Ganz viel Liebe bei der Lebenshilfe

Für die Gemeinschaft: Antje Hachenberg (Vierte von links) inmitten ihrer großen Schar von ehrenamtlichen Treffpunkt-Helfern.
Für die Gemeinschaft: Antje Hachenberg (Vierte von links) inmitten ihrer großen Schar von ehrenamtlichen Treffpunkt-Helfern.

Treffpunkt-Projekt ist auf 36 Monate angelegt / Weitere Teilnehmer und Helfer gesucht / Anerkennung für Koordinatorin Antje Hachenberg

shz.de von
12. Januar 2018, 16:00 Uhr

Im Fenster steht ein Vogelbauer voller Weihnachtsmänner. Manche finden das schön, andere sind davon weniger begeistert. Aber im Treffpunkt der Lebenshilfe, Am Rathaus 10, geht es nie um Perfektion. Geselligkeit mit Herz ist hier angesagt. Jeder wird ermuntert, sich irgendwie einzubringen, und sei es mit einer noch so schrägen Dekorationsidee.

Spiritus Rector hinter all diesen Aktivitäten für erwachsene Behinderte und ihre Partner oder Freunde ist Antje Hachenberg. Ihre Berufserfahrung als Führungskraft im Kundenservice eines großen Unternehmens prädestiniert die 50-Jährige geradezu, ihr ehrenamtliches Team immer wieder zu motivieren. 13 Frauen und Männer umfasst die Gruppe, Behinderte und Angehörige. Und sie alle kamen zusammen beim ersten Treffen im neuen Jahr.

Eigentlich wollte die Koordinatorin sich ja bei ihren Mitstreitern bedanken. Dafür hatte sie allerlei kleine Aufmerksamkeiten mitgebracht. Aber dann drehte die muntere Schar den Spieß um, überhäufte Hachenberg mit immer mehr Lob, packte gemalte und gebastelte Geschenke aus und sang ihr sogar ein Ständchen. Das hatte die Koordinatorin offensichtlich nicht erwartet. Sie errötete und war für eine Weile sprachlos.


In acht Monaten zusammengewachsen

Die Gruppe hat sich im Laufe von acht Monaten zusammengefunden. Auf insgesamt 36 Monate Dauer ist das Treffpunkt-Projekt des Vereins Lebenshilfe angelegt. Bis zum Ende dieser Frist möchte Hachenberg die Helferzahl auf 36 erhöht haben.

Helfer kann jeder sein, der sich im Treffunkt einfindet, denn um gemeinschaftliches Handeln geht es Hachenberg. Die Hilfe kann spontan sein. Etwa mal den Tisch decken oder abräumen, danach vielleicht Geschirr spülen. Oder die Aktivität lässt ein neues Projekt aufblühen. So bereichern Thomas, Michael, Gerd und Angelika das Leben im Treffpunkt inzwischen mit „Frühstücken in Gemeinschaft“. Jeder von ihnen hat eine klar definierte Aufgabe. Thomas etwa schleppt die Brötchen herbei. Und alle, die dann donnerstags zwischen neun und elf Uhr aufkreuzen, dürfen etwas Leckeres mitbringen oder sich sonst irgendwie nützlich machen.

Ähnlich funktioniert die Kaffee-Stunde mit Erika und Gerd, immer mittwochs von 15.30 bis 17 Uhr. Dienstags von 16 bis 17.30 Uhr laden Sabine, Ute und Hans zum Basteln und Malen ein. Und einmal im Monat trifft sich der Leseclub, das nächste Mal am 8. Februar, dann am 8. März, immer von 16.30 bis 17.30 Uhr. Außer Renate ist jedes Mal auch Antje Hachenberg selbst dabei.


Koordinatorin in Teilzeit

Die Koordinatorin verrichtet ihren Dienst als Einzige nicht ehrenamtlich sondern als fest angestellte Halbtagskraft der Lebenshilfe. Ihren früheren Job musste sie an den Nagel hängen, nachdem ihr Sohn Arved geboren war, denn das Kind kam mit einer Behinderung zur Welt und braucht ständige Aufsicht. „Und ein bisschen Geld muss ich leider verdienen“, sagt die Betriebswirtin fast schon verschämt.

Die Ehrenamtlichen stört das nicht. Sie lieben ihre Antje. Das haben sie bewiesen bei diesem ersten Treffen 2018.


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