Halstenbek : Geheimnisvolle Welt des Shogi

Höchste Konzentration:  Jumpei (11, links) und Florian (12) schenkten sich nichts.
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Höchste Konzentration: Jumpei (11, links) und Florian (12) schenkten sich nichts.

Fernöstliche Alternative zum herkömmlichen Schach: Heimfelder Schüler sorgen für spannendes Turnier an der Japanischen Schule.

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21. November 2013, 16:00 Uhr

Zweiter Stock, Japanische Schule Hamburg an Halstenbeks Dockenhudener Chaussee 79: Pärchenweise sitzen sich junge Schüler hochkonzentriert gegenüber. Schweigend. Den Gegner, dessen Regungen, ständig im Auge. Es ist Shogi-Zeit. Die Gäste aus der Hamburg-Heimfelder Schule Grumbrechtstraße bleiben den ganzen Vormittag.

Shogi – das ist Schach in der japanischen Variante. Das Brett ist größer im Vergleich zum herkömmlichen Schachbrett – 81 statt 64 Felder. Außerdem entfällt die Orientierungshilfe durch Schwarz-Weiß-Muster: Das Brett ist einfarbig. Zudem gibt es mehr Figuren. Zweimal 20 statt zweimal 16. Apropos Figuren: „Gespielt wird mit hellen Plättchen, die japanische Schriftzeichen tragen. Und der Megahammer: Geschlagene Steine, ob geraubt oder bloß getauscht, verschwinden nicht vom Brett, sondern wechseln die Seite und können von dem, der sie gewonnen hat, zur Unterstützung seiner Armee wieder eingesetzt werden“, gibt René Gralla, Mitorganisator des Turniers und ausgewiesener Shogi-Experte, einen kurzen Einblick in das Regelwerk.

Jumpei (11) und Florian (12) beherrschen das komplizierte Spiel. In rasendem Tempo huschen die Plättchen über das Spielfeld. Zum Schluss: Handshake für den Sieger. Auf ein neues. Trauer über die Niederlage, gar Jubel über den Kantersieg? Nein: Sentimentalitäten sind hier fehl am Platz.

Jürgen Woscidlo aus Heimfeld und Juaya Murakami, Lehrer an der Japanischen Schule, verantworten den Gesamtablauf. Das Duo geht bedächtig durch die Tischreihen. Sie werfen dabei nicht nur ein Auge auf knifflige Spielszenen. Sie sammeln Ergebnisse. Regelmäßig stehen die Großmeister vor der Unterrichtstafel und schreiben die Ergebnisse auf (siehe Kasten).

Zurzeit setzt der Norweger Magnus Carlsen mit listigen Zügen Schachweltmeister Viswanathan Anand im indischen Chennai mächtig unter Druck. Milliarden Menschen verfolgen das Spektakel. Woscidlo und Gralla imponiert das nicht: „Das Spiel Shogi ist im fernöstlichen Kaiserreich derart populär, dass sich zur Kirschblütenzeit die Fans in einem Freiluftstadion in Tendo versammeln, um einer Partie zuzusehen, die von Akteuren in Samurai-Rüstungen vorgeführt wird.“

Gralla, der als Autor zum Thema Shogi publiziert, weiß auch, dass „seit mehr als 400 Jahren Profis, die das Spiel meisterhaft beherrschen, in Japan vom Staat besoldet werden.“

Die Initiative zum Turnier in Halstenbek ging von den Schülern aus Heimfeld aus. Gralla: „Die lernen in ihrem Schachunterricht, den Jürgen Woscidlo leitet, mit großer Begeisterung nicht nur das normale Schach, sondern auch andere Schachversionen – zum Beispiel Chinas XiangQi und Thailands Makruk – und eben das besagte Shogi.“

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