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Pinneberger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 17:33 Uhr

Geburtstagsfeier an Heiligabend

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Elfriede Hinz aus Uetersen wird heute 90 Jahre alt / Pastorin und Bürgervorsteher gratulieren im Seniorenheim

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 16:10 Uhr

Bei Elfriede Hinz ist heute einiges los. Denn im Laufe des Tages schauen nicht nur ihre Nichte, sondern auch Pastorin und Bürgervorsteher bei der älteren Dame in der DRK-Seniorenwohnanlage „Betreutes Wohnen“ in Uetersen vorbei. Hinz feiert am 24. Dezember ihren Geburtstag – und wird heute 90 Jahre alt.

„Ich bin aufgeregt, wenn ich an den Besuch denke“, gesteht die Uetersenerin. Viele Erinnerungen kommen auf, wenn sie an die Weihnachtsfeste in den vergangenen Jahrzehnten zurückdenkt. An ihren Geburtstag im Kreise der drei Geschwister und ihrer Mutter während ihrer Kinderjahre hat sie „wunderschöne Erinnerungen“ – auch wenn das Weihnachtsfest für Hinz jahrelang mitunter eine schwere Probe beinhaltete. Denn als Elfriede drei Jahre alt war, verstarb ihr Vater am zweiten Weihnachtstag an den Folgen eines am 24. Dezember geschehenen Unfalls in einer Ziegelei. Ihre Mutter wurde im zarten Alter von 24 Jahren Witwe. „Ich habe leider keine Erinnerungen an meinen Vater“, erzählt Hinz.

Doch trotz des Verlusts und der prekären finanziellen Verhältnisse hatte sich ihre Mutter bemüht, „alles schön zu machen“. Die Uetersenerin feierte als Kind immer am Vormittag Geburtstag. „Es wurde ein köstlicher Gugelhupf gebacken, Kakao gekocht und das Lebenslicht in die Mitte des Tisches gestellt“, erinnert sich die 90-Jährige. Ein kleines Geschenk habe es immer gegeben. In der Wohnung stand ein Plattenspieler mit Kurbel. „Immer am Geburtstag haben wir das Lied ‚Großmütterlein‘ gehört“, erzählt Hinz. Am Heiligen Abend verdeckte die Mutter alle Weihnachtsgeschenke mit einem Laken. „Dann sangen wir Weihnachtslieder und jedes Jahr musste ein anderes Geschwisterkind ein Gedicht aufsagen.“

Damit ihre Mutter trotz der finanziellen Probleme Geschenke kaufen konnte, brachte sie von Januar an jeden Monat Geld zum Spielzeugladen. Im Dezember konnte sie dann die Präsente für alle Geschwister abholen. „Einmal hat meine Mutter uns auch ein wunderschönes Puppenhaus aus Apfelsinen und Kisten gebaut“, erinnert sich Hinz. Immer habe sie zudem Kleider für Puppen gestrickt und genäht. „Ich hatte eine ganz liebe Mama“, sagt Hinz. Bis zu ihrem 14. Geburtstag, als sie aus der Schule entlassen wurde, habe sie am 24. Dezember unvergessliche Geburtstage und Weihnachtsfeste gefeiert.


Ausbildung zur Altenpflegerin


Härtere Zeiten folgten, als sie ein NS-Parteimitglied im Alter von 15 Jahren zwang, beim Bauern zu arbeiten. Er drohte ihr: „Gehen Sie nicht zum Bauern, wissen sie ja, dass auf dem Zettel KZ steht. Ihre Mutter nehmen wir dann auch gleich mit“, erinnert sich die Seniorin an die Worte des Mannes. Erst 1948 konnte Hinz eine andere Arbeitsstelle in Gärtnerei und Haushalt annehmen und absolvierte später eine Ausbildung zur Altenpflegerin.

Ihren von Freunden am Heiligen Abend mitgebrachten Mann lernte Hinz im Alter von 41 Jahren kennen und verliebte sich sofort. Das Ehepaar verlebte bis zum Tod des Mannes im Jahr 1977 glückliche Jahre. Die Feste verlebte die Altenpflegerin bis zum 60. Lebensjahr allerdings hauptsächlich bei Patienten. Hinz brachte alle Bettlägerigen in einen Saal und schaltete den Plattenspieler an. „Die Leute sangen und strahlten, während sie in schönen Erinnerungen schwelgten“, erzählt die Uetersenerin.

Das diesjährige Weihnachtsfest wird Elfriede Hinz bei der Enkeltochter ihrer ältesten verstorbenen Schwester verbringen. „Ich freue mich sehr darauf“, so Hinz. Sie habe dort schon öfter Weihnachten gefeiert. „Am Heiligen Abend war ich nie allein“, so die 90-Jährige.


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