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Kitas im Kreis Pinneberg : Gebündelte Mittel für Inklusion

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Statt die Budgets der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe getrennt zu verwenden, dürfen Tagesstätten, die an einem Pilotprojekt teilnehmen, diese als ein Budget verwenden.

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erstellt am 29.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „Inklusives Arbeiten ist für uns vor Ort nichts Neues. Neu ist es, von Anfang an zielorientiert an persönlichen Handicaps zu arbeiten“, sagte Ingrid Paradies, Leiterin der Kindertagesstätte (Kita) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Bekstraße. Ihre Kita und die zwei anderen Einrichtungen der Awo in Wedel nehmen seit August an einem Pilotprojekt zur Inklusion teil.

Der Unterschied, zu den 33 anderen Kindertagesstätten, Kindergärten und Spielstuben im Kreis Pinneberg, die Integrationsplätze für Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren anbieten, ist eine Veränderung in der Verwaltung. Statt die Budgets der Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe – wie üblich – getrennt zu verwenden, dürfen die Tagesstätten, die am Pilotprojekt teilnehmen, dieses als ein Budget verwenden. „Das bedeutet für die Einrichtungen größere Freiheit in der Verwendung des Budgets“, so Michael Hempel, Leiter des Referats Kita im Landesministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung. Durch die Veränderung ließen sich etwa Heilerzieher auf langfristiger Basis und nicht zeitlich begrenzt für einen Integrationsplatz einstellen.

„Bisher gab es Integrationsplätze und für diese ein Stundenkontigent. Innerhalb des Projekts hat jedes Kind einen normalen Gruppenplatz und es kann flexibler und individueller geholfen werden“, erläuterte Landrat Oliver Stolz während der gestrigen Auftaktveranstaltung des Landesprojekts „Inklusive Kindertagesstätten“ in Wedel. „Nun erhalten auch Kinder mit temporären Einschränkungen Unterstützung“, sagte Renate Palm, Vorsitzende des Awo-Ortsverbands Wedel. Dabei gehe es nicht nur um die Integration von Kindern mit Behinderung. Laut Mitteilung des Ortsverbandes ist das Hauptziel die Vermeidung und Beseitigung von Beeinträchtigungen. Das bedeutet, dass die Förderungen auch für Kinder genutzt werden, die eigentlich nicht für einen Integrationsplatz berücksichtigt werden. Trotzdem gibt es während des zweijährigen Projektzeitraums einen deutlichen Fokus. „Wir konzentrieren uns hier auf Kinder mit Behinderung, auffälligem Verhalten oder chronischen Krankheiten“, sagte Referatsleiter Hempel.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen Land, Kreis und den Trägern. Zusätzliches Geld erhalten die Träger nicht. Allerdings wird die bisherige Höhe der eigentlich personenbezogenen Eingliederungshilfe während des Projektzeitraums beibehalten. „Damit können wir dann entsprechend arbeiten“, so Andrea Rump, Leiterin der Kita Hanna Lucas. Eine amtliche Anerkennung von förderungsbedürftigen Kinder ist somit nicht unbedingt notwendig.

Klarheit über die Gelder

Für die Mitarbeiter in den Kindertagesstätten bedeutet die Teilnahme an dem Projekt vor allem eins: Klarheit über die Gelder. „Es konnte bisher sein, dass wir bei einem Kind Förderbedarf feststellen und es dann 1,5 Jahre dauert, bis Mittel bereitgestellt werden“, sagte Andrea Rump von der Kita Hanna Lucas. Durch die Änderung in der Verwaltung könnte bereits früh Kindern mit Förderungsbedarf geholfen werden, da die Kitas Fachkräfte vorhalten können.

In der Region wird es außerdem im Dezember einen Ideen- und Erfahrungsaustausch zum Thema Inklusion geben. „Alle sind gefragt, wenn es darum geht das Recht auf Teilhabe umzusetzen“, sagte Landrat Stolz. Die Verantwortung liege nicht nur bei den Kommunen.

Die Behindertenrechtskonventionen der Vereinten Nationen (UN) sind seit 2008 in Deutschland verbindlich. Diese Konventionen umfassen verschiedene Themen und Lebensbereiche. Im Zusammenhang mit Inklusion in Kindertagesstätten sind vor allem zwei Artikel relevant. Zum einen Artikel 7, der das Thema Kinder mit Behinderung thematisiert und außerdem Artikel 24, in dem es darum geht, dass ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen gewährleistet wird. Die Umsetzung zu einem integrativen System stößt laut dem deutschen Bildungsbericht 2014 an strukturelle Probleme wie gewachsenen Bedingungen innerhalb der Institutionen und unterschiedlicher professioneller Selbstverständnisse.
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