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Frauenhäuser im Kreis Pinneberg : Geheimhaltung ist oberstes Gebot

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Häusliche Gewalt: Die drei Einrichtungen in Elmshorn, Wedel und Pinneberg sind meistens belegte. Die Betreiber fordern mehr Geld.

Pinneberg | Den Kern ihrer Arbeit bezeichnet Silke Lechterbeck vom Frauenhaus Pinneberg als einen Spagat: „Wir müssen darauf achten, einerseits anonym und andererseits präsent zu sein.“ Die Frauen, die vor häuslicher Gewalt fliehen, müssten schnell und unbürokratisch erfahren, wo und wie sie Hilfe bekommen. Aber die Männer, die der Grund für diese Notsituation sind, dürften auf keinen Fall erfahren, wo ihre Frauen sind. „Geheimhaltung ist die oberste Regel“, betont Lechterbeck.

15 Frauenhäuser gibt es derzeit in Schleswig-Holstein. Drei davon im Kreis Pinneberg: in Elmshorn, in Wedel und in Pinneberg. Informationen zu den einzelnen Einrichtungen gibt es unter anderem im Internet unter www.frauenhaus-wedel.de, www.frauenhaus-pinneberg.de und www.frauenhaus-elmshorn.de. Hier finden Betroffene Informationen und Ansprechpartner. Beratung gibt es auch beim Frauen-Hilfetelefon 0800/222555. In einer akuten Gefahren-Situationen empfehlen die Vertreter der Einrichtung aber auf jeden Fall, 110 zu wählen: „Wir sind nicht die Polizei.“

Drei Frauenhäuser gibt es im Kreis Pinneberg: Außer dem in Pinneberg, in dessen Team Silke Lechterbreck unter anderem den Bereich Öffentlichkeitsarbeit wahrnimmt, befindet sich eines in Wedel – vertreten von Kathrin Nordmann – und eines in Elmshorn, für das Francine Toulcanon spricht. In manchen Fällen, sei die Flucht in ein Frauenhaus für die Betroffenen eine Entscheidung, die über Wochen oder Monate gereift sei, wie Kathrin Nordmann erklärt: „Andere fliehen Hals über Kopf.“ Und in manchen Fällen, sei der Not-Umzug die Folge eines nächtlichen Polizeieinsatzes. Wenn ein Mann seine Frau zum Beispiel so brutal verprügelt, dass Nachbarn 110 wählen.

Oft sind alle Zimmer belegt

Ein Problem: Die Zimmer in den Frauenhäusern sind auch im Kreis Pinneberg in der meisten Zeit belegt. Die Frauen sollen aber nach ihrem Martyrium erst einmal eine Nacht in Sicherheit verbringen. „Manchmal schlafen sie dann eine Nacht auf der Couch im Aufenthaltsraum“, erzählt die Elmshornerin Francine Toulcanon. Und am nächsten Morgen beginnt für das Team der Frauenhäuser die eigentliche Arbeit. Toulcanon: „Wir fragen nach: Gibt es soziale Kontakte? Wo gibt es in anderen Kreisen oder Bundesländern freie Plätze.“ Denn oberstes Gebot sei es, zu verhindern, dass die Frauen – oft mit kleinen Kindern – zu ihren prügelnden Ehemännern zurückmüssen, nur weil es keinen anderen Ort gibt, an dem sie unterkommen.

Präsent wollen die Frauenhäuser aber nicht nur bei den Schutzsuchenden sein. Sondern auch bei allen Stellen, die die Vereine mit Spenden unterstützen. Und bei den Behörden. Denn die 15 Frauenhäuser in Schleswig-Holstein werden maßgeblich aus Landesmitteln finanziert. Um die Situation bei der oft schwierigen Weitervermittlung auf den Wohnungsmarkt zu entschärfen, hat die Landesregierung vor Kurzem 1,4 Millionen Euro für Projekte bereitgestellt, die sich genau diesem Problem-Bereich widmen. Das Idee hinter dieser auf drei Jahre angelegten Förderung: Wenn die in ihrer Lebenssituation bereits stabilisierten Frauen schneller eine neue Wohnung kriegen, werden in den Frauenhäuser wieder mehr Plätze für die schnelle Unterstützung frei. Außerdem wurden – ebenfalls auf drei Jahre angesetzt – knapp 700  000 Euro für Frauenberatungsstellen bewilligt.

Die Vertreter der drei Fraunehäuser im Kreis Pinneberg betonen, dass die geforderte Aufstockung der Mittel, die direkt an die durchweg von unabhängigen Vereinen betriebenen Einrichtungen gehen, bisher ausgeblieben ist. Sie fordern daher nicht nur mehr Personalmittel, um mehr Plätze zu schaffen und einen höheren Betreuungsschlüssel zu ermöglichen: Derzeit kämen im Kreis laut Silke Lechterbeck auf einen Mitarbeiter sechs Bewohnerinnen. Das Ziel seien aber fünf. Es seien auch bauliche Maßnahmen nötig: „Unsere Häuser sind einfach in die Jahre gekommen“, so die Mitarbeiterin aus Pinneberger.

Hilfe bei der Suche nach Wohnungen

Außerdem fordert sie, dass die Frauen bei der Suche nach einer neuen Wohnung direkt unterstützt werden: Indem beispielsweise bei gefördertem Wohnraum bestimmte Kontingente gezielt für Frauen und Kinder aus den Frauenhäusern bereitgestellt werden. Denn das Ziel der Arbeit von Silke Lechterbeck, Kathrin Nordmann, Francine Toulcanon und all ihren Kollegen sei es immer, das Leben der Frauen wieder so zu ordnen, dass sie aus dem Schutzraum wieder in eine normale Wohnung ziehen können. Und dort ein Leben in Sicherheit führen.

Und der Kontakt zum Ehemann oder Ex-Partner? Diese Entscheidung werde ganz allein den Frauen überlassen. „Unser Angebot ist freiwillig“, betont Kathrin Nordmann aus Wedel. So sehr es aber auch unterschiedliche Formen der Gewalt gebe: Der Kontakt mit dem Verursacher der Flucht gehört nicht zu den erklärten Zielen der Frauenhäuser. „Wir sind auf der Seite der Frau“, betont Nordmann: „Und deren Schutz steht an oberster Stelle.“

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erstellt am 11.Jul.2017 | 16:30 Uhr

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