige). „Wir sind hier nicht in einer Inquisition“, erwiderte Gerhard Thomssen (SPD). Nicht durchsetzen konnten sich CDU und Die Bürgernahen mit ihrer Variante 1. Sie sieht eine minimale Wohnbebauung plus Gewerbe vor.

Uwe Lange (Die Bürgernahen) sieht in der Variante 5 aber keine Chance auf Realisierung. „Das Gebiet wird in den nächsten zehn Jahren nicht erschlossen werden“, prophezeite er und verließ nach dem Beschluss die Sitzung.

Auch der CDU-Ausschussvorsitzende Carl-Eric Pudor sieht das ähnlich. „Die Plangrundstücke sind im Besitz von Privatpersonen und nicht der Stadt. Die werden nicht verkaufen, weil die Eigentümer nicht nur Gewerbe, sondern Wohnbebauung haben wollen“, lautete gestern seine Einschätzung auf Anfrage unserer Zeitung. Die allerdings sieht die Variante 5 nicht vor.

Doch auf die Prognose von CDU und Bürgernahen wollen sich Baier und seine Initiative nicht verlassen: „Die nun beschlossene Variante geht über die von den etwa 200 Bürgern, die bei der frühen Bürgerbeteiligung dabei waren, mehrheitlich befürwortete Variante sowohl im Maß als auch in der Art der zulässigen Bebauung hinaus. Sie sieht nämlich drei uneingeschränkte Gewerbegebiete vor“, sagt Baier. Und: Die beschlossene Variante 5 sei eigentlich die frühere Variante 7. Diese verstoße insbesondere nach der Rechtsprechung des Oberverwaltungsgerichts Schleswig gegen das Rücksichtnahmegebot und das Trennungsprinzip, so Baiers Einschätzung, der selbst Jurist ist.

Was schlagen er und seine Initiative vor? „Unser Kompromissvorschlag ist die sogenannte Pufferzone“, sagt er. „Sie sichert auch die Gewerbesteuereinnahmen. Sie tut dies im Unterschied zu der beschlossenen Variante aber sozialverträglich, weil danach stark kollidierende Nutzungen rücksichtsvoll getrennt werden würden“, sagt er. Im Mischgebiet könnten vorwiegend viele kleinere Betriebe eine neue Heimat finden. Trotzdem könnten die bestehenden Betriebe im Gewerbegebiet erweitern. Es bestehe bei der beschlossenen Variante jedoch die Gefahr, dass sich nicht viele kleine, sondern ein paar größere Mittelständler ansiedeln würden.

Unterdessen bereitet die Initiative ein Bürgerbegehren vor. „Die ersten Stimmen haben wir bereits. Ein Flyer wird 1000-fach in der Stadt verteilt“, berichtete Baier. Außerdem haben die Pinneberger während der verbindlichen Bürger- und Behördenbeteiligung die Möglichkeit, noch einmal ihre Einwände einzubringen.

„Andernfalls bleibt uns nur noch, gegen den B-Plan 156 – wenn er denn so kommt – zu klagen. Dies müssen wir uns vorbehalten, da die Lebensqualität in Thesdorf für alle hier lebenden Menschen sonst zerstört oder zumindest sehr stark beeinträchtigt würde.“


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