Fünf Menschen in Klinik infiziert

Die Pinneberger Regio-Klinik ist von fünf Corona-Fällen betroffen.
Die Pinneberger Regio-Klinik ist von fünf Corona-Fällen betroffen.

In Pinneberg trifft es Patienten und Personal / Schutzmasken für alle Mitarbeiter / Zweiter Fall in Rellingen

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02. April 2020, 20:00 Uhr

Pinneberg | Vor zwei Wochen hatte sich eine Krankenschwester der Wedeler Geriatrie mit Sars-Cov-2 angesteckt. Nun hat es auch die Klinik in Pinneberg erwischt. Drei Patienten und zwei Mitarbeiter haben sich angesteckt. 82 Menschen wurden als Verdachtsfälle getestet. Das teilten die Regio-Kliniken mit.

Eine Patientin in der Unfallchirurgie hatte demnach Erkältungssymptome, sodass sie mit Covid-19-Verdacht am vergangenen Sonntag getestet wurde. Das Ergebnis am Montag: positiv. Sie war laut Regio bereits kurz vor der Aufnahme in die Klinik auf Covid-19 getestet worden, allerdings mit negativem Ergebnis.

Am Montag und Dienstag wurden dann direkte und indirekte Kontaktpersonen im Klinikumfeld ermittelt, von denen noch am jeweils selben Tag Abstriche genommen wurden. Die Ergebnisse: Von 23 Patienten sind zwei positiv getestet, die übrigen negativ. Die Infizierten wurden ins Corona-Zentrum nach Elmshorn verlegt.

Von 59 Mitarbeitern wurden zwei positiv getestet. „Beide betroffenen Mitarbeiter befinden sich in häuslicher Quarantäne“, sagte Birga Berndsen, Pressesprecherin der Regio-Kliniken. Positiv in diesem Zusammenhang: Von 82 Getesteten waren 77 negativ. Die Regio-Kliniken gehen davon aus, dass sich die übrigen Betroffenen bei der zuerst aufgefallenen Frau angesteckt haben.

Die betroffene Station ist laut Berndsen für Aufnahmen vorerst gesperrt. Von den Mitarbeitern bleiben nicht nur die positiv getesteten zu Hause, sondern auch diejenigen, die zwar keinen Kontakt zu Infizierten hatte, jedoch Erkältungssymptome zeigen.

Verlegungen oder Entlassungen in Heime erfolgen bei den ermittelten Patienten erst, wenn ein negatives Testergebnis vorliegt. „Patienten, die nach Hause entlassen werden können, gehen nach Hause, wenn dort eine weitere Absonderung möglich ist“, sagt Berndsen. Patienten, die eventuell Kontakt mit den positiv getesteten Menschen hatten und unterdessen entlassen worden sind, wurden informiert.

Regio hat zudem beschlossen, das Personal besser zu schützen. „Nach Rücksprache mit Fachexperten hat der Krisenstab der Regio-Kliniken entschieden, dass trotz begrenzter materieller Ressourcen ab sofort alle klinisch tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regio-Kliniken mit einem Mundschutz arbeiten“, sagt Berndsen. Die Entscheidung stehe auch unter dem Eindruck, dass die Infektionszahlen im Kreis Pinneberg stark zugenommen haben. Dr. Stefan Sudmann, Chef des Krisenstabs, sagt: „Dieser Fall veranschaulicht die Herausforderung, die stationäre Versorgung und die Sicherheit der Patienten und von Mitarbeitern in diesen Zeiten zu gewährleisten. Dies auch, da viele Covid-19-Infizierte zunächst oder sogar über die Dauer der Erkrankung keine Symptome aufweisen. Dass Mitarbeiter sich bei Patienten oder auch weiteren Kontakten anstecken, erkranken, arbeiten und Kontakt zu vielen weiteren Menschen haben, kann nicht ausgeschlossen werden.“

Er macht deutlich, dass auch Klinikpersonal im privaten Alltag nicht hundertprozentig vor Ansteckungen geschützt ist: „Auch wir sind Menschen mit Familien, die einkaufen gehen und an die Tankstelle fahren. Eindämmen können wir das Problem dann nur durch schnelles Handeln. Das haben die Kolleginnen und Kollegen getan. Und ich danke den Kolleginnen und Kollegen für ihren Einsatz.“ Er verbindet diese Einschätzung mit einem dringenden Appell: „Wir alle möchten die Bevölkerung bitten, möglichst zuhause zu bleiben und Kontakte zu vermeiden.“

In der Rellinger DRK-Seniorenwohnanlage wurde auch bei der Ehefrau des jüngst Erkrankten ein Test gemacht. Das Ergebnis steht nach Angaben des Gesundheitsamtes noch aus. Ebenfalls positiv getestet wurde ein Tischnachbar des Mannes. Damit stieg die zahl der Infizierten im DRK-Altenheim auf zwei. Der genaue Infektionsweg ist noch unklar. Da es aber seit Mitte März ein Besuchsverbot gibt, ist die Verbreitung des Virus durch Pflegekräfte nicht unwahrscheinlich. In der Einrichtung gibt es etwa 130 Plätze.

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