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Pinneberger Tageblatt

18. Dezember 2017 | 17:48 Uhr

Fronleichnam - ein vergessenes Fest?

vom

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Pinneberg | Eine Bauern regel sagt: "Wie viele Tage vor Fronleichnam Regen, soviel Tage hinterher." Nun gut, das mit dem Regen haben wir sofort verstanden. Was aber ist "Fronleichnam"?

Anders als seine Verhohnepipelung "Happy Kadaver" hat Fronleichnam weniger mit "Leichnam" im Sinne unseres heutigen Sprachgebrauchs zu tun. Vielmehr bedeutete das Wort "lichnam" im 13. Jahrhundert, als das Fest seinen Anfang nahm: lebendiger Leib oder leibliche Hülle. Mit dem toten menschlichen Leib hatte das weniger zu tun. Das mittelalterliche Wort "Vron" kennen wir noch in dem Wort Fron-Arbeit, die die Arbeit für den Fürsten, den Herrn, beschrieb, der die Menschen seiner Fron unterwarf. Heute würden wir vielleicht eher von Sklavenarbeit sprechen.

An Fronleichnam feiern die katholischen Christen ihren Herrn (Jesus Christus), der seinen Jüngern am letzten Abendmahl Brot mit den Worten reichte: "Das ist mein Leib, der für Euch hingegeben wird." Jesus gab sich den Menschen mit Leib und Seele hin, ging für sie in den Tod am Kreuz, um ihnen in seiner Auferstehung ewiges Leben zu schenken. In der Feier des Abendmahls wird das Brot erneut in diesen Leib Jesu Christi verwandelt, nicht nur symbol-haft, sondern gegenwärtig und in seiner Substanz, so glauben die katholischen Christen. So können wir Fronleichnam auch mit "Lebendiger Leib Jesu Christi unter den Menschen" über-setzen. Als sichtbaren Hinweis darauf verehren die katholischen Christen das Brot in Form einer Hostie auch abseits der eigentlichen Dankes- oder Abendmahlfeier (Eucharistie). Üblich sind an diesem Fest Wege-Prozessionen, in denen die geweihte Hostie mitgeführt und verehrt wird.

Schon alte kirchliche Gesänge sprechen davon, dass diese "Verwandlung" des Brotes in den Leib Christi ein für den Menschen heiliges Geheimnis sei und sich dem Verstand verschließe. Diese Vergegenwärtigung des Leibes Jesu in Brot sei nur mit dem Herzen vollständig zu erfassen. So scheint dieses Fest nur etwas für gläubige Menschen zu sein. Diese Glaubenszeugen und die Verantwortlichen der Kirche sind heute besonders gefordert, neue sinnenhafte Bilder für diese Glaubenswahrheiten zu entwickeln, die die Menschen heute "begreifen" können. Diese Bilder dürfen aber den tiefen Sinngehalt nicht verfälschen und das Fest zu einer Mogelpackung machen. Damit wäre nichts gewonnen. Feste im Kirchenjahr wie das Fronleichnamsfest sind, meiner Meinung nach, eine bleibende Anfrage an uns persönlich und an unsere Gesellschaft, es sich nicht zu einfach zu machen. Die Fragen nach dem Sinn des Lebens oder nach dem Tod dürfen nicht in das private Kämmerlein verbannt werden. Wenn es nicht gelingt - im Übrigen auch den Katholiken selbst - zu vermitteln, warum es sich lohnt, Fronleichnam zu feiern, wird dieses Fest auf Dauer unserem schnelllebigen Zeitgeist zum Opfer fallen, so wie der 17. Juni oder der Buß- und Bettag.

Mir persönlich wäre es wichtig, lieber dem Fronleichnamsfest und seinem Geheimnis auf die Spur zu kommen als mein Leben nach Bauernregeln auszurichten. Nachher steht man dann nur im Regen.

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