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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 07:32 Uhr

Uetersen : Für ein Archiv fehlt das Geld

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Nach dem fehlenden Beleg für die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers steht Uetersens „Aktenkeller“ in der Kritik.

shz.de von
erstellt am 16.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Uetersen | Wedel hat eins. Pinneberg hat eins. Sogar die Nachbarstadt Tornesch besitzt ein öffentlich zugängliches Archiv. In Uetersen lagern Geburts-, Hochzeitsunterlagen und sonstige Akten im Keller des Rathauses. Ein Zustand, der der Stadt jetzt zum Verhängnis geworden ist? Uetersen kann nicht beweisen, dass Adolf Hitler, der 1934 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde, die Auszeichnung aberkannt wurde. Es soll einen Beschluss der damaligen Ratsversammlung gegeben haben. Doch wo ist er?

Fakt ist: Laut dem Justizministerium des Landes Schleswig-Holstein haben die Kommunen eine Archivierungspflicht. „Sie regeln die Archivierung und Benutzung der bei ihnen entstandenen Unterlagen in eigener Verantwortung“, teilte Sprecher Oliver Breuer mit. Aber: „Aus dem Gesetz ergeben sich keine Sanktionsmöglichkeiten für den Fall, dass kein Archiv eingerichtet wird.“

Uetersens Bürgermeisterin Andrea Hansen beruft sich auf diesen Passus: „Es ist eine Soll-Bestimmung.“ Ein öffentliches Archiv einrichten, dafür fehle Uetersen das Geld. „Solange es nicht finanziert wird, ist es für Uetersen ein Problem“, sagt die Rathauschefin.

„Bisher hat keiner ein Archiv für so richtig erforderlich gehalten , aber jetzt wird ersichtlich, dass es doch nicht so schlecht wäre“, sagt der Uetersener Ratsherr Erhard Vogt. Der SPD-Politiker bemängelt in dem Film der Schüler des Ludwig-Meyn-Gymnasiums, die den Fall um die Hitler-Ehrenbürgerschaft aufdeckten, dass es in der Rosenstadt kein Archiv gibt. „Der Aktenkeller müsste zugänglich und benutzbar gemacht werden“, fordert er. „Dafür muss es einem aber erstmal wichtig sein.“

Fehlt das Geld oder der Wille, ein Archiv in Uetersen einzurichten? Für Anke Rannegger spielt das keine Rolle. Für die Wedeler Stadtarchivarin ist es eine Pflichtaufgabe der Kommunen – insbesondere auch, um Rechtssicherheit zu schaffen, wie jetzt im Falle Hitlers Ehrenbürgerschaft deutlich werde. Die Stadtvertretungsprotokolle in Wedel würden für die Ewigkeit aufgehoben. „Schließlich sind sie quasi die städtische Verfassung“, sagt Rannegger, die seit 1984 die Historie der Rolandstadt hütet.

Alle Akten des Rathauses landen zunächst auf ihrem Schreibtisch. Dann werde ausgewählt, welche aufbewahrt würden, sagt sie. „Man kann sich auch mit anderen Städten oder Gemeinden zusammenschließen“, so Rannegger. Dass es in der Bevölkerung Interesse gibt, über die Geschichte ihrer Stadt Nachforschungen anzustellen, wird am Beispiel Wedel deutlich: Mehr als 300 Besucher zählt das Stadtarchiv jährlich.

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