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„Kein Gewerbe vor die Nase setzen“ : Gehrstücken-Erweiterung sorgt für Aufregung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Eine Interessenvertretung von Anwohnern fordert einen mindestens 50 Meter breiten Naturschutzgürtel.

von
erstellt am 05.Apr.2017 | 12:20 Uhr

Pinneberg | Christian Cording hat viel Geld in die Hand genommen, um sich ein Haus zu kaufen. Vor etwa vier Monaten ist er in die Kreisstadt gezogen. In das Wohngebiet gleich neben dem Gewerbegebiet Gehrstücken. „Ich bin von Pinneberg gelockt worden, ins Grüne zu kommen“, sagt der Vertriebsleiter einer E-Bike-Firma. Was ihm sein Makler allerdings nicht mitgeteilt habe, ist, dass die Stadt das Gebiet für Gewerbe erweitern will. In südlicher Richtung erstreckt sich ein etwa 16 Hektar großes unbebautes Gelände. Das packt die Stadt jetzt an.

Wie Cording sind auch viele der anderen Anwohner irritiert. Nun hat sich eine Interessenvertretung mit dem Namen „Erweiterung des Gewerbegebiets Gehrstücken“ gegründet. Die Initiative fordert, die Erschließung des geplanten Gewerbegebiets für die Anwohner so schonend wie möglich zu gestalten. „Das Wohngebiet Düpenwisch mit etwa 500 Anwohnern wird die Lasten durch die geplante Erweiterung des Gewerbegebiets wesentlich zu tragen haben“, sagt Sabine Laß, eine der Anwohnerinnen.

Kritik äußern die Pinneberger an der Beschlussvorlage. Sie weise eine entscheidende Lücke auf. So stoßen sich die Anwohner an der Formulierung „Prüfung möglicher Arrondierung vorhandener Wohnbauflächen“. Eine korrekte Formulierung dieses Aufstellungsbeschlusses samt der Anregungen der Initiative wurde bereits an die Verwaltung und die Fraktionschefs geschickt. Hintergrund: Unter Arrondierung versteht man den Einbezug von Flächen zu einem Grundstück. Die Areale in dem Gebiet befinden sich noch im Besitz verschiedener Eigentümer.

Um ihren Anregungen Nachdruck zu verschaffen und um zu verdeutlichen, dass viele Anwohner sich Gedanken machen, wurden etwa 60 Unterschriften gesammelt. Darum geht es der Interessengemeinschaft: „Das Wohngebiet Düpenwisch ist in dem Verwaltungsbeschluss nicht erwähnt. Was ist mit der Prüfung gemeint und wie ist Arrondierung für uns zu verstehen?“, fragt Laß, die die Interessenvertretung mit gegründet hat.

Die Kritik

Laut Plänen der Stadt ist ein Grüngürtel zwischen Häusern und den noch zu bebauenden Flächen geplant. Auf einer Skizze der Stadt ist allerdings verzeichnet, dass acht Wohneinheiten diesen Schutz nicht erhalten. Das kritisiert Cording: „Ich will kein Gewerbe vor meiner Nase haben“, sagt er. Auch sagten die aktuellen Pläne nichts darüber aus, wie breit der Grüngürtel überhaupt sein solle. Die Interessengemeinschaft schlägt vor, einen mindestens 50 Meter breiten Grünstreifen zu der vorhandenen Wohnbebauung zu schaffen. „Er dient als natürlicher Ökoraum für Flora und Fauna, als Schutzstreifen zwischen der vorhandenen und der geplanten Bebauung“, sagt Laß. Auch beim Nabu schlägt diese Idee auf viel Gegenliebe: Ein solcher Biotopverbund sei wichtig für die Tiere.

Weitere Vorschläge der Initiative: In einem Streifen von 100 Metern zur vorhandenen Wohnbebauung soll es keine Planung und Genehmigung von Gebäuden mit einer Gesamthöhe geben, die die sogenannte Traufhöhe der vorhandenen Häuser überragt. Die Anwohner befürchten zudem eine Verschlechterung der Parkplatzsituation. „Wir haben schon jetzt in unserem Wohngebiet Probleme“, sagt Laß. Es werde befürchtet, dass die Straße Gehrstücken erweitert wird, damit es für den Lkw-Verkehr im Zuge der Gewerbegebietserweiterung mehr Platz gebe. „Dann fallen Parkplätze weg“, so Laß. Die Anregung der Anwohner: Zusätzlich zu dem anzuwendenden Stellplatzschlüssel sollen 35    Prozent Besucherparkplätze geplant werden.

Zu guter Letzt schlägt die Initiative vor, Fuß- und Radwege anzulegen, um Halstenbek besser erreichen zu können – und zwar nicht in dem geforderten Grüngürtel, sondern günstigenfalls entlang der vorhandenen Wege- und Knickstrukturen. Mitglieder der Initiative werden morgen zu Gast in der Ratsversammlung sein. „Wir möchten die Verantwortlichen bitten, die Anregungen, Wünsche und Forderungen wohlwollend in die bevorstehenden Planungen miteinzubeziehen“, sagt Laß. „Wir müssen überlegen: Was brauchen wir für die Zukunft. Das ist Planung“, so Laß. Sie zitiert Bürgermeisterin Urte Steinberg, die folgenden Satz in einem Interview geäußert hat: „Qualität geht vor Quantität.“

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