zur Navigation springen

Torfrock-Managerin : „Für mehr als sechs Stunden Schlaf ist meistens keine Zeit“

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Sonntagsgespräch heute mit der Torfrock-Managerin, Bank-Führungskraft und TV-Größe Ulrike Schreiber

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Torfrock-Managerin, Mutter von zwei Söhnen, Führungskraft in einer Bank und zwischenzeitlich auch mal Fernsehstar: Ulrike Schreiber ist eine echte Powerfrau. Im Sonntagsgespräch berichtet sie von Auftritten im Hühnerstall, ihrer ehemaligen Band „Schön Blond“ und von literarischen Parallelen zu Charlotte Roche.

Wie sind Sie in das Musikbusiness gekommen?
Ulrike Schreiber: Musikbegeistert war ich schon immer und habe auch Schlagzeug gespielt. Später war ich als Mitglied der Band „Schön Blond“ sogar drei Jahre lang Popstar. Wir waren Vorgruppe von Pur und durften in der ZDF-Hitparade auftreten. Das hat tierisch Spaß gebracht. Da ich mich während dieser Zeit immer um das Organisatorische kümmerte, lag es nahe, selbst Managerin zu werden.

Gibt es kuriose Erlebnisse, die Ihnen aus der Zeit mit Torfrock besonders in Erinnerung geblieben sind?
Einige. Vor fünf Jahren spielten wir beispielsweise auf einem Geflügelhof bei Hildesheim. Der Besitzer hatte in seiner leeren Geflügelhalle Holzkisten übereinander gestapelt und lose Bretter drauf gelegt. Das sollte die Bühne sein. Wir haben aus Hannover schnell eine richtige Bühne kommen lassen, damit der Auftritt nicht platzt. In Melle wollte ein kleiner Clubbesitzer zusätzliche Lichter anbringen. Die kamen runter und zerstörten das Schlagzeug. Wir hatten Glück, dass niemand im Weg stand. Das Konzert mussten wir abbrechen, waren aber sowieso schon bei der Zugabe.

Wie sieht Ihre Arbeit als Managerin aus?
Ich mache im Prinzip alles bis auf die Musik. Den Schwerpunkt bildet das Booking. Wenn mich ein Veranstalter fragt, ob Torfrock bei ihm auftreten, kümmere ich mich um die Organisation. Bühnenaufbau, Lichtverhältnisse, Übernachtungsmöglichkeiten, Begleitcrew – es gibt einiges zu klären. Die Akquise gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben. So frage ich beispielsweise auch mal bei Gemeinden oder Vereinen nach, ob irgendwelche Events anstehen. Das Merchandising und die Werbung für neue Platten sind ebenfalls sehr wichtig.

Wie ist das Verhältnis zu den Künstlern, die Sie betreuen?

Wir sind praktisch wie eine Familie. An den Torfrock-Konzerten sind immer 15 bis 20 Personen beteiligt, die sich seit Jahren kennen. Beim Auftakt der „Bagaluten-Wiehnacht“ in Worpswede waren sogar die Kinder mit dabei.
Sie waren schon häufiger im Fernsehen zu sehen.

Wie kam es dazu?
Eine Freundin von mir arbeitet als Redakteurin bei Spiegel TV. Sie fragte mich vor fünf Jahren, ob ich bei einer Dokumentation zum Thema „Sex“ mitwirken wolle, weil ich frei und offen darüber reden kann und eine eigene Meinung habe, die vielleicht etwas unkonventioneller ist als in den meisten deutschen Haushalten. Das kam offenbar gut an. 70 Prozent der Zuschauerreaktionen bezogen sich auf mich. Mein „Facebook“-Account ist an dem Abend explodiert. Seitdem werde ich von Spiegel TV und auch mal von Sat1, Pro7 oder dem NDR gebucht. Als gelernte Bankkauffrau habe ich übrigens auch noch ein drittes Standbein. Ich arbeite als Coach in einer Bank und bin dort sogar Führungskraft.

Wie kriegt man das alles unter einen Hut?

Das weiß ich selbst nicht. Klar ist nur, dass für mehr als sechs Stunden Schlaf keine Zeit ist. Der Rest geht für Familie, Torfrock, Bank und manchmal Fernsehen drauf.

Sie haben ein Buch mit dem Titel „Guten Morgen, du kleines Miststück“ geschrieben. Wie kam es zu dem Titel?
Das Werk ist halbbiografisch. Ich habe einmal übers Internet einen Mann kennengelernt und der begrüßte mich per Mail immer mit den Worten „Guten Morgen, du kleines Miststück“. Der Roman ist übrigens mehr „Feuchtgebiete“ von Charlotte Roche als Hera Lind oder Dora Heldt. Wer das Buch lesen will, sollte also mindestens 16 sein. Bisher habe ich mich aber noch nicht getraut, es zu veröffentlichen.

Ulrike Schreiber

Ulrike Schreiber wurde 1971 in Hamburg geboren und ist in Rellingen aufgewachsen, lebt seit vielen Jahren in Tornesch und ist Mutter von zwei Söhnen. 1999 gründete sie ihre Firma „SchreiBär management & booking“, die seit 2000 Torfrock betreut. Darüber hinaus ist Ulrike Schreiber an der Organisation des Tower-Festivals in Heist beteiligt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen