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Tierisches Konzert der Extraklasse : Führung durch das Tävsmoor

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das 150 Hektar große Tävsmoor ist immer wieder Ziel von Naturfreunden auf der Suche nach ökologischen Besonderheiten.

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2016 | 17:30 Uhr

Appen | Wenn die Abenddämmerung das Tävsmoor in ein sanftes Licht taucht, hebt sich in dem Naturschutzgebiet der Vorhang zu einem Konzert der Extraklasse. Dann zeigen Frösche und Vögel wie Kuckuck oder Specht, über welche großartigen musikalischen Fähigkeiten sie verfügen. Der perfekte Zeitpunkt für eine Wanderung, was kaum jemand besser weiß als Johann Behnke und Ralf Offenborn. Der Vorsitzende des Vereins zum Schutz des Tävsmoors und sein Stellvertreter haben am Freitag wieder eine Gruppe geführt und sind mit den Naturfreunden in die einzigartige Welt des Lebensraumes Moor eingetaucht.

Mehr als 150 Hektar groß ist das Naturschutzgebiet Tävsmoor/Haselauer Moor, das von einem Verein betreut wird. Die beiden Vorsitzenden Johann Behnke und Ralf Offenborn bieten zwei Führungen im Jahr an, beide im Frühling. Dabei führt die Exkursion von Appen aus in den südlichen Teil, von Heist aus geht es in den nördlichen Teil. Diese kostenlose Führung wird am kommenden Freitag angeboten. Los geht es um 18.30 Uhr, die Dauer richtet sich nach den Teilnehmern , beträgt am mindestens 90 Minuten.Treffpunkt ist der Tower am Flughafen in Heist.

Ringelnatter und Kreuzotter, Fuchs, Reh, Dachs und Marderhund, 3800 Käfer- und mehr als 800 Schmetterlingsarten – das Tävsmoor ist 25 Jahre nach Beginn der Renaturierung wieder ein artenreiches Biotop. Wer zu hören und zu sehen versteht, kann viel entdecken, vorausgesetzt er muss seine Zeit nicht mit der Abwehr ganzer Heerscharen von Mücken verbringen, die sich gern über die Besucher hermachen. Merke: Ohne lange Hosen, festes Schuhwerk und Hemd mit langen Ärmeln geht es nicht.

Der Weg führt den Wanderer vorbei an friedlich grasenden Hochlandrindern, Wasserlöchern, eine Kinderstube für Insekten, Binsenplantagen, dichtem Wald, aber auch Hainen mit absterbenden Birken, die Verlierer der ökologischen Veränderungen. Offenborn erinnert sich an die Anfänge der Arbeit im Naturschutzgebiet: „Mit Beginn der Vernässung ging die Artenvielfalt zunächst deutlich zurück. Da waren wir ganz schön enttäuscht“, sagt er.

Johann Behnke, hier im Gespräch mit Petra Biel aus Haseldorf, nimmt sich auf den Wanderungen viel Zeit, um Nachfragen zu beantworten.
Johann Behnke, hier im Gespräch mit Petra Biel aus Haseldorf, nimmt sich auf den Wanderungen viel Zeit, um Nachfragen zu beantworten. Foto: Ellersiek
 

Dann aber, nach einigen Jahren, startete die Natur plötzlich durch, entwickelten sich Hochmoorflächen mit Moosbeeren und Torfmoos. Es wurden Glockenheide, Wollgras und Sonnentau gesichtet, außerdem die seltene Wasserfeder, die mit ihren weißen Blüten die Gräben wie ein Laken bedeckt.

„Ein Moor braucht 1000 und mehr Jahre, um sich zu entwickeln. Und es braucht Jahrhunderte, um sich zu regenerieren“, sagt Offenborn, als er einen Stopp am Moorsee einlegt. Hier wiegt sich die gelb blühende Moorlilie im Wind. Gänse ziehen ihre Runden auf dem Wasser, ein Graureiher schwebt vorbei. Ein Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Am Ende der Wanderung gibt es dann noch einen Blick auf die Orchideenwiese, die gut geschützt hinter einer dichten Baumreihe liegt. Unscheinbar sind die Blumen, nicht zu vergleichen mit den Exoten, die auf den Fensterbänken als Blickfang stehen. Aber sie sind ein Schatz der Natur, so viel haben alle verstanden, als sie nach zweieinhalb Stunden wieder den Ausgangspunkt erreichen. Da taucht die Abendsonne das Tävsmoor immer noch in goldenes Licht, Vögel und Frösche singen ihre bezaubernden Lieder.

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