Das Sonntagsgespräch : „Früher war der Kinobesuch wie der Gang ins Theater“

Peter Jochimsen möchte mit seinem Verein Kino in Wedel verdeutlichen, dass Filme Kunstwerke und nicht reine Unterhaltung sind.

Peter Jochimsen möchte mit seinem Verein Kino in Wedel verdeutlichen, dass Filme Kunstwerke und nicht reine Unterhaltung sind.

Peter Jochimsen, Vorsitzender des Vereins „Kino in Wedel“ über den Verein und Kino im Jahr 2018.

shz.de von
28. Januar 2018, 14:00 Uhr

Wedel | Peter Jochimsen ist Vorsitzender des Vereins „Kino in Wedel“. Im Sonntagsgespräch erklärt Jochimsen unter anderem, warum es bei dem Verein um mehr geht, als sich nur Filme anzuschauen und welche Werke ihn persönlich begeistern.

Wie ist der Verein entstanden?
Der Verein ist aus einer Idee der Volkshochschule Wedel entstanden und war ursprünglich eine Initiative, die unter dem Namen „K.i.W.I“ bekannt wurde. Daraus wurde nach kurzer Zeit ein gemeinnütziger Verein, der sich die Kulturförderung auf die Fahnen geschrieben hat.

Was war die Motivation für die Gründung des Vereins?
Ziel war, Medien und Kinointeressierte um sich zu scharen und die Betrachtung eines Films nicht nur darauf zu beschränken, sich diesen anzuschauen. Herkunft, Umsetzung, geschichtlicher Hintergrund, Ideenführung – wir nehmen alles unter die Lupe und versuchen herauszufinden, warum Filme eine bestimmte Wirkung erzielen. In unserer Satzung steht, dass wir das Kino zurück nach Wedel bringen wollen. Wir versuchen, die Menschen davon abzubringen, Filme nur am heimischen Laptop oder im großen Saal mit 3-D-Brille, Cola und Nachos zu konsumieren.

Hat sich das Kino aus Ihrer Sicht verändert?
Früher war der Kinobesuch wie der Gang ins Theater, für den man sich schick machte – eben ein besonderes Erlebnis und ein sozialer Akt. Man ließ sich vollständig auf den Film ein und reflektierte das, was man gesehen hatte. Das fehlt heutzutage leider sehr häufig. Wir wollen dieses Erlebnis wieder zurückbringen und auch verdeutlichen, dass Filme Kunstwerke und nicht reine Unterhaltung sind. Das Erlebnis wollen wir gerne so wie es war zurückholen, aber heute natürlich ohne Dresscode oder Ähnliches.

Wie sieht das Vereinsleben aus?
Jeden Monat findet im Medienraum der Volkshochschule Wedel ein Treffen statt, zu dem ich einlade. Vorher informiere ich einen Kreis von etwa 150 Leuten bereits per Newsletter, was die Besucher erwartet. Dazu gibt es vor der Aufführung eine kurze Einführung. Nach der Aufführung analysieren wir dann gemeinsam, was wir gesehen haben. Dabei treffen teilweise ganz unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Zusätzlich zu den monatlichen Treffen bieten wir regelmäßig Sonderveranstaltungen an, zum Beispiel einen Kinoabend auf der Batavia oder wir beschäftigen uns mit den Werken einzelner Regisseure wie den Coen-Brüdern.

Mit welcher Art von Filmen beschäftigt sich der Verein?
Das ist ganz unterschiedlich. Einige haben einen hohen künstlerischen Anspruch. Aber auch mit dem Auftakt der Star-Wars-Saga haben wir uns beschäftigt. Manchmal nehmen wir uns auch bestimmte Themenschwerpunkte vor. So haben wir uns beispielsweise damit auseinandergesetzt, wie das Kino die Zukunft sieht und uns dafür „Blade Runner“, „1984“ und „Fahrenheit 451“ angeschaut.

Was ist in Zukunft geplant?
Als nächstes stehen „Filme der Berlinale“ auf dem Programm. Außerdem werden wir analysieren, wie sich die Rolle der Afroamerikaner in Hollywood entwickelt hat. Für diese Entwicklung steht unter anderem Sidney Poitier mit „In der Hitze der Nacht“, „Flucht in Ketten“ oder „Rat mal, wer zum Essen kommt“. Ein weiteres Thema wird die Satire der 70-er Jahre sein.

Was sind Ihre persönlichen Lieblingsfilme?
Auf einen einzigen könnte ich mich nicht festlegen. Es gibt einfach zu viele gute Filme. Zu meinen Favoriten gehören auf alle Fälle „Rosemaries Baby“, „Psycho“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Die Phantome des Hutmachers“ und „Der Kontrakt des Zeichners“. Diese Filme sind für mich ganz großes Kino.

Gibt es Probleme, mit denen der Verein zu kämpfen hat?
Auch wenn wir mit dem Medienraum der Volkshochschule zufrieden sind: Es wäre noch schöner, wenn es in Wedel so etwas wie das Burg-Kino in Uetersen geben würde und wir diese Räume nutzen könnten. Das ist aber momentan leider Utopie. Ein Problem sind für uns die Lizenzregelungen. Ich darf nur Filme vorführen, die ich lizenziert bekomme. Grundsätzlich ist es so, dass jeder Film, der öffentlich aufgeführt wird, bis zu 300 Euro kostet. Das können wir uns gar nicht leisten. Ich habe deshalb eine Jahres-Lizenz erworben, die mir erlaubt, Filme von bestimmten Studios zu zeigen. Aber ich habe eben nicht die Rechte für alle Filme. Schwierig ist auch, dass ich mit den Titeln der Filme nicht öffentlich werben darf und deshalb nur Inhaltsangaben vorstellen kann. Derzeit ist es so, dass für die Vorführungen kein Eintritt erhoben und nur um Spenden gebeten wird. Ob wir das auf Dauer beibehalten können, weiß ich nicht.

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