Kreis Pinneberg : Gab investiert zwölf Millionen Euro

Bis zu vier Millionen Euro soll die Modernisierung der Müllverbrennungsanlagekosten, die Unternehmenssprecherin Kristina Engels bei einem Rundgang zeigt.
Bis zu vier Millionen Euro soll die Modernisierung der Müllverbrennungsanlagekosten, die Unternehmenssprecherin Kristina Engels bei einem Rundgang zeigt.

Arbeiten an der Optimierung der Müllverbrennungsanlage begonnen. Wettbewerbsfähigkeit nach Auftragseinbruch gewährleisten.

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12. Juni 2015, 12:00 Uhr

Etwa zwölf Millionen Euro will die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung des Kreises Pinneberg (Gab) bis 2017 investieren, um den Betrieb wettbewerbsfähig zu halten und klimafreundlicher zu gestalten. Die Modernisierung der mittlerweile 31 Jahre alten Müllverbrennungsanlage hat bereits begonnen.

Beide Kessel sind für erste Arbeiten – den Einbau neuer Kesselwände – noch bis Sonntag abgeschaltet, wie der Gab-Geschäftsführer Jens Ohde bestätigt. „Ich will die Anlage weitere 20 Jahre fahren. Das kann sie nur, wenn sie wettbewerbsfähig bleibt“, begründet Ohde die Modernisierung. Die geschätzten zusätzlichen Investitionskosten für dieses Projekt betragen drei bis vier Millionen Euro, die die Gab trägt. „Wir werden die Kosten auf ein paar Jahre verteilen“, so Ohde. Dieses, nächstes und übernächstes Jahr werde an der Anlage gearbeitet.

Und es besteht akuter Handlungsbedarf: Verträge mit dem Kreis Dithmarschen und dem Kreis Steinburg, die bisher Abfall für die Müllverbrennungsanlage lieferten, laufen Ende 2015 aus – und sind nicht verlängert worden. „Wir müssen uns kurzfristig Mengen auf dem freien Markt holen“, sagt Ohde. Man befinde sich im Wettbewerb um Abfallmengen, die nicht aus privaten Haushalten kommen. „Doch man kann die Anlage nur auslasten, wenn man mit den Kosten pro Tonne runterkommt. Früher war die Vertragssituation gesichert“, erläutert der Gab-Leiter. Nun müsse die Abfallwirtschaftsgesellschaft in Modernisierungen investieren. Es sei derzeit eine „schwierige Übergangssituation für die Gab. Ich will aber nicht Bange machen. Wir müssen uns aber anstrengen. Schließlich wollen wir die Arbeitsplätze sichern und die Gebühren stabil halten.“

Weitere acht Millionen Euro sind für den Bau einer neuen Vergärungsanlage auf dem Gab-Gelände eingeplant. Derzeit werden Bio- und Grünabfälle in einer Biokompostanlage gesiebt, geschreddert und kompostiert. „In diesem Material ist noch ein hohes Maß an Energie enthalten. Deshalb wollen wir vor der Kompostierung eine Vergärungsstufe einbauen, so dass Gas – also Methan – erzeugt werden kann.“ Mit dem gewonnenen Gas wolle man Strom und Wärme erzeugen und in das Energiekonzept einbauen. „Das Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume laufe bereits seit Anfang des Jahres.

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„Es ist  eine schwierige
Übergangssituation für die Gab.

Jens Ohde
Geschäftsführer
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„Wir rechnen Ende September mit der Genehmigung und hoffen, dass wir vor dem 31. Dezember 2016 den ersten Strom produzieren können“, sagt Ohde. Die geschätzten acht Millionen Euro Investitionskosten sollen sich in zehn Jahren über den Stromerlös refinanzieren. Die Vorarbeiten für das Riesenprojekt laufen bereits seit 2012. „Wir machen es in erster Linie nicht, um Geld zu verdienen. Wir machen es, weil es als umwelt- und klimapolitisch sinnvolle Investition im Abfallwirtschaftskonzept des Kreises Pinneberg steht. Der Gesamtprozess wird etwas teurer.“ Der positive Effekt: Diese Vergärungsanlage trage dazu bei, die Stromerzeugung aus Kohle zu verdrängen. 2300 Tonnen CO2 könnten dadurch jährlich gespart und 1043 Haushalte mit Strom versorgt werden.

Und die Gab hat noch mehr vor. So soll die Zufahrt zum Recyclinghof – die Straße Am Hasenkamp – um eine zweite Spur verbreitert werden. Denn derzeit gebe es an Tagen mit hoher Kundenfrequenz Wartezeiten von bis zu 20 Minuten sowie Rückstaus zum Teil bis auf die Bundesstraße. Spediteure, Mitarbeiter und Lieferanten müssten auf die Gegenfahrbahn ausweichen, um auf das Gab-Gelände zu gelangen. „Das ist nicht ganz ungefährlich, weil die Straße einen nicht einsehbaren Bogen macht“, so Ohde. Außerdem seien Auseinandersetzungen zwischen Vorbeifahrenden und wartenden Kunden an der Tagesordnung. Ein Planungsbüro sei beauftragt, eine Voranfrage beim Bauamt der Stadt Tornesch gestellt. Auch für dieses Projekt werde die Gab die Kosten tragen. Eine Verbreiterung der Straße zur Waldseite sei vor einigen Jahren bereits von der Landesforstverwaltung abgelehnt worden. Nun wolle man es laut Ohde auf der anderen Seite versuchen.

Kundenfreundlicher soll auch der Recyclinghof gestaltet werden. Bisher müssten Entsorger von Grünabfällen oder großen Elektrogeräten quer über das Gelände zwischen Radladern und Baggern fahren, nennt Ohde einen Risikofaktor. Zudem müssten Kunden über eine Stufe in die einzelnen Container steigen. Geplant sei eine bauliche Umgestaltung sowie die Trennung von Anliefer- und Entsorgungsverkehr. Ein Ingenieurbüro sei beauftragt, um ein Konzept der Gab zu optimieren. „Wenn wir wissen, wie hoch die Investitionen sind, werden wir mit dem Kreis über eine Kostenbeteiligung sprechen“, sagt Ohde.

Ob bei all den Investitionen die Abfallgebühren steigen? Dazu sagt Ohde nur: „Die Kostenanteile der Gab an den Gebühren bleiben stabil.“ Ob sich anderswo Faktoren verändert haben, die auf die Höhe der Gebühr auswirken, kann Ohde nicht beurteilen. Kalkuliert werden die Gebühren insgesamt durch die Kreisverwaltung. Landrat Oliver Stolz sagte gestern dazu: „Eine Gebührenerhöhung ist derzeit nicht beabsichtigt.“

Die Gesellschaft für Abfallwirtschaft und Abfallbehandlung (Gab) gehört zu 51 Prozent dem Kreis Pinneberg, der seit Mitte der 1970er Jahre die Aufgabe der Daseinsvorsorge wahrzunehmen hat. 1988 nahm die Müllverbrennungsanlage ihren Betrieb auf. Seit zehn Jahren ist das Unternehmen Remondis mit 49 Prozent Mitgesellschafter. Geschäftsführer sind Jens  Ohde und Fred Ponath. Der Gab-Jahresumsatz liegt derzeit bei 45 Millionen Euro pro Jahr.
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