zur Navigation springen

Nach Berührung im Schwimmbad : Freispruch: Richterin sieht keine Beweise für sexuelles Motiv

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der Richterin fehlen die Beweise für einen absichtlichen Übergriff im Quickborner Schwimmbad. Schadenersatzklage abgewiesen.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2017 | 16:30 Uhr

Pinneberg | Ein 28 Jahre alter Mann aus Quickborn soll im vergangenen Sommer im Freibad einem Mädchen in den Schritt gefasst haben. Der Prozess gegen ihn vor dem Jugendschöffengericht Pinneberg endete gestern mit einem Freispruch. Richterin Dagmar Trüller ist zwar davon überzeugt, dass es eine Berührung gegeben hatte. Dass sie absichtlich mit sexuellem Motiv geschah, habe jedoch nicht zweifelsfrei bewiesen werden können.

Die Anklage lautete auf sexuellen Missbrauch eines Kindes. Der Vorwurf: Der 28-Jährige war am 20. Juli mit zwei Freunden im Quickborner Freibad. In einem Becken soll er sich von hinten einem zehn Jahre alten Mädchen genähert und ihr in den Schritt gegriffen haben. Das Mädchen, eine Freundin und ein Spielkamerad verständigten den Bademeister, der die Polizei rief. Zwei Beamte nahmen den 28-Jährigen mit. Eine Blutprobe ergab später einen Wert von 1,79 Promille. Laut einem Gutachten muss der Mann zum vorgeworfenen Tatzeitpunkt deutlich über zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben.

Während des Prozessauftakts am vergangenen Donnerstag hatten auch das betroffene Mädchen, eine Freundin und ein Freund ausgesagt. Staatsanwalt Jan Kessemeier hielt deren Aussagen für glaubwürdig. „Der Angeklagte hat die Tat zunächst vehement abgestritten. Später räumte er doch ein, dass es eine Berührung gegeben haben könnte. Ich bin davon überzeugt, dass diese Berührung nicht zufällig war“, sagte Kessemeier. Strafmildernd sei die starke Alkoholisierung des Mannes zu berücksichtigen. Der Staatsanwalt forderte in seinem Plädoyer neun Monate Gefängnisstrafe auf Bewährung. Dem schloss sich sich die Nebenklagevertreterin an. Sie forderte auch 1000 Euro Schmerzensgeld. Für sie ist klar: „Einen versehentlichen Tritt kann man im Schwimmbad schon mal bekommen. Ein Griff in den Schritt ist kein Zufall.“ Rechtsanwalt Christoph Heer plädierte dagegen auf Freispruch: „Die Zeugenaussagen waren nicht so eindeutig, als dass eine zufällige Berührung auszuschließen ist. Die Beweise reichen nicht.“

Richterin Dagmar Trüller folgte dem Antrag der Verteidigung. Sie sprach den Mann frei. „Nach unserer Überzeugung hat es eine Berührung gegeben. Was passiert ist, ist ein No-Go. Es gibt aber keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass das eine gezielte sexuelle Handlung war“, sagte Trüller. Die Aussagen der Kinder hätten nicht zusammengepasst. Wie es zu der Berührung kam, sei nicht zweifelsfrei rekonstruierbar. Trotzdem gab die Richterin dem Angeklagten eine Botschaft mit: „Ein Schwimmbad ist ein Ort, an dem sich auch Kinder aufhalten. Es ist nicht der Ort für betrunkene Erwachsene.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert