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Bönningstedt : Freiwilligen-Forum hilft Mitbürgern in Not

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Einrichtung lebt von dem ehrenamtlichen Engagement der Helfer.

von
erstellt am 22.Aug.2014 | 16:00 Uhr

Bönningstedt | Es war im Herbst 2012, als der Bönningstedter Heinz Oertel dem Seniorenbeirat der Gemeinde von einem Projekt berichtete, das es in zahlreichen Städten und Gemeinden bereits gibt: Unbürokratische Hilfe im Alltag für Mitbürger, die in eine Notsituation geraten sind oder Unterstützung im täglichen Leben brauchen. Geleistet werden die Dienste ehrenamtlich von Menschen, die Freude daran haben, anderen zu helfen.

Flugs wurde das Bönningstedter Freiwilligen-Forum gegründet – und der Erste, der signalisierte „Ich brauche Hilfe“, war Heinz Oertel selbst. „Seitdem bin ich einmal in der Woche dort und lese ihm vor“, sagt Gisela Gröning. Der 96-jährige Oertel, der fast blind ist, habe bei der ersten Begegnung den Wunsch geäußert, Goethes „Faust“ mal wieder vorgelesen zu bekommen. Doch weder die Suche im heimischen Bücherschrank noch in der örtlichen Bücherei sei erfolgreich gewesen. „Dann habe ich begonnen, nach Hörbüchern zu suchen“, erzählt Gröning. Nach einiger Suche stieß sie auf die Westdeutsche Hörbücherei, mit der sie seitdem regen Kontakt hat, um Oertels literarische Wünsche zu erfüllen. „Die Zeit vergeht jedes Mal wie im Flug, er hat so viel Humor und ein unglaubliches Wissen – das ist eine riesige Bereicherung für mich“, sagt Gröning.

Auch Elvira Ramcke fährt regelmäßig zu einem älteren Mann, der halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist und zudem sehr schlecht sieht. „Ich brachte beim ersten Mal aktuelle Tageszeitungen mit und musste feststellen, dass er durch Radio und Fernsehen bestens über die aktuellen Themen informiert ist“, berichtet Ramcke. Stattdessen hatte ihr Klient einen ganz anderen Wunsch: Neurologische Fachbücher. „Ich habe viel dazu gelernt – ich weiß jetzt, wie das Gehirn funktioniert“, sagt Ramcke, die selbst demnächst 80 Jahre alt wird. „Wer weiß? Vielleicht freue ich mich auch bald darüber, dass mir jemand etwas vorliest“, sagt sie. Die gemeinsame Zeit mit ihrem Klienten möchte sie auf keinen Fall missen. „Man belohnt sich ja auch selbst, wenn man anderen eine Freude macht“, ist ihre Einstellung.

Das sieht Monika Schadendorf ganz ähnlich: „Ich schenke meine Zeit älteren Menschen, die an Demenzerkrankungen leiden“, berichtet sie. An einem fest vereinbarten Tag besucht sie Bewohner des Fasanenhofs, um mit ihnen spazieren zu gehen, mit ihnen zu reden oder auch zu singen. „Ich bin jetzt selbst in Rente und wollte gern anderen helfen“, so ihre Motivation. Es erfülle sie mit besonderer Freude, wenn an Alzheimer erkrankte Menschen, die häufig aggressiv seien, durch die freundliche Ansprache und das Sich-Kümmern wieder ruhiger würden.

Auch wenn das Schieben der Rollstühle manchmal beschwerlich sei, habe sie Spaß an den gemeinsamen Spaziergängen. „Ganz unwillkürlich fördert das manchmal Erinnerungen zutage“, berichtet Schadendorf. So habe sie einmal die heftigen Böen mit „Der Wind, der Wind“ kommentiert – worauf die alte Dame wie aus der Pistole geschossen den Satz mit „Das himmlische Kind“ fortführte. „Wir haben herzhaft gelacht“, sagt Schadendorf.

Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Forums tauschen die Freiwilligen regelmäßig ihre Erfahrungen aus und lernen so voneinander. Und die Motivation wurde seit der Gründung durch die Arbeit gestärkt: „Wir machen das mit Freude, weil wir so viel zurückbekommen.“

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