Fürstliche Klänge mit der Ratsmusik

Musik direkt aus der Barockepoche:  Simone Eckert (von links), Anke Dennert und Ulrich Wedemeier spielen in historischer Aufführungspraxis.
Musik direkt aus der Barockepoche: Simone Eckert (von links), Anke Dennert und Ulrich Wedemeier spielen in historischer Aufführungspraxis.

Barockensemble spielt vier Konzerte / Start morgen mit musikalischer Lesung / Probelauf für Elbphilharmonie-Programm in Kummerfeld

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01. März 2018, 16:00 Uhr

Ein Ensemble mit 500-jähriger Geschichte – das ist die Hamburger Ratsmusik. Von 1600 bis 1800 feierten sie Erfolge, arbeiteten mit Komponisten wie Carl Philipp Emanuel Bach und Georg Philipp Telemann zusammen. Doch mit Aufkommen der großen Sinfonieorchester im 19. Jahrhundert war Schluss – bis 1991. Dann nahm die Gambistin Simone Eckert die Tradition wieder auf. Mit ihren zwei Kollegen Ulrich Wedemeier (Theorbe) und Anke Dennert (Cembalo) spielt sie nicht nur in Deutschland auf barocken Instrumenten, sondern weltweit. Auch in Pinneberg ist das Trio unterwegs: Morgen startet die Ratsmusik eine Reihe von vier Konzerten. Los geht es im Pinneberger Bücherwurm, Dingstätte 24, mit einer musikalischen Lesung um 19.30 Uhr.

„Die Räume werden umgestaltet zu einem Konzertraum“, sagt Eckert. „Es wird eine Musik zwischen den Büchern.“ Dabei könne das Publikum mit den Musikern regelrecht auf Tuchfühlung gehen – eine Kammermusik im ganz klassischen Sinne. Zu hören sind Komponisten der Vorklassik wie Franz Xaver Hammer und Andreas Lidl. „Sie sind Randfiguren, die aber den Weg geebnet haben für die großen klassischen Komponisten“, sagt Eckert. Gepaart wird die Musik mit den Worten von Johann Wolfgang Goethe, Berthold Brecht, Wilhelm Busch oder auch Heinrich Heine. Reinhardt Matthies wird sie vortragen. Unter dem Motto „Heiteres Darüberstehen“ sollen Musik und Sprache bei dieser Veranstaltung zusammenkommen. Der Eintritt kostet zwölf Euro (zehn mit Kundenkarte) und der Vorverkauf läuft über den Bücherwurm, Telefon (0 41 01) 2 32 11.

Weiter geht es mit einer Kooperation mit dem Kulturverein Pinneberg. Im Rahmen von dessen Konzertreihe spielt die Ratsmusik am Freitag, 27. April, im Pinneberger Rathaus, Bismarckstraße 8. Unter dem Titel „Composed to the Soul“ wird Carl Friedrich Abel (1723-1787) vorgestellt – er war Schüler Johann Sebastian Bachs und Lehrer von Wolfgang Amadeus Mozart. „Das ist ein Herzensthema“, sagt Eckert. „Seine Musik ist aussagekräftig und ich spüre seinen Charakter darin.“ In seinem Stil könne man den Gesinnungswandel vom Barock zur Klassik nachvollziehen. „Er lebt und arbeitet das.“ Karten kosten 18 Euro und sind ebenfalls im Bücherwurm erhältlich.

Das dritte Konzert ist ein besonderes: Es wird in der Kummerfelder Osterkirche gespielt, es ist kostenlos – und einen Monat später geht es in die Elbphilharmonie nach Hamburg. Am Mittwoch, 5. September, bietet sich in der Kirche im Langenbargen ab 19 Uhr also eine einmalige Chance. In dem Konzert spielt die Ratsmusik in Kooperation mit der Telemanngesellschaft, die 2018 ihren 60. Geburtstag feiert. Dementsprechend voll wird es auf der Bühne: Werke für Blöckflöte, Viola da Gamba, Trompete, Violine und Orchester, etwa aus Telemanns „Don Quixotte“-Suite, stehen auf dem Programm. „Die Musik ist unglaublich vielseitig, experimentierfreudig und fröhlich“, berichtet Eckert.

Den Abschluss bildet das Konzert „Bachs Fürst“ in der Lutherkirche, Kirchhofsweg 76 in Pinneberg. Am Donnerstag, 25. Oktober, steht ab 19 Uhr die Europareise des Fürsten Leopolds von Anhalt-Köthen (1694-1728) im Mittelpunkt – und die Musik, die er dabei hörte. „Anhand von seinem Reisetagebuch und seiner Ausgabenliste können wir rekonstruieren, was er erlebt und was ihn beschäftigt hat“, sagt Eckert. Zeitgleich mit ihm war etwa Händel in London – ob er dem Konzert des Komponisten beiwohnte, ist nicht bekannt. Dass nach seinem Rom-Aufenthalt der Violinist Johann David Heinichen sogar ein Stück mit ihm reiste hingegen schon. In die musikalischen Eindrücke der Reise können bei dem Konzert auch die Pinneberger eintauchen. Karten zu 15 Euro, ermäßigt zehn, gibt es an der Abendkasse.

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